ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Wohlbefinden - ein neuer Gesundheitsbegriff

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.
  • Auch die DIN zur menschengerechten Arbeitsgestaltung zielt auf die Förderung des Wohlbefindens.
  • Die Vermeidung von Krankheiten muss auch beinhalten, dass bereits eher unspezifische Beschwerden ernst genommen werden.
  • Diese beeinträchtigen nämlich die Leistungsfähigkeit und können erste Anzeichen von schwereren Erkrankungen sein.
  • Betrieblicher Gesundheitsschutz sollte nicht nur der Krankheitsverhütung und -vorbeugung dienen, sondern der Gesundheitsförderung.

Wohlbefinden im Job? Ist das nicht eine etwas überzogene Forderung? Nein, denn gesund zu sein, ist mehr als nicht krank zu sein. Es umfasst ein Gefühl von Wohlbefinden sowohl in körperlicher als auch in seelischer und psychischer Hinsicht. Dies stellt schließlich die Basis für Motivation und Leistungsvermögen dar.

Was ist Gesundheit?   

Wer nicht krank ist, muss nicht automatisch gesund sein. Ob jemand krank ist, wird durch die Messung von Blutdruck, Zucker usw. festgestellt, doch viele „Unpässlichkeiten“ wie z. B. Nervosität, Erschöpfung oder Schlafstörungen entziehen sich solcher Befunde. Und doch sind oftmals solche schleichenden Beschwerden die Vorboten ernsthafter Erkrankungen. Aus diesem Grund stellt Gesundheit weit mehr dar als nur die Abwesenheit von Krankheit.

Wohlbefinden: Gesund sein ist mehr, als nicht krank zu sein

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Gesundheitsbegriff entwickelt, der sich ganzheitlich am Menschen orientiert und ihn als physisch-psychisches und soziales Wesen begreift, das seine Arbeits- und Lebensbedingungen mitgestaltet. Sie definiert Gesundheit folgendermaßen:
 
Definition Gesundheit der WHO
"Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur des Freiseins von Krankheiten und Gebrechen."
 
Auch die DIN EN ISO 9241-2 zur menschengerechten Arbeitsgestaltung will u.a. das Wohlbefinden am Arbeitsplatz fördern.

WHO setzt neue Kriterien

Im November 1987 fand die erste internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung statt. Dort wurde die Ottawa-Charta verabschiedet, die an dem umfassenden Gesundheitsbegriff der WHO anknüpft. Außerdem wird in der Erklärung die wichtige Bedeutung der Arbeit für die Gesundheit hervorgehoben:
 
"Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. (...) Die sich verändernden Lebens-, Arbeits- und Freizeitbedingungen haben entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit. Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit, die Arbeitsbedingungen und die Freizeit organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein. Gesundheitsförderung schafft sichere, anregende, befriedigende und angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen."
 
Im Klartext heißt das, dass es nicht nur um Krankheitsverhütung und Prävention geht, sondern um die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeits- und Umweltbedingungen.

Umfassendes Verständnis von Gesundheit 

In den 50er und 60er Jahren zielte Gesundheitserziehung darauf an, durch Aufklärung und Wissensvermittlung gesundheitsschonende Verhaltensweisen zu vermitteln. Gesundheitsförderung ist dagegen ein relativ neues Konzept. Bezogen auf den Arbeitsplatz beinhaltet es, dass dieser nicht nur der Ort ist, wo es Unfälle und Krankheiten zu vermeiden gilt. Eine gut gestaltete und inhaltlich befriedigende Arbeit leistet vielmehr einen aktiven Beitrag zur Förderung der Gesundheit und der Persönlichkeit.
 
Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst

  • Verhältnisprävention durch Schaffung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen,
  • Verhaltensprävention durch entsprechende Verhaltensweisen.

Betriebliche Gesundheitsförderung hat sich daran zu orientieren, unter welchen Bedingungen Menschen nicht nur gesund bleiben, sondern auch ihre Persönlichkeit und sozialen Fähigkeiten sowie lebenspraktische Fertigkeiten entwickeln können. Auch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und den Arbeits- und Lebensalltag zu verändern, zählt die Ottawa-Charta ausdrücklich dazu.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen  

Gesetze und Verordnungen 
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
    • Anhang N. 1.2 Abmessungen von Räumen
      "Arbeitsräume müssen eine ausreichende Grundfläche ... aufweisen, so dass die Beschäftigten ohne Beeinträchtigung ihrer Sicherheit, Gesundheit oder ihres Wohlbefindens ihre Arbeit verrichten können." 
Normen 
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: Ergonomie der Mensch-System-Ineraktion)
    • Teil 2: Anforderungen an die Arbeitsaufgaben - Leitsätze
      "Ziel dieses Teils der ISO 9241 ist es, Effizienz und Wohlbefinden der einzelnen Benutzer zu fördern."  

Literatur

 
Zum Einlesen:
 
Beermann, B.; Henke, N.; Brenscheidt, F.; Windel, A.:
Wohlbefinden im Büro,
hg. v. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin,
Dortmund, Berlin 7. Auflage 2010
 
Heeg, F. J.; Beinhold, F.; Bubel, S.:
Lust auf Arbeit. Was muss ich tun, was müssen andere für mich tun und was müssen ich und die anderen gemeinsam tun, damit Arbeit Spaß macht.
hg. v. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 3. Auflage Dortmund 2004
 
Berufsgenossenschaftliche Information BGI 597-23:
Wohl fühlen am Arbeitsplatz.
Arbeit und Gesundheit Basics 23,
hg. v. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin
Bezug: Universum Verlagsanstalt Wiesbaden, www.universum.de  
 
IG Metall:
Gesundheit schützen und fördern.
Eine Handlungshilfe zur betrieblichen Gesundheitspolitik.
3. aktualisierte Aufl., Frankfurt 2003
Bestelladresse: unter www.igmetall.de/gesundheit
 
Zum Vertiefen:
 
Hüther, G. /Fischer, J.E. :
Biologische Grundlagen des psychischen Wohlbefindens.
in: Fehlzeitenreport 2009, hg. von Badura/Schröder/Klose/Macco (Universität Bielefeld und Wissenschaftliches Institut der AOK), Berlin/Heidelberg (Springer Verlag) 2010
 

Bücher und Broschüren zu psychischen Belastungen und Stress

Verwandte Themen

Letzte Änderung: 30.08.2004

Logo Ergo Online
© 2016 Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung (BTQ Kassel)

Rechtsquellen
  • DIN EN ISO 9241  


mehr

Literaturtipps
  • Wohlbefinden im Büro,hg. v. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin,
    Dortmund  2010  


mehr

Verwandte Themen
Inhaltsverzeichnis