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Expertenwissen
Mit der Dauer der Bildschirmarbeit nehmen die Augenbeschwerden zu

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht 

  • Wer viele Jahre am Bildschirm arbeitet, sieht schlechter.
  • Die Sehschärfe vermindert sich vor allem im mittleren Sehbereich.
  • Allerdings spielen dabei die ergonomischen Arbeitsbedingungen und der Handlungsspielraum bei der Arbeit eine Rolle und nicht nur die unmittelbare Tätigkeit am Monitor.
  • Zu diesem Ergebnis kommen ältere und neuere empirische Untersuchungen.

Augenbeschwerden sind bei Beschäftigten, die ausschließlich Bildschirmarbeit verrichten eindeutig erhöht. Beschwerden sind z.B. brernnende oder ermüdete Augen.  

Arbeitsmediziner/-innen der Frankfurter Universität hatten 1998 den Zusammenhang zwischen Bildschirmarbeit und auftretenden Augenbeschwerden sowie einer Veränderung der Sehschärfe untersucht. Grundlage der Studie bildeten Daten aus Untersuchungen der Augen und des Sehvermögens nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 37. Im einzelnen ausgewertet wurden die Daten von 418 an Bildschirmarbeitsplätzen tätigen Personen, die mindestens zweimal betriebsärztlich untersucht worden waren. Davon arbeiteten 266 im Arbeitsamt und 152 an der Börse. Zum Zeitpunkt der Erhebung hatten die Betroffenen durchschnittlich 6300 Arbeitsstunden Bildschirmarbeit geleistet. Das entspricht einer täglichen am Monitor verbrachten Zeit von rund 4,2 Stunden in 7,4 Jahren.

Forschungsergebnis Feldstudie 1998

Bei der Auswertung wurde eine Dosis-Wirkung-Beziehung festgestellt, das heißt mit der Dauer der Bildschirmarbeit nehmen Augenbeschwerden zu. Wie zu erwarten war, spielt auch das Alter eine Rolle: Ältere Beschäftigte über 45 Jahre klagen deutlich stärker über Beeinträchtigungen beim Sehen als jüngere, und sie müssen häufiger eine Brille tragen. Auch Veränderungen bei der Sehschärfe sind altersabhängig. Das Geschlecht hat keinen Einfluss.

Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Beschäftigten im Arbeitsamt und an der Börse

Allerdings fand das Team um Professorin Gine Elsner auch einen Zusammenhang heraus zwischen längerer Dauer der Bildschirmtätigkeit und einer verschlechterten Sehschärfe im mittleren Entfernungsbereich (33 bis 55 cm). Dabei erwies sich der Beschäftigungsbereich als bedeutsam: Deutlich häufiger als bei den Börsenangestellten wurde bei den Beschäftigten des Arbeitsamtes eine Verschlechterung der Sehkraft zwischen der ersten und der letzten Vorsorgeuntersuchung beobachtet. Dabei ist der mittlere Sehbereich gerade derjenige, der für die Bildschirmarbeit notwendig ist.

"Börsianer" arbeiten selbstbestimmter und unter besseren ergonomischen Voraussetzungen

Die Frankfurter Arbeitsmediziner/-innen erklären dieses Resultat mit den unterschiedlichen Arbeitsbedingungen in beiden Betrieben. Die Tätigkeit der Beschäftigten im Arbeitsamt sei viel restriktiver als die relativ selbstbestimmte Arbeit der "Börsianer". Erstere seien stark belastet durch monotone Dateneingaben in den Computer und durch teilweise frustrierende Kundenkontakte. Die Börsenangestellten hätten hingegen eine vielseitigere Tätigkeit, die Freiräume beinhalte für die zeitliche und inhaltliche Organisation der Bildschirmarbeit. Außerdem fand das Forscherteam deutliche Unterschiede in der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze: Die PC-Arbeitsplätze im Arbeitsamt wären ergonomisch schlechter ausgerüstet als die der Börsenbeschäftigten.

Ergebnisse Studie 2007

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat in einer neuen Studie bestätigt, dass bei Bildschirmarbeiter/-innen, die lange und ohne Unterbrechungen am Bildschirm arbeiten oder die große Datenmengen in kurzer Zeit eingeben die Wahrscheinlichkeit der Augenbeschwerden erhöht ist. Mangelnde Arbeitszufriedenheit und zu wenig Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum verstärken diesen Zusammenhang noch.

Hintergrund ist der starre Blick auf den Bildschirm, der für konzentriertes Arbeiten typisch ist. Die Benetzung der Augenoberfläche wird durch die verringerte Lidschlaghäufigkeit verringert und es kommt zu trockenen oder tränenden Augen (office-eye-effect) durch Bindehautreizung. Verstärkt wird dieser Zusammenhang durch trockene Luft. Lange Arbeitszeiten am Bildschirm ermüden die Augenmuskulatur, schlecht korrigierte Augen, unscharfe oder zu kleine  Zeichendarstellungen oder zu hohe Kontraste im Blcikfeld tun ihr übriges und am Feierabend treten verschwommenes Sehen oder Augenschmerzen auf.

 

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Literatur und Quellen

 

Manuel Kiper:
Augenbeschwerden bei Bildschirmarbeit.
in: Computer und Arbeit 6/2008, www.aib-verlag.de
als download  (160 kB) verfügbar

A. Klußmann u.a.:
Augenbeschwerden an Bildschirmarbeitsplätzen.
in:  Arbeitsmedizin-Sozialmedizin-Umweltmedizin 3/2007, Seite 165

Prof. Gine Elsner, Dr. Andreas Seidler, Eduard Feinweber und Renate Feinweber:
Betriebsärztliche Untersuchungen bei Bildschirmarbeitern. 
in: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Heft 8/1998

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Letzte Änderung: 9.10.2008

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  • Manuel Kiper:
    Augenbeschwerden


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