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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Prüfsiegel und Gütezeichen

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht 

  • Güte- und Prüfsiegel erteilen Auskunft über bestimmte Qualitätskriterien wie Betriebssicherheit, Strahlungsarmut, Ergonomie, Umweltverträglichkeit. 
  • Ihre Aussagekraft ist sehr unterschiedlich, da ihnen verschiedene Messmethoden und Kontrollmöglichkeiten zugrunde liegen.
  • Bei Kaufentscheidungen sollte man darauf achten, wer sie vergibt und wie ihre Einhaltung kontrolliert wird.
  • Obligatorische Pflicht für Hersteller ist das CE-Zeichen, das vergibt der Hersteller als Selbsterklärung.
  • Alle anderen Zeichen sind freiwillig nutzbar.
  • Zur Zeit gilt TCO 5 als strengstes Prüfzeichen bei Bildschirmgeräten. TCO 6 ist in Vorbereitung.
  • Die Prüfung nach GS-Zeichen bezieht sich auf Arbeitssicherheit, Ergonomie und Gesundheitsschutz und ist im Produktsicherheitsgesetz geregelt.
  • Die Unfallversicherungsträger vergeben das DGUV-Test Zeichen für sichere, ergonomische und schadstofffreie Arbeitsmittel.

Prüf- und Gütesiegel für Produkte sollen Qualitätshinweise liefern und dem Verbraucher oder Einkäufer Orientierung geben. Einige bestätigen Sicherheit und die Einhaltung von Mindestnormen und haben gesetzliche Grundlagen. Überwiegend sind die Gütezeichen von privaten Organisationen geschaffen und auf Umweltschutz und Ergonomie ausgerichtet. Für die Verbraucher ist es deshalb nicht immer einfach ihre Aussagekraft zu bewerten. Es empfiehlt sich, auf Zeichen unabhängiger Institute zu achten.

Für die Bildschirmarbeit haben Gütezeichen für BildschirmeNotebooks und andere IT-Produkte und für die Arbeitsplatzeinrichtung, Arbeitstisch und ArbeitsstühleLeuchten und mehr Bedeutung. Wir geben hier einen Überblick.

MPR II

  •  Was wird geprüft?

Bildschirmstrahlung

MPR II umfasst Grenzwerte, die sich auf die elektromagnetischen und elektrostatischen Felder von Monitoren beziehen. Betroffen waren davon die Kathodenstrahl-Röhrenmonitore (CRT). Die Strahlung wird in einem Abstand von 50 cm vor dem Bildschirm gemessen. Hintergrund des Prüfsiegels ist der Grundsatz, dass bislang die Ungefährlichkeit von Bildschirmstrahlung von Röhrengeräten noch nicht nachgewiesen ist und die Abschirmung der Strahlung deshalb notwendig ist, sie ist auch technisch machbar. LCD-Geräte haben diese Problematik nicht. Die Anforderungen des TCO-Prüfsiegels für Monitore sind deutlich höher und ersetzten MPR II.

  • Vergabe und Kontrolle 

MPR II wurde vom Vorläufer des schwedischen Staatlichen SWEDAC (the Swedish Board for Technical Accreditation) als Empfehlung für Strahlungsgrenzwerte herausgegeben. Sie hat sich inzwischen in der Bundesrepublik Deutschland als Mindeststandard durchgesetzt. Eine Kontrollbehörde gibt es nicht. Jeder Hersteller, der meint die MPR II zu erfüllen, kann das Label an den Geräten anbringen. In Deutschland prüft der TÜV Rheinland die Anforderungen im Rahmen der Zertifizierung von Produktsicherheit.  

