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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Was ist Ergonomie?

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Ergonomie ist die Wissenschaft von der Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen und seine Eigenschaften.
  • Als Teil der Arbeitswissenschaft ist ihr Hauptanliegen der individuelle Schutz der Person bei der Arbeit.
  • Zur menschengerechten Arbeitsgestaltung gehören auch psycho-soziale Anforderungen an die Arbeitsgestaltung.
  • Es sind alle Komponenten eines Arbeitsplatzes einschließlich der Arbeitsabläufe zu beachten, wenn die Arbeit ergonomisch sein soll.

Im Zusammenhang mit der Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen spielt die Ergonomie eine zentrale Rolle. Sie liefert nicht nur Erkenntnisse über den richtigen Stuhl und wie man darauf am besten sitzt.

Rundherum ergonomisch

Der Begriff "Ergonomie" setzt sich aus den griechischen Wörtern ergon = Arbeit, Werk und nomos = Gesetz, Regel zusammen. Nach Auffassung der International Ergonomics Association wird unter Ergonomie die Lehre von der menschlichen Arbeit und die Erkenntnis ihrer Gesetzmäßigkeiten verstanden.

Ergonomie und Organisation der Arbeit

Bei der Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen konzentriert sich die historisch bedingt vor allem ingenieurmäßig ausgerichtete Ergonomie hauptsächlich auf die Arbeitsmittel, die Arbeitsumgebung und die korrekte Anordnung der Arbeitsmittel. Die menschengerechte Gestaltung der Schnittstelle Mensch - Maschine oder Mensch- technisches System ist zentrales Anliegen der Ergonomie. Dazu gehört auch die Software-Ergonomie. Die Belastung bei der Arbeit soll durch Ergonomie gemindert und die Leistungsmöglichkeiten des Menschen am Arbeitsplatz verbessert werden.

Ergänzt wird der Blick auf Arbeitsmittel durch die Berücksichtigung des gesamten Arbeitssystems. Im Sinne einer Systemergonomie gehören also auch die Arbeitsaufgaben, die Abläufe, die gesamte Organisation der Arbeit und das soziale System im Betrieb dazu. Ergonomie kann im weitesten Sinne als menschengerechte Arbeitsgestaltung verstanden werden.

Vom Menschen ausgehen - Arbeit als Quelle der Gesundheit

Es gibt im deutschsprachigen Raum keine allgemeingültige Definition der Ergonomie. Gemeinhin wird darunter verstanden, dass die Arbeitsbedingungen den Menschen anzupassen sind - und nicht umgekehrt. Ein Arbeitsplatz ist dann ergonomisch gestaltet, wenn er keine Gesundheitsgefahren und arbeitsbedingte Erkrankungen verursacht und ein angenehmes Arbeiten im Sinne von Wohlbefinden ermöglicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Kriterien an einen menschengerechten Arbeitsplatz so formuliert:

"Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit und die Arbeitsbedingungen organisiert, sollte eine Quelle der Gesundheit und nicht der Krankheit sein."

Ergonomie gehört zur Arbeitswissenschaft

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Ergonomie eine Teildisziplin der Arbeitswissenschaft. Diese befasst sich mit der systematischen Erforschung der technischen, sozialen und organisatorischen Voraussetzungen, unter denen sich menschliche Arbeit vollzieht sowie den Wirkungen der Arbeit auf den Menschen und den Einflussfaktoren ihrer menschengerechten Gestaltung.

Die Arbeitswissenschaft verfolgt als Ziel, dass die Arbeitenden "in produktiven und effizienten Arbeitsprozessen

  • schädigungslose, ausführbare, erträgliche und beeinträchtigungsfreie Arbeitsbedingungen vorfinden,
  • Standards sozialer Angemessenheit nach Arbeitsinhalt, Arbeitsaufgabe, Arbeitsumgebung sowie Entlohnung und Kooperation erfüllt sehen,
  • Handlungsspielräume entfalten, Fähigkeiten erwerben und in Kooperation mit anderen ihre Persönlichkeit erhalten und entwickeln können."

(Definition der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft nach Luczak und Volpert,  zitiert aus: Bokranz/Landau: Einführung in die Arbeitswissenschaft 1991)

Ergonomische Kriterien

Die Ergonomie befasst sich mit der menschlichen Arbeit hauptsächlich unter dem Aspekt des individuellen Gesundheitsschutzes. Dafür sind die Kriterien "Schädigungslosigkeit", "Ausführbarkeit", "Erträglichkeit" und "Beeinträchtigungsfreiheit" aus dem ersten Teil der vorangestellten Definition der Arbeitswissenschaft maßgebend.

