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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Prävention

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Nach dem Arbeitsschutzrecht spielt Prävention eine zentrale Rolle.
  • Demnach sollen vorbeugende Maßnahmen vor arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren schützen.
  • Dies beinhaltet, dass ein moderner Arbeits- und Gesundheitsschutz bereits vor dem Auftreten von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten wirksam wird.
  • Auch psychischen Belastungen, die krank machen können, gehört die Aufmerksamkeit.
  • Prävention hat sowohl bei den Arbeitsbedingungen als auch beim Verhalten der Beschäftigten anzusetzen.
  • Krankheitsvermeidung hilft enorme Kosten zu sparen.
  • Vorbeugender Gesundheitsschutz ist zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor geworden.

    Wissensgesellschaft, Multimedia – die Arbeitswelt verändert sich rasant. Betriebliche Präventionskonzepte leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Beschäftigte sich wohlfühlen, gesund bleiben und die hohen - gerade auch psychischen - Anforderungen im Job  erfüllen können. Das geltende Arbeitsschutzrecht weist ebenfalls dem Präventionsgedanken eine große Bedeutung zu.

    Prävention - eine neue Arbeitsschutzphilosophie

    Durch die EU-Richtlinien zum Arbeits- und Gesundheitsschutz und ihre Umsetzung in das deutsche Arbeitsschutzgesetz hat Prävention einen neuen Stellenwert erlangt. Ein zeitgemäßer betrieblicher Gesundheitsschutz, zu dem Arbeitgeber jetzt verpflichtet sind,  muss demnach die konkreten Verhältnisse am Arbeitsplatz, aber auch geplante Veränderungen  unter Arbeitsschutzaspekten bewerten und potenzielle Gefahren beseitigen.  Dabei geht es nicht mehr allein um den Schutz vor Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, sondern arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren insgesamt soll der Kehraus gemacht werden.

    Auch Unfallversicherungsträger auf neuen Wegen

    Das Handeln der Berufsgenossenschaften erhielt ebenfalls eine neue Rechtsgrundlage: Ihr Präventionsauftrag wurde über die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten hinaus auf die Abwehr arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren erweitert. Im Januar 2004 ist zudem die neue Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV A1) in Kraft getreten. Diese Grundlagenvorschrift gilt für alle Branchen und umfasst die wesentlichen Bestimmungen über die Organisation des Arbeitsschutzes und über die im Betrieb zu treffenden Präventionsmaßnahmen.

    Ganzheitlichkeit ist gefragt

    Prävention schließt Maßnahmen zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit mit ein. Zudem erweitert sich das Spektrum der Anknüpfungspunkte für präventive Aktivitäten in den Unternehmen. Während bisher technische Maßnahmen sehr stark im Vordergrund standen, wird der Blick geschärft für Gestaltungsansätze, die Technik, Arbeitsorganisation, die sozialen Beziehungen, den Einfluss der Umwelt usw. sinnvoll miteinander verknüpfen. Es geht um die gesamte Bandbreite der Belastungen in der Arbeitswelt -  nicht nur um Lärm, dicke Luft, schlechtes Licht und Ähnliches. Auch psychische und psychosoziale Belastungsfaktoren wie Mobbing zählen dazu.

     
    Bild 1: 5 Berichte zur TCO'99 Zertifizierung (Quelle: TCO, 1998)

    Prävention nimmt potenzielle Risiken vorweg

    Der Begriff Prävention stammt aus dem Lateinischen. Er bedeutet „die Vorbeugung“ bzw. „das Zuvorkommen“. Prävention setzt die gedankliche Vorwegnahme von möglichen Gesundheitsgefahren  oder Beeinträchtigungen des Wohlbefindens am Arbeitsplatz voraus, um entsprechende Schritte einzuleiten, damit negative Folgen für die Beschäftigten vermieden oder zumindest vermindert werden. Prävention hat Vorrang gegenüber der nachträglichen Korrektur von Mängeln.

    Krankheitsvermeidung spart Kosten

    Wie wichtig die betriebliche Prävention ist, zeigt folgende Zahl: Jedes Jahr verursachen arbeitsbedingte Erkrankungen Kosten in Höhe von 28 Milliarden Euro.

    Gesundheitsgefährdende Verhältnisse und Verhaltensweisen in den Blick nehmen

    Verhältnisprävention setzt an den Arbeitsbedingungen an

    Durch ergonomische Gestaltung der Arbeitsumgebung und Arbeitsmittel, aber auch durch entsprechende Arbeitsinhalte und die Arbeitsorganisation sollen Gesundheitsgefahren beseitigt werden. Verhältnisprävention zielt auf den Abbau von Arbeitsbelastungen. Dabei sind der neueste Stand der Technik und arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen.
     

