ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Augen und Bildschirmarbeit

Autorin: Regine Rundnagel

Beschwerden sind bereits alltäglich

Schwerstarbeit für die Augen

Bildschirmarbeit ist Schwerstarbeit für die Augen. Die Augen leisten hier eine sehr einseitige Arbeit. Die zunehmende Bindung der Aufgaben an die EDV erfordert es oft 100 % der täglichen Arbeitszeit am Bildschirm zu verbringen.

Bild 1: Das Auge. (Quelle: Agentur "Kunst und Partner, Hamburg) 

Beim normalen Sehen schweift das Auge frei umher und die Anforderungen sind ausgewogen. Bildschirmarbeit überfordert die Augen durch eine deutlich erhöhte und häufig wechselnde Anpassung an Helligkeiten und Entfernungen. Je nachdem ob Dateneingabe- oder Dialogtätigkeit überwiegen, muss das Auge verschiedene Leistungen erbringen: 12.000 bis 33.000 Kopf- und Blickbewegungen zwischen Bildschirm, Tastatur und Vorlage und 4.000 bis 17.000 Pupillenreaktionen pro Tag. Gleichzeitig unterfordert Bildschirmarbeit durch die starre Sicht auf gleiche nahe Entfernungen, im gleichen Winkel und auf gleiche Objekte.

Die Folgen bleiben nicht aus: 30 - 40 % der Beschäftigten am Bildschirmarbeitsplatz klagen über häufige und ständige Augenbeschwerden, an Dateneingabearbeitsplätzen sind es fast 2/3. Müde, brennende und tränende Augen beeinträchtigen nicht nur die allgemeine Leistungsfähigkeit, sondern auch die Fehlerquote beim Lesen am Bildschirm. Verspannungen im Nacken und Kopfschmerzen können weitere Folgen sein.

Die häufigsten Beschwerden der Augen   

Bild 2: Ausmaß der Augenbeschwerden am Bildschirm im Vergleich zur Büroarbeit ohne Bildschirm nach einer Studie von 1980. (Quelle: DGB Technologieberatung e.V. Berlin: Bildschirmarbeit human gestalten, Berlin 1993)

Akkomodation und Adaption

Das Auge kann sich auf unterschiedliche Entfernungen einstellen. Diesen Vorgang nennt man Akkomodation. Die Anpassung auf unterschiedliche Helligkeiten wird als Adaption bezeichnet. Sind die Sehbedingungen erschwert, dann wird das Auge überbeansprucht und es kann die notwendigen Anpassungen nur noch unzulänglich herstellen. Als Folge davon kommt es zu gesundheitlichen Beschwerden. Dies kann bis zu Sehbeeinträchtigungen durch vorübergehende Kurzsichtigkeit von ¼ bis ½ Dioptrien führen.

Typische Erschwernisse

Blendungen, Spiegelungen

Der Helligkeitsunterschied bzw. der Kontrast (auch als Leuchtdichteunterschied bezeichnet) zwischen einem Bildschirm mit weißem Hintergrund und einem dahinterliegenden Fenster ohne direkte Sonneneinstrahlung kann im Sommer Werte bis 1:1000 annehmen. Ist der Helligkeitsunterschied zu hoch, spricht man von Blendungen des Auges. Auch Spiegelungen heller Lichtflecken auf dem Bildschirm, unabgeschirmte Lichtquellen, glänzende Oberflächen führen zu Blendungen. Muss das Auge häufig große Helligkeitsunterschiede innerhalb des zentralen Blickfeldes bewältigen, wird es überbeansprucht und ermüdet schneller. Schlechte Sehbedingungen durch Blendungen und Spiegelungen multiplizieren die Belastung der Augen am Bildschirm.

Beispiel: Zu hohe Kontraste bei falscher Arbeitsplatzgestaltung.

Die Zahlenwerte sind Angaben zur Leuchtdichte. Im Blickfeld sind die Leuchtdichteunterschiede und damit die Kontraste zu hoch und ermüden das Auge vorzeitig.

Bild 2: Kontraste im Blickfeld - Arbeitsplatz Fenster. (Quelle: TBS Oberhausen, Der Ergonomieprüfer, 1997)
Beleuchtung und Bildschirmqualität   

Auch die Beleuchtungsart kann eine Rolle spielen. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass die direkt-indirekt-Beleuchtung und viel Tageslicht für das Wohlbefinden am günstigsten ist.