TCO - Gütesiegel 

  • Was wird geprüft bei LCD-Bildschirmen?
  1. Anwenderfreundlichkeit und Ergonomie: Bildqualität wie Hintergrundhelligkeit, Kontrast, Bildstabilität und Gleichmäßigkeit, Strahlungsarmut, Bildaufbauzeit, Farbdarstellung, Oberflächenreflexion u.a., Höhen- und Neigungsverstellbarkeit, Blickwinkel, elektrische Sicherheit, niedriger Lärmpegel
  2. Umweltverträglichkeit: Energieeffizienz, minimale Verwendung gefährliche Substanzen, entwickelt für Reycling, recycelbare Verpackung, verlängertes Produktleben, Rückgabe, Umweltmanagementsystem
  3. aktive soziale Verantwortung

TCO bewertet nicht nur Bildschirme, sondern auch Rechner (Desktops), Notebooks, Tablet PC´s , Projektoren und Headsets. Label für Röhrenmonitore gibt es nicht mehr, die Prüfkriterien beziehen sich LCD-Bildschirme.

Das Zeichen war ursprünglich ein Siegel, das die MPR II - Norm für strahlungsarme Röhren-Bildschirme erweiterte. Die Strahlung wurde z. B. in einer Entfernung von 30 cm und rund um das Gerät herum gemessen und die Grenzwerte laufend nach dem Stand der Technik heraufgesetzt. Mittlerweile gelten hier auch sehr viel strengere Anforderungen im Bereich der Energieeiffizienz (orientiert am Gütesiegel Energy Star) und der Umweltverträglichkeit. Internationale und europäische Gesetze werden berücksichtigt (RoHS, WEE). TCO fordert allerdings mehr, als das was die Hersteller hier nach Gesetz erfüllen müssen.

Zur Schadstoffvermeidung sind u. a. alle chlor- und bromhaltigen Flammschutzmittel, Schwermetalle und PVC Tabu, nicht nur in den Werkstoffen sondern auch im Verpackungsmaterial. Als einziges Umweltlabel schreibt es bereits für die Produktion vor, dass keine Fluorchlorkohlenwasserstoffe und chlorierte Lösungsmittel eingesetzt werden.

Die Anforderungen an die ergonomische Eigenschaften der Bildschirmanzeige orientieren sich an der DIN EN ISO Teil 303 (Anforderungen an elektronisch optische Anzeigen) und die aktuelle  TCO Certified Display 5 geht weiter als die Norm

Neuerdings beinhaltet TCO auch den Aspekt soziale Verantwortung. Der Hersteller muss aktiv an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei der Herstellung des Produkts arbeiten.

  • Vergabe und Kontrolle

Der schwedische Gewerkschaftsbund TCO, die Zentralorganisation für Angestellte, hat dieses Gütesiegel entwickelt. Es wird nur vergeben, wenn die Einhaltung der Anforderungen durch die Vorlage entsprechender Testberichte nachgewiesen wird bzw. unabhängige Labore Produktmuster testen. TCO behält sich stichprobenartige Kontrollen vor. Seit 2005 muss sich das  TCO - Gütesiegel auf dem Typenschild des Produkts befinden.  

  • Kontinuierliche Verbesserung

Das TCO-Label wird fortlaufend aktualisiert und dem Stand der Technik angepasst. TCO Certified Edge Displays ist eine Zusatzzertifizierung für Produkte, die in Bezug auf Umweltschutz und Benutzerfreundlichkeit eine Spitzenposition einnehmen.

TCO Prüfsiegel bescheinigen eine breit umfassende Qualität. Hersteller unterziehen sich der Produktprüfung freiwillig, allerdings gilt TCO heute als Stand der Technik bei Bildschirmgeräten. Ziel von TCO Development ist Nachhaltigkeit bei Herstellung, Nutzung und Wiederverwendung von IT-Geräten.

Blauer Engel - Umweltzeichen RAL

 

  • Was wird geprüft bei Bildschirmen? 