    Bild 2: Schmerzen. (Quelle: Der Schmerz, Broschüre der Techniker Krankenkasse, Hamburg 1995)
    Verhaltensprävention geht vom Mitarbeiter aus

    Hierunter fallen Maßnahmen zur Verhaltensänderung wie Bewegungs-, Ernährungs-, Nichtraucher-, Entspannungs-, Antistress-Programme usw. Durch geeignete Unterweisungen sollen die Beschäftigten aber auch Gesundheitsgefahren erkennen und ihnen durch ergonomisches Arbeitsverhalten begegnen.

    Ein Beispiel:
    Wer nichts über die Folgen falschen Sitzens für seinen Rücken weiß, wird auch nicht einsehen, dass er seinen Arbeitsstuhl korrekt einstellen muss. 

    Prävention muss sowohl an den Arbeitsbedingungen als auch am Verhalten der Mitarbeiter/-innen ansetzen.  Beide Strategien gehören zusammen. Verhaltensprävention setzt allerdings oft Verhältnisprävention voraus.  

    Ein Beispiel:
    An einem alten Bürostuhl lässt sich nicht viel einstellen, um darauf gesundheitsverträglich, also dynamisch zu sitzen, Allerdings: Was nutzt der beste Stuhl, wenn niemand weiß, wie man richtig damit umgeht.

    Unterweisung verbindet Verhältnis- und Verhaltensprävention

    Nach dem Arbeitsschutzgesetz (§ 12, Absatz 1) hat der Arbeitgeber die Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit angemessen zu unterweisen. Sie sollen damit in der Lage sein, an ihrem Arbeitsplatz oder Aufgabenbereich eine Gesundheitsgefährdung zu sehen und entsprechend zu handeln.

    Der Methodenmix machts

    In der betrieblichen Praxis ist eine Unterscheidung zwischen Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz, zur Prävention und zur Gesundheitsförderung wenig tauglich, denn sie müssen eine Einheit bilden.

    Dimensionen eines modernen Arbeits- und Gesundheitsschutzes   

    • Vorausschauender Schutz vor Unfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren
    • Prävention bezieht sich auf physische, psychische und soziale Faktoren
    • Förderung von Gesundheit und damit Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung

    Für clevere, kreative Köpfe vorbeugender Gesundheitsschutz   

    Immer mehr entwickelt sich das Wissen der Beschäftigten zu einem dominierenden Wertschöpfungs- und damit Wettbewerbsfaktor. Leistungsfähigkeit und -bereitschaft sowie die Entfaltung von Kreativität und intellektuellen Potenzialen sind eng an die Bedingungen von Gesundheit und Wohlbefinden gekoppelt. Nur ein gesunder und motivierter Mitarbeiter kann seine Humanressourcen optimal im Unternehmen einsetzen. Dies unterstreicht nachhaltig den Stellenwert von betrieblichen Präventionskonzepten, die zur Stabilisierung und Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten beitragen. Unternehmen können sich dazu Unterstützung bei KrankenkassenBerufsgenossenschaften und den staatlichen Arbeitsschutzämtern holen.

     

    Der Servicebereich

    Rechtsquellen und Normen 

    Gesetze und Vorschriften
    • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
      • § 2, Abs. 1 Begriffsbestimmungen
      • § 4  Allgemeine Grundsätze
      • § 5  Beurteilung der Arbeitsbedingungen
      • § 12 Unterweisung
    • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
      •  § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
    Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
    • Berufsgenossenschaftliche Information BGV A1: Grundsätze der Prävention, aktualisiert 2005, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften
    • Unfallverhütungsvorschrift GUV-V A1:  Grundsätze der Prävention, 2004, Unfallkasse des Bundes und anderer Unfallkassen im Öffentlichen Dienst

    Literatur

    Zum Einlesen:

    Walter Eichendorff u.a. (Hrsg.):
    Arbeit und Gesundheit Jahrbuch 2000, Innovation und Prävention
    Universum Verlagsanstalt, Wiesbaden, 2000

    Oleg Cernavin, Ulrich J. Wilken (Hrsg.):
    Dienstleistung Prävention. Bedarf, Konzepte, Praxisbeispiele
    Universum Verlagsanstalt, Wiesbaden, 1998 

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    Letzte Änderung: 26.07.2004

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    • Arbeitsschutzgesetz 


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