Kriterien der Ergonomie

list_pfeil_blau Schädigungslosigkeit:
Sie zielt darauf ab, dass die Arbeit zu keinen unmittelbaren Gesundheitsschäden z. B. durch Arbeitsunfälle führt.

list_pfeil_blau Ausführbarkeit:
Nach diesem Merkmal soll die Arbeit unter Beachtung der individuellen Gegebenheiten (Körpermaße, Belastbarkeit usw.) erledigt werden können. Dazu zählt bspw. die korrekte Abstimmung von Stuhl- und Tischhöhen auf die Körpermaße.

list_pfeil_blau Erträglichkeit:
Sie stellt sicher, dass der Job auch langfristig keine Schädigungen, wie Berufskrankheiten oder arbeitsbedingte Erkrankungen, verursacht.

list_pfeil_blau Beeinträchtigungsfreiheit:
Dieses Kriterium will darauf orientieren, dass durch die Arbeitsbedingungen die Psyche sowie das Wohlbefinden und damit auch langfristig die Gesundheit unbeeinträchtigt bleiben. Damit soll ein Riegel vorgeschoben werden, damit bspw. Überforderung, Unterforderung, Monotonie, soziale Isolation nicht zu psychischen Beeinträchtigungen führen.

Als weiteres Kriterium menschengerechter Arbeit nennen die arbeitswissenschaftlichen Experten/-innen die "Persönlichkeitsförderlichkeit". Danach soll Arbeit zudem zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit beitragen, was selbständige Tätigkeiten mit Handlungs- und Entscheidungsspielräumen ebenso voraussetzt wie Weiterqualifizierungsmöglichkeiten und sozialen Kontakt. Optimale Bedingungen liegen also vor, wenn das Ziel der Arbeit (der Dienstleistung, der Produktion von Gütern) mit den persönlichen Zielen, Motiven und Bedingungen in Einklang gebracht werden kann. Das ist Voraussetzung für Leistung, Kreativität und Innovationsfähigkeit nicht nur von Einzelnen sondern einer Organisation.
 
Eine persönlichkeitsförderliche Arbeitsgestaltung gelingt nur, wenn die Arbeitsbedingungen individuell gestaltbar sind.

Regeln in die Tat umsetzen

  1. Es müssen alle Komponenten eines Arbeitsplatzes von der Arbeitsumgebung (Platzbedarf, Klima, Licht usw.), der Hardware (Computer, Bildschirm, Tastatur usw.) bis hin zum Mobiliar (TischStuhl usw.) berücksichtigen werden.
  2. Die einzelnen Elemente sind an die körperlichen Maße des Nutzers bzw. der Nutzerin und an die zu erledigende Aufgabe anzupassen. Die Gefährdungsbeurteilung oder eine Überprüfung der Arbeitsplätze durch die Arbeitssicherheitsbegehung muss also die jeweiligen individuellen Bedingungen an einem Bildschirmarbeitsplatz (Größe der Person, Körperbau, Sehfähigkeit) bei der Analyse berücksichtigen.
  3. Die Arbeitsplatzelemente müssen aufeinander abgestimmt sein. Wer bspw. auf einem ergonomischen Stuhl an einem viel zu hohen oder zu niedrigen Tisch sitzt, nimmt zwangsläufig eine Fehlhaltung ein.
  4. Ein 'ergonomisches Ganzes' ergibt sich dann, wenn auch die Tätigkeit selbst und die Arbeitsabläufe Berücksichtigung finden. Die gesetzlichen Anforderungen spiegeln das wider. Die Bildschirmarbeitsverordnung verweist schließlich nicht nur auf Monitor, Tastatur und Stuhl, sondern bezieht auch die Arbeitsorganisation mit ein.

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    • § 4 Allgemeine Grundsätze 
Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion
  • DIN EN ISO 10075: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung

 

Literatur

-Zum Einlesen:  

BG ETEM (Hrsg.):
Ergonomie in der Druckindustrie und Papier verarbeitenden Industrie.
GB Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, Köln o.J.
enthält auch viele Hinweise auf sitzende Tätigkeit, Sehen und Bildschirmarbeit

Bakschas, Jörg:
Ergonomie und Gesundheit - Ihr Büro als Lebensraum.
hg. von buero-forum im bso Verband Büro-, Sitz- und Objekltmöbel e.V. , Wiesbaden 2012,  verfügbar als download  (2,7 MB)

Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften BGI 597-16:
Signale des Körpers - Ergonomie.
Arbeit und Gesundheit Basics 16, Sankt Augustin 

Berufsgenossenschaftliche Information BGI 523:
Mensch und Arbeitsplatz
Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2003 

-Zum Vertiefen:  

R. Neuhaus:
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Büro- und Bildschirmarbeit
München (Deutscher Wirtschaftsdienst) 2003 

Landau, Kurt (Hrsg.):
Good Practice. Ergonomie und Arbeitsgestaltung.
Stuttgart (ergonomia Verlag) 2003 

Bokranz, R., Landau, K.:
Einführung in die Arbeitswissenschaft
Stuttgart (UTB Verlag Eugen Ulmer) 1991 

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Letzte Änderung: 29.5.2012

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Rechtsquellen
  • Arbeitsschutz-
    gesetz § 4 Allgemeine Grundsätze 


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Literaturtipps
  • HVBG: Signale des Körpers - Ergonomie. Arbeit und Gesundheit Basics 16


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