Bei Arbeitsplatzcomputern und Notebooks: Energieverbrauch, Energiesparfunktion, Umweltverträglichkeit der Materialien, Vermeidung von Gefahrstoffen, Recyclingfähigkeit, Lärmemission, Reparaturfähigkeit, Verbraucherinformation

Wichtigste Ziele  des Umweltzeichens sind der Klimaschutz, die Verminderung des Energieverbrauchs und die Vermeidung von Schadstoffen und Abfall. RAL gibt an, das durch die Anforderungen des Zeichens die Geräte 60% weniger Energie im Vergleich zu den marktüblichen Durchschnittsgeräten verbrauchen.

Von den Herstellern verlangt das Prüfsiegel Blauer Engel für Arbeitsplatzcomputer  (RAL-UZ 78a 2011) und Notebooks (RAL-UR 178d 2011), das sie grundlegend für einen geringen Energieverbrauch und darüber hinaus für eine Energiesparfunktion zu sorgen, die nach 15 Minuten Inaktivität den Bildschirm abschaltet und nach spätestens 30 Minuten Inaktivität den Ruhemodus aktiviert. Die Forderungen des Zeichens Energy Star sind einzuhalten. Die Computer müssen aufrüstbar und recycelbar sowie reparaturfreundlich zu hergestellt sein. Beispielsweise sollen sich ein neuer Prozessor oder mehr Arbeitsspeicher  - auch bei Notebooks - einbauen lassen. Das Gerät muss manuell zerlegbar sein, das erleichtert die Trennung für das Recycling.

Das Gehäuse muss ohne PVC auskommen und darf einer Reihe von Gefahrstoffen (umweltschädlich, krebserregend und toxisch) wie Schwermetalle oder halogenhaltige Flammschutzmittel nicht enthalten. 90 % der  Kunststoffe oder Metalle des Gehäuses müssen wiederverwertbar sein. Biozid wirkendes Silber darf nicht auf berührbaren Oberflächen vorhanden sein, in Displays darf kein Quecksilber enthalten sein. Die Versorgung mit Ersatzteilen ist fünf Jahre nach der Produktionseinstellung sicher zu stellen. Eine kostenlose Rücknahme der Geräte ist zu garantieren, das allerdings ist durch das Elektro- und Elektronikgerätegesetz in Deutschland Pflicht.

Auch Lärmschutz wird gefordert: bei Notebooks darf der A-bewertete Schallleistungspegel maximal bei 40 dB liegen, bei Rechner mit Lüftern bei 42 dB. Die Verbraucherinformationen müssen auch die umwelt- und gesundheitsrelevanten Informationen enthalten.

Das Siegel gibt es auch für Drucker, Tastaturen und für Handy´s, die dann einen niedrigen SAR-Wert (Angaben über die Absorption der elektromagnetischen Strahlung im Gewebe) haben müssen.

  • Was wird geprüft bei Druckern und Kopierern?

Nach der Vergaberichtlinie auf der Grundlage von RAL UZ-122 (ab 2007) muss ein Drucker, Kopierer oder Multifunktionsgerät mit Toner und Tinten arbeiten, die keine gefährlichen Stoffe enthalten und Behälter wiederauffüllbar sind. Die Geräte müssen lärmarm sein, so wird ein maximaler Schallleistungspegel bei einem Laser-Bürogerät mit einer Druckgeschwindigkeit von 15 Seiten/Minute im schwarz-weiß-Druck von 64 dB(A) verlangt, insgesamt bei Druckern maximal 75 dB(A). Hersteller sind verpflichtet, Hinweise zu geben, dass Drucker mit mehr als 63 dB(A) Schalleistungspegel nicht in Büroräumen, in denen überwiegend geistige Tätigkeiten verrichtet werden, aufgestellt werden sollen. 