Die Arbeitsplatzleuchte reicht für die Bildschirmarbeit abends nicht aus. Ausgewogene Kontraste im Blickfeld und eine Allgemeinbeleuchtung die für ausreichende Helligkeit sorgt, sind wichtige Voraussetzungen für entspanntes Sehen.

Ein unscharfer und flimmernder Bildschirm, zu kleine Schriftgröße, zu große Entfernung des Schirms und Spiegelungen oder direkte Sonnenlichteinstrahlung beeinträchtigen die Erkennbarkeit und Lesbarkeit der Zeichen. Mit angestrengtem Blick wird versucht, diese Mängel auszugleichen. Gibt stundenlangem konzentrierten Arbeiten am Bildschirm keine Gelegenheit zur Erholung, dann sinkt die Leistungsfähigkeit des Auges.

Software-Ergonomie

Einen wichtigen Einfluss hat die Darstellung der Zeichen am Bildschirm. LCD-Bildschirm lassen es aus technologischen Gründen nicht zu, verschiedene Auflösungen einzustellen, nur bei der technisch Vorgegebenen Einstellung ist die Schrift scharf. Nicht für alle sind hohe auflösungen günstig, wenn die damit verbundene Zeichendarstellung zu klein ist. Das kann nur individuell geprüft werden.

Raumklima

Augenrötungen oder Jucken und Kratzen im Auge kann seine Ursache in "trockenen Augen" haben. Sie treten häufig auf, wenn in Räumen mit trockener Luft am Bildschirm gearbeitet wird, man spricht vom  "office eye syndrom". Arbeitsmediziner fanden heraus, dass der starre Blick auf den Bildschirm die Lidschlagfrequenz herabsetzt, die Oberfläche des Auges wird nicht mehr ausreichend mit Flüssigkeit versorgt, trockene Luft tut ihr übriges. Eine ausreichende Luftfeuchtigkeit, empfohlen werden 50 bis 65 %, sorgt für Wohlbefinden und erleichtert die Augenarbeit am Bildschirm.

Pausen

Stundenlange starre Blicke auf den Bildschirm verstärken die Augenbeschwerden. Mit "Seh-"Abwechslung durch unterschiedliche Tätigkeit und regelmäßige Kurzpausen wird dem Auge Erholung gegönnt. 

Abhängigkeit von der Dauer und Tätigkeit

Je länger und einseitiger, desto negativer

Eine ganze Reihe von arbeitsmedizinischen Studien zeigen es auf: Je länger die tägliche Arbeitszeit am Bildschirm ist und je seltener die Pausen, desto häufiger werden die oben aufgezählten Beschwerden angegeben. Einseitige Tätigkeit mit starker Bildschirmbindung führt verstärkt zu Beschwerden. Bereits nach 2 Stunden ununterbrochener Arbeitszeit am Bildschirm kann es zu Sehschärfeminderungen oder Farbsinnstörungen kommen. Auch die Dauer der Bildschirmarbeit im Arbeitsleben scheint einen negativen Einfluss zu haben. Schädigungen der Augen und eine Verschlechterung der Sehfähigkeit sind nach den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen bei Einhaltung von Ergonomie und Gesundheitsvorsorge nicht zu befürchten. Es gibt allerdings Arbeitswissenschaftler, die Schädigungen aufgrund langfristiger Beschwerden vermuten.

Regeneration möglich

Das Auge kann sich regenerieren. Schon ein Blick zwischendurch in die Ferne kann erholsam sein. Nach 2 Stunden ununterbrochener Bildschirmarbeit braucht das Auge 15 Minuten zur Regeneration. Diese medizinischen Erkenntnisse haben sich in dem gesetzlich verankerten Recht auf Bildschirmpausen niedergeschlagen. 5 bis 10 Minuten pro Stunden sind hier empfehlenswert. Die seit 1996 gültige Bildschirmarbeitsverordnung sorgt dafür, dass in jedem Betrieb eine Gestaltung der Bildschirmarbeit entweder durch Tätigkeitswechsel oder durch Kurzpausen vorgenommen werden muss. Pausen zur Regeneration oder Tätigkeitswechsel verhindern vorzeitige Ermüdung und stellen damit einen Betrag zur Leistungsfähigkeit des Auges dar.

Vorsorge

Die Augenvorsorgeuntersuchung ist gesetzlich vorgeschrieben und muss vom Arbeitgeber für alle Beschäftigten, die am Bildschirm arbeiten, angeboten werden. Da sich das Auge im Alter verändert, ist eine regelmäßige Vorsorge ab 40 Jahre alle 3 Jahre vorgesehen. Für die Kosten der Vorsorge und für eine spezielle Bildschirmbrille kommt der Betrieb auf.

Brille

Wird eine vorhandene Fehlsichtigkeit nicht ausgeglichen, stellt das Zusatzanforderungen an das Auge und Beschwerden können sich erheblich verstärken. Rechtzeitig für eine ausreichende Korrektur der Sehfähigkeit zu sorgen, stellt deshalb ein wichtiges Stück der individuellen Vorsorge dar.

Bildschirmbrillen sind Sehhilfen, die speziell auf die Sehentfernung am Bildschirm abgestimmt sind. In der Regel brauchen Ältere eine Bildschirmbrille. Die abnehmende Flexibilität des Auges führt dazu, dass die normale Brille zum Lesen am Bildschirm in Entfernungen von 60 bis 80 cm nicht mehr ausreicht.

Das Recht auf die Kostenerstattung einer Bildschirmbrille haben nur Beschäftigte, die mindestens 30 bis 45 Minuten und damit einen nicht unwesentlichen Teil ihres normalen Arbeitstages am Bildschirm arbeiten.

Handlungsansätze im Betrieb

Um das Thema Seharbeit im Betrieb präventiv und wirksam anzugehen, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  • Einkauf von Bildschirmen unter Berücksichtigung der Sehbefürfnisse
  • Gefährdungsanalyse unter Einbezug von Beleuchtung, Raumluft und Software-Ergonomie
  • Detaillierte Schwachstellenanalyse an Arbeitsplätzen bei Beschwerden
  • Sehtest im Intranet
  • Informationen zur ergonomischen Einrichtung des Arbeitsplatzes im Intranet
  • Ergonomieberatung auch zur Einstellung der Software
  • Schulung der Mitarbeiter/-innen
  • regelmäßige Augenvorsorgeuntersuchung
  • Pausen-Software
  • Sehpass

  

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    • § 5 Täglicher Arbeitsablauf
  • Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
    • Angebotsuntersuchungen
    • Anhang
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650/ GUV I-650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2007/Bundesverband der Unfallkassen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 786: Sehhilfen am Bildschirmarbeitsplatz, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2010
Urteile
  • Urteil zur Bildschirmbrille: Wer hat das Recht auf Kostenerstattung der Bildschirmbrille?
    Arbeitsgericht Neumünster, Aktenzeichen 4Ca 1034b/99

Literatur   

Zum Einlesen:

 
Kiper, Manuel:
Kurzsichtigkeit vermeidbar? Prävention gegen Augenleiden bei moderner Büroarbeit
in: Computer und Arbeit, AIB Verlag Frankfurt/Main, 12/2014 

Brugger, Barbara:
Entspannte Augen am PC.
Offenbach (GABAL Verlag) 2012

 
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
Sehhilfen am Bildschirmarbeitsplatz.
Flyer, Version 1.0/2010,  download unter www.vbg.de

Barbara Brugger:
Makuladegeneration durch Bildschirmarbeit?
in: Augenblick. Zeitschrift für gesundes Sehen  9/2010, Seite 6-7

Manuel Kiper:
Schutz der Augen bei der Bildschirmarbeit.
in: Computer und Arbeit 6/2008 AIB-Verlag (www.aib-verlag.de)
 als download   verfügar

Manuel Kiper:
Augenbeschwerden bei Bildschirmarbeit.
in: Computer und Arbeit 6/2008, www.aib-verlag.de
als download  (160 kB) verfügbar 

 
Zum Vertiefen:
 
Ertel, M./Junghanns, G./Pech, E./Ullsperger, P.: 
Auswirkungen der Bildschirmarbeit auf Gesundheit und Wohlbefinden. Ergebnisse betrieblicher Untersuchungen mit dem Fragebogen "Gesundheit am Bildschirmarbeitsplatz".
Schlussbericht, hg. v. der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Schriftenreihe Forschung, Fb 762, Dortmund/Berlin 1997

Literatur zu Sehen und Beleuchtung bei Bildschirmarbeit

Verwandte Themen

 

Letzte Änderung: 9.10.2008

Logo Ergo Online
© 2015 Gesellschaft Arbeit und Ergonomie - online e.V.

Rechtsquellen
  • Bildschirmarbeits-
    verordnung 


mehr

Literaturtipps
  • Manuel Kiper:
    Augenbeschwerden


mehr

als download zur Verfügung gestellt von

 

Verwandte Themen
Inhaltsverzeichnis