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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Belastungen & Beanspruchungen

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Rund zwei Drittel der Bildschirmarbeitskräfte klagen über Rückenprobleme, etwa 40 Prozent über Augenbeschwerden.
  • Wenn der Rücken schmerzt, spielen auch psychische Belastungen eine große Rolle, wie Untersuchungen zeigen.
  • Durch weniger Zeitdruck, mehr Anerkennung bei der Arbeit sowie Handlungsspielräumen statt starrer Vorgaben usw. wird die Arbeit befriedigender gestaltet.
  • Damit lassen sich auch Arbeitsbelastungen besser bewältigen.
  • In der Regel sind die Beschäftigten Mehrfachbelastungen ausgesetzt.
  • Die für die Computerarbeit typischen Beschwerden nehmen mit der Dauer der Tätigkeit zu und sie sind abhängig von der Art der Bildschirmarbeit.

Seit der nahezu flächendeckenden Einführung von Computern hat sich für die Beschäftigten in Büros ein gravierender Belastungswandel vollzogen. Durch Gestaltung lassen sich die typischen Beschwerden an Bildschirmarbeitsplätzen minimieren. Das sehen auch die vorhandenen Gesetze zwingend vor.
 

Was sind Belastungen?

Anders als in der Umgangssprache werden in der Arbeitswissenschaft unter Belastungen die auf den Menschen einwirkenden Faktoren bei der Arbeit verstanden, z.B. Umgebungseinflüsse wie Lärm, Klima und Schadstoffe, die aus der Arbeit resultierenden physischen und psychischen Anforderungen, die Arbeitsorganisation sowie Lage und Dauer der Arbeitszeit. 

Belastungen können sich auch ergeben aus den sozialen Beziehungen im Betrieb (Verhalten von Vorgesetzten, Betriebsklima) oder bspw. aus der Angst vor Arbeitsplatzverlust.

Fehlbelastungen führen beim Menschen zur Überforderung oder Unterforderung. Die Überforderung der Augen bei Blendungen hat die vorschnelle Ermüdung zur Folge. Auch Unterforderung durch einen monotonen Job kann auf Dauer Gesundheitsbeschwerden als Folge haben.

Psychische Belastungen

In der Arbeitswelt spielen psychische Belastungen und Stress eine immer größere Rolle. Sie entstehen bspw. durch Zeitdruck, Unterforderung bzw. Überforderung, Isolation, Monotonie, fehlende Anerkennung und Unterstützung, hohe Konzentration, große Informationsdichte, geringe Autonomie usw. 

Arbeitgeberpflichten und Maßnahmen

Das neue Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet den Arbeitgeber nach § 5 dazu, Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz zu ermitteln und abzubauen. Ausdrücklich sollen dabei Gefährdungen des Sehvermögens sowie körperliche und psychische Belastungen berücksichtigt werden, wie es es in § 3 der Bildschirmarbeitsverordnung heißt.

Mehrfachbelastungen

Belastungen treten in der Regel nicht einzeln auf, sondern meist existieren mehrere Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, die sich gegenseitig verstärken können. Deshalb ist es schwierig, eine Beanspruchung oder Gesundheitsstörung ursächlich einem einzelnen Faktor zuzuordnen. So können beispielsweise Kopfschmerzen sowohl von flimmernden Monitoren herrühren, als auch durch unzureichende Beleuchtung, Schadstoffe in der Raumluft, aber auch ein hohes Arbeitspensum bei dauernden Unterbrechungen ausgelöst werden. 

Deshalb greifen auch Gestaltungsmaßnahmen zu kurz, die nicht das ganze Arbeitssystem in den Blick nehmen. Ein ganzheitlicher Ansatz im Arbeits- und Gesundheitsschutz stellt den Menschen mit seinen Beanspruchungen und Bedürfnissen in den Mittelpunkt.

Was sind Beanspruchungen?

Unter Beanspruchung wird verstanden, wie sich die Belastungen auf den einzelnen Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin auswirken. Es sind quasi die "inneren körperlichen und psychischen Anstrengungen" bei der Erfüllung der Arbeitsaufgabe. Die Beanspruchung hängt nicht nur von der Belastungsstärke ab, sondern auch von Faktoren wie Alter, Konstitution sowie den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten bspw. mit Stress umzugehen. 

Die Möglichkeit zur Bewältigung wird auch maßgeblich beeinflusst von der Qualifikation der Mitarbeiter/-innen und den Entscheidungs- und Handlungsspielräumen am Arbeitsplatz.

Die Beanpsruchung des Menschen ist erstmal nichts negatives und kann anregend und aktivieren wirken. Einseitige oder überhöhten Beanspruchungen, die nicht mehr einfach "weggesteckt" werden können, haben allerdings Folgen für die Gesundheit und das Wohlbefinden.

Typische Beschwerden bei Bildschirmarbeit

Bildschirmarbeit birgt aufgrund der besonderen Belastungskombinationen die Gefahr von negativen Folgen. Seit Jahren zeigen Untersuchungen zu Gesundheitsbeschwerden bei der Computerarbeit ähnliche Befunde:

Dazu kommen häufig Erschöpfungserscheinungen, Konzentrationsstörungen, innere Unruhe, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden oder auch Hautprobleme und Beschwerden an Händen, Armen und Beinen. 

Die für Bildschirmarbeit typischen Gesundheitsbeschwerden haben einen starken Bezug zur Dauer der Tätigkeit und zur konkret zu erledigenden Arbeit: Sie sind bei qualifizierten, abwechslungsreichen und anspruchsvolleren Tätigkeiten geringer als bei weniger qualifizierten.

Ausmaß der Folgen erhöhter Belastungen bei Bildschirmarbeit

Beschwerden-Bildschirmarbeit-1

 

Beschwerden-Bildschirmarbeit-2

Grafik 1 und 2: Gesundheitsbeschwerden bei Bildschirmarbeit in Abhängigkeit von der Dauer und Art der Tätigkeit. (Quelle: Ertel u.a.: Psychosoziale Aspekte; in: Arbeitsmedizinische Aspekte der modernen Büroarbeit, Bundesanstalt für Arbeitsmedizin, Berlin 1994)

Typische Belastungen bei der Bildschirmarbeit

Bildschirmarbeit belastet besonders die Augen. Ständiges Sitzen und dabei eingenommene Zwangshaltungen verursachen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates. Diese Gesundheitsstörungen werden üblicherweise zurückgeführt auf unzureichende Arbeitsplatz- und Arbeitsmittelgestaltung. Gegenmaßnahmen konzentrieren sich deshalb häufig auf ergonomische Aspekte. 

Forschungsergebnisse belegen inzwischen, dass dabei auch psychische Belastungen eine Rolle spielen wie ein starker Termin- und Zeitdruck, geringer Entscheidungs- und Handlungsspielraum bei der Arbeit, widersprüchliche Arbeitsanweisungen, fehlende Anerkennung usw.

Chronische Erkrankungen

Langfristig können sich die bei der Bildschirmarbeit auftretenden Gesundheitsstörungen auch zu chronischen Krankheitsbildern entwickeln wie RSI, Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, des Herz-/Kreislaufsystems oder der Verdauungsorgane.

Gestaltungsmaßnahmen: Pausen und Mischarbeit

Um Belastungen an Bildschirmarbeitsplätzen zu verringern, muss die Tätigkeit durch regelmäßige Pausen unterbrochen werden oder sich mit anderen Arbeiten sich mit anderen Arbeiten wie Besprechungen, Kundengespräche, planerische und organisatorische Arbeiten abwechseln. Als belastungsmindernde Maßnahmen rangieren Pausenregelungen dabei eindeutig hinter Mischarbeit. Das schreibt die Bildschirmarbeitsverordnung in § 5 vor.

Ergonomie am Arbeitsplatz

Eine ergonomische Gestaltung des Bildschirmarbeitsplatzes ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Immerhin stellte sich bei einer repräsentativen Untersuchung im Oktober 2003 heraus, dass in Deutschland rund fünf Millionen Büroarbeitsplätze Mängel aufweisen. Als häufigste Probleme wurden in falscher Höhe angebrachte Monitore, Reflexionen auf dem Bildschirm sowie nicht höhenverstellbare Stühle und Tische genannt.

Arbeitswissenschaftler empfehlen

  • mehr Bewegung am Arbeitsplatz (mindestens 25 Prozent der täglichen Arbeitszeit),
  • Sitzhaltung häufig ändern (dynamisches Sitzen),
  • Arbeiten am Stehpult oder an einem auf Stehhöhe verstellbaren Arbeitstisch erledigen,
  • Bildschirmpausen sollten zu Bewegungspausen werden,
  • die am Bildschirm verbrachte Zeit reduzieren.

Arbeitsinhalt gestalten

DIN EN ISO 9241-2 enthält auch Hinweise für gut gestaltete Arbeitsaufgaben und dazu, was vermieden werden sollte wie Über- und Unterforderung, soziale Isolation, Monotonie oder unangemessener Zeitdruck.
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
    • § 3 Grundpflichten des Arbeitgebers
    • § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
    • § 6 Dokumentation
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
    • § 5 Täglicher Arbeitsablauf

Normen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion)
  • DIN EN ISO 10075: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung

Literatur 

- Zum Einlesen:  

Deutsches Büromöbelforum:
BSO-Studie 2011.
Informationen zur Qualität der Büroausstattung. Düsseldorf 2011, download unter www.buero-forum.de  

Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartmend/Hochschule Luzern (Hrsg.):
SBiB-Studie: Schweizerische Befragung in Büros.
Bern 2010, verfügbar als  download   (2 MB)

Beermann, B.; Henke, N.; Brenscheidt, F.; Windel, A.:
Wohlbefinden im Büro,
hg. v. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin,
Dortmund, Berlin 7. Auflage 2010

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
Gesundheit im Büro. Fragen und Antworten
Hamburg 2010

Gute Arbeit im Büro?
Tipps für den Arbeitsplatz Nr. 37/2009, hg. von IG Metall, www.igmetall.de/gutearbeit  

Prof. Dr. Siegrist:
Wann ist Arbeit gesund, wann macht Arbeit krank?
Vortrag auf der Fachveranstaltung GDA Hessen: zukunftsfähige Arbeit gesund gestalten. Wiesbaden 4.2.2009
verfügbar als download (557 kB)

Michael Ertel/ Gisa Junghans/ Eberhard Pech/ Peter Ullsperger:
Auswirkungen der Bildschirmarbeit auf Gesundheit und Wohlbefinden.
hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund, Berlin 1997 

-weitere Bücher und Broschüren

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Letzte Änderung: 29.09.2004

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Literaturtipps
  • Deutsches Büromöbelforum:
    Bildschirmarbeit in Deutschland,
    Düsseldorf 2003

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Rechtsquellen
  • Arbeitsschutzgesetz
  • Bildschirmarbeits-
    verordnung


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