Drucker müssen energiesparend mit einer Energiesparfunktion und emissionsarm mit Grenzwerten für die maximale Freisetzung von Feinstaub, Ozon und flüchtige organische Stoffe konstruiert sein. Herstellungsbedingt dürfen nur minimale Spuren von Schwermetallen, keine halogenorganischen Verbindungen und krebserzeugenden Stoffe in den Kunststoffteilen enthalten sein, sie müssen recycelbar sein. Die Geräte müssen Recyclingpapier aus 100 % Altpapier verarbeiten können und ab einer Geschwindigkeit von 21 Seiten/Minute Duplexdruck  - auch als Zusatzoption - ermöglichen. Ersatz- und Verbrauchsteile müssen mindestens 5 Jahre nach Produktionseinstellung noch verfügbar sein. Alle Geräte müssen nach Elektro- und Elektronikgerätegesetz seit 2006 von einer kommunalen Sammelstelle zurückgenommen und umweltgerecht entsorgt werden.

  • Vergabe und Kontrolle 

Der Blaue Engel ist ein Zeichen des Bundesumweltministeriums, Schwerpunkt ist der Umweltschutz. Die Vergabe erfolgt durch ein weisungsfreies, unparteiisches und ehrenamtlich tätiges Gremium. Viele Kriterien gelten als erfüllt, wenn der Hersteller schriftlich erklärt, sie einzuhalten. Ansonsten müssen Prüfberichte unabhängiger Prüfinstitute vorliegen, anhand derer die Zeichenvergabestelle RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. die Prüfung vornimmt und Bundesumweltamt eine Stellungnahme abgibt. An der Jury Umweltzeichen sind Vertreter/-innen des Umweltbundesamtes, des Bundesumweltministeriums, des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Verbraucherverbände, Gewerkschaften, Industrie, Handel, Handwerk, Kommunen, Wissenschaft, Medien, Kirchen und Bundesländer beteiligt. Wofür der Blaue Engel jeweils erteilt wird, kann dem unteren Schriftzug im Etikett entnommen werden.

Viele Hersteller von Druckern nutzen mittlerweile den Blauen Engel, im Bereich der Computer dagegen ist das Siegel nicht verbreitet.

Vergleich der Zeichen im Überblick

Die wichtigsten Prüfzeichen für den Bereich IT-Produkte
TCO 5 Blau-
er
Engel
TÜV
Ergon.
ge-
prüft
GS  CE   Ener-
gy-
Star  
DGUV
Test
Eco
Label
Strahlungsarmut

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Energie-
effizienz

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allgemeine Ergonomie

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Bildschirm- Ergonomie

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Umwelt-
verträg-
lichkeit

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zertif. Um-
weltmanagm.

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Produktrücknahme

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Recycling-
fähigkeit

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Lärmemission

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Betriebssicherheit, elektrisch, mechanisch

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minimale Schadstoffe

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Elektrom. Verträg- lichk.

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Pflicht

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freiwillig

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soziale
Verantwort.

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Prüfung durch Dritte

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Bild 22_ ergonomie geprüft

TÜV Ergonomie geprüft

  •  Was wird geprüft?

IT-Produkte: Ergonomie und Gebrauchstauglichkeit

Das Prüfsiegel TÜV "Ergonomie geprüft" wird für IT-Geräte, Bürostühle, Bürotische, Software, LKW-Sitze und auch Haushaltsgeräte oder Werkzeuge vergeben. Die Prüfung erfolgt in mit dem Ziel, aufzuzeigen, inwieweit eine nutzerfreundliche Bedienung vorliegt. 

Produkte müssen für die Benutzer ihrem Einsatzweck entsprechend leicht und gut zu bedienen sein. Die Bedienung soll selbsterklärend sein, die Bedienungsanleitungen klar strukturiert und mit verständlicher Beschreibung der erforderlichen Funktionen, so fordert es der TÜV Rheinland. Bei der Prüfung werden die grundlegenden ergonomischen Anforderungen an die Gestaltung zugrundgelegt und davon ausgegangen, dass durch die Einhaltung der entsprechenden Ergonomie-Normen gesundheitliche Beeinträchtigungen in Bezug auf die Sinnesorgane und körperliche Belastungen vermieden werden.

  • Vergabe und Kontrolle  

Der TÜV Rheinland vergibt das Prüfsiegel "Ergonomie geprüft" nach einer eingehenden Prüfung in eigenen Prüflaboren und mit Testpersonen. Durch die TÜV Rheinland Product Safety GmbH wird Herstellern eine breite Palette von Produktprüfungen im Bereich Arbeits- und Betriebssicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Ergonomie und Umweltverträglichkeit angeboten. Es ist eine der größten europäischen Prüforganisationen.

Der TÜV Rheinland versteht sein Prüfangebot als Entscheidungshilfe für Hersteller beim Design und beim Inverkehrbringen, für Verkäufer bei der Markteinführung und bei Ausschreibungen, für Einkäufer bei der Auswahl von Produkten und für die Anwender in Bezug auf Zufriedenheit und Akzeptanz. 

CE-Zeichen

  • Was wird geprüft?

Elektromagnetische Verträglichkeit, Betriebssicherheit

Das CE-Zeichen (CE – Europäische Gemeinschaft) ist für alle Hersteller, die in der EU Waren auf den Markt bringen verpflichtend. Es dient der Erleichterung des freien Warenverkehrs und der Information der Verbraucher in der EU. Hersteller erstellen für ihr Produkt eine Konformitätserklärung, in der sie die Erfüllung aller in der EU geltenden Vorschriften z.B. die Niederspannungs- und EMV-Richtlinie (elektromagnetische Verträglichkeit) aufzeigen und die dazu umgesetzten konkretisierenden Normen dokumentieren. Wird die im Grunde freiwillige Anwendung der Normen nachgewiesen, gilt die Vermutungswirkung: die Vorschriften sind erfüllt.

National gelten die Vorschriften des Produktsicherheitsgesetzes und das Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) zur Vermeidung von Funkstörungen oder Beeinflussung von Telefonverbindungen, sowie auch das Medizinproduktegesetz (MPG). Ebenso gilt hier das neue Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG) von 2011, das Vorschriften für maximalen Energieverbrauch auch bei IT-Geräten vorsieht.

Alle Geräte, Rechner, Monitore, Notebooks, DruckerMaus und Tastaturen müssen ein CE-Zeichen tragen, aber auch einzelne Bauteile haben die Konformitätserklärung zu erfüllen.

  • Vergabe und Kontrolle

Die Hersteller versehen ihre Produkte selbst mit dem Zeichen, das ist Politik der EU. CE-Konformitäts-Prüfungen können Hersteller auch Prüflaboren übergeben, diese Konformitätsbewertungsstellen müssen von den Überwachungsbehörden notifiziert sein.

Es finden im Rahmen von staatlichen Marktüberwachungsprogrammen proaktive und reaktive Stichproben statt, z. B. zur Produktsicherheit, gesteuert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales – auf Länderebenen im Vollzug durch die entsprechenden Ministerien und Ämter für Arbeitssicherheit und Sicherheitstechnik o.ä. Durch Bundesbehörden werden Prüfungen der elektromagnetischen Verträglichkeit durchgeführt. Auch die Zollbehörden sind einbezogen. In Einzelfällen sind Kontrollen auch gesetzlich vorgeschrieben. Mit dem neuen Produktsicherheitsgesetz von 2011 sind die Regelungen zu Vergabe und Kontrolle des CE-Zeichens klarer geregelt. Ziel ist es, die Akzeptanz zu steigern.

Die Nichteinhalt der Kennzeichnungspflicht kann Strafen nach sich ziehen, nicht konforme Produkte werden von den Behörden veröffentlicht und müssen vom Markt genommen werden.  

 

GS-Zeichen

  • Was wird geprüft?

IT-Geräte: allgemeine, elektrische und mechanischen Sicherheit, Sicherheit in Bezug auf Temperaturen und Lärm, Ergonomie, Gefahrstofffreiheit, Anwenderhinweise 

Das Rüfzeichen ist von Herstellern freiwillig anwendbar. Bei IT-Produkten gibt das GS-Zeichen die Einhaltung der Bildschirmarbeitsverordnung, des Produktsicherheitsgesetzes und der entsprechenden Verordnungen an und die Einhaltung der konkretisierenden Normen. Dazu gehören unter anderem die Norm ISO 9241-307 (Bildschirme und Displays) oder ISO 9241-410 (physikalische Eingabegeräte). Darüber hinaus wird seit 2008 auch geprüft, ob die Werkstoffe PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, z.T. krebserregende Gefahrstoffe) enthalten und abgestimmten Grenzwerte nicht überschreiten. Der Stand der Arbeitsmedizin und der arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse fließen ebenfalls in die GS Zertifizierung mit ein, was sich an den Anforderungen zu Glanzgrad und Akustik zeigen.

Durch das GS-Zeichen wird der Anspruch erhoben, dass bei der bestimmungsgemäßen Verwendung oder vorhersehbarer Fehlanwendung des Produktes die Sicherheit und Gesundheit des Verwenders nicht gefährdet sind. Es wir für technische Arbeitsmittel, Maschine oder Gebrauchsgegenstände vergeben, nicht allerdings für Geräte die unter das Medizinproduktegesetz fallen.

  • Vergabe und Kontrolle

Grundlage für die Vergabe des GS-Zeichen ist das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG). Das Zeichen wird von verschiedene Organisationen wie z.B. der TÜV oder die DGUV (Deutsche gesetzliche Unfallversicherung) vergeben.  Diese müssen von der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik ZLS notifiziert worden sein. Die Anforderungen werden immer wieder durch den Zentralen Erfahrungssaustausch-Kreis ZEK und einzelnen untergeordneten Erfahrungsaustausch-Kreisen EK, in dem die staatlichen Arbeitsschutzbehörden, Unfallversicherungsträger u.a. zusammenkommen, aktualisiert.

Vergeben wird das Zeichen nach einer Baumusterprüfung durch die GS-Prüfstelle für alles was unter das ProdSG fällt. Eine GS-Bescheinigung ist maximal fünf Jahre gültig. Die GS-Stelle muss in dieser Laufzeit kontrollieren, ob das in Verkehr gebrachte Serienprodukt noch dem geprüften Baumuster entspricht. Missbrauchsfälle werden von der GS-Stelle veröffentlicht.

DGUV Test 

  • Was wird geprüft? 

Die Einhaltung weitergehender, über das GS-Zeichen hinausreichender Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz bestätigt das DGUV-Test-Zeichen nach einer umfangreichen Baumusterprüfung. Das DGUV-Test Zeichen kann auch ohne umfassende Baumusterprüfung auf Sicherheit nur für Einzelaspekte vergeben werden. Das weisen z.B. die Zeichen-Zusätze ergonomisch, emissionsarm, Hygiene geprüft, schadstoffarm, Softwaresicherheit geprüft oder Funktionale Sicherheit aus, die als Ergänzung zu "Sicherheit geprüft" vergeben werden

Für Laserdrucker und Kopierer gibt es z. B. das Zeichen mit dem Zusatz „sicher, ergonomisch, emissionsarm“. Es wird dann geprüft, welche Mengen an Feinstaub, Ozon oder flüchtige organische Stoffe freigesetzt werden und diese an aktuelle Richtwerten für Innenraumbelastungen gemessen, in Anlehnung an die Kritieren des „Blauer Engel“ für Drucker (RAL UZ 122). Die Vergabekritierien sind deutlich strenger, denn sie liegen unterhalb der gültigen Arbeitsplatzgrenzwerte. Tonerkartuschen mit niedrigen Gefahrstoffgrenzwerten können das DGUV Test-Zeichen mit dem Zusatz „schadstoffgeprüft“ erhalten.

Das Zeichen BG-PRÜFZERT wird seit 2010 nicht mehr vergeben.

  • Vergabe und Kontrolle

Das DGUV-Test-Prüfzeichen wird von den Prüf- und Zertifizierungsstellen des Spitzenverbandes der Unfallversicherungsträger, der DGUV vergeben - die Prüfung erfolgt durch Prüf- und Zertifizierungsstellen. Die Anwendugn ist freiwillig und die Vergabe gilt für 5 Jahre. Der auch im Internet vorhandene Einkaufsführer der DGUV - z.B. für Möbel oder Geräte der Informationstechnik und eine große Zahl von Maschinen - (www.dguv.de - DGUV Test - Datenbank Zertifikatsrecherche, http://www.dguv.de/dguv-test/produkte ) listet alle nach DGUV Test geprüften Produkte auf. Für Bildschirm gibt es zur Zeit noch keine Prüfgrundsätze, allerdings für Sitz-Steh-Tisch und Bildschirmtragarme. Überwiegend existieren Prüfkriterien für Arbeitsmitteln und Maschinen. Zertifikate im Bereich von IT-Produkten wurden bisher nur vereinzelt vergeben. 

Durch Kontrollen stellt die Prüfstelle sicher, dass die auf dem Markt erhältlichen Arbeitsmitteln auch den geprüften Baumustern entsprechen. Missbrauch wird in einer Schwarzen Liste aufgezeigt.

Quality Office

Qualitiy Office ist kein Prüfsiegel sondern ein Qualitätszeichen. Es basiert auf der Erfahrung von fünf Institutionen, die gemeinsam die Leitlinie Qualitätskriterien für Büro-Arbeitsplätze herausgegeben haben.

  • Was wird geprüft?

Büromöbel: Sicherheitsanforderungen, ergonomische, funktionale, ökologische und ökonomische Kriterien

Eine Qualitäts-Leitlinie definiert Standards für Büroeinrichtungen unter Berücksichtigung neuester ergonomischer Erkenntnisse für die Bereiche, z.B.  für Büro-Arbeitsstühle oder Büro-Arbeitstische. Es werden allerdings auch
Verkaufsdienstleistungen, Büro-Fachberatung und andere Bürofachliche Dienstleistungen zertifiziert.

  • Vergabe und Kontrolle

Die fünf beteilgiten Institutionen sind  das DIN Deutsches Institut für Normung e.V., die VBG –Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, der bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel e.V.,die BAuA Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sowie der INQA-Büro Initiativkreis Neue Qualität der Büroarbeit.

Die Zertifizierung erfolgt auf der Basis der Selbstauskunft und nach der gemeinsam erarbeiteten Leitlinie L-Q 2010, sie definiert alle Qualitätskriterien. Alle zertifizierten Produkten verfügen über das GS-Zeichen. Quality Office will Kritierien zeitgemäßer Büroeinrichtung berücksichtigen. Das Zeichen Quality Office ist eine Marke des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel e.V.. Unter www.quality-office.de können die zertifizieren Produkte eingesehen werden.   

Europäisches Umweltzeichen

  • Was wird geprüft?

Bei Computern, Systemeinheiten, Bildschirmen und Tastaturen werden die Energieverbrauchsanforderungen gemäß Energy Star, die Langlebigkeit, eine recyclinggerechte Konstruktion, umweltfreundliche Materialien frei von Blei- und Cadmiumzusätzen, Emissionsgrenzwerte für elektromagnetische Strahlung, Geräuschemission und kostenlose Rücknahme geprüft.

So wird bei Computern der Energieeffizienzsstandard Energy Star gefordert, ein minimaler Quecksilbergehalt in den Bildschirmen, leichte Austauschbarkeit z.B. von Arbeitsspeichern, recyklingfähige Konstruktion oder eine maximale Geräuschemission bei aktiver Festplatte von 45 dB(A).

  • Vergabe und Kontrolle

Herausgeber des Europäischen Umweltzeichens, der Euro-Blume, ist die Europäische Komission. Für jedes Mitgliedsland gibt es so genannte zuständige Stellen, die am System zur Vergabe des Zeichens beteiligt sind. Diese sind in Deutschland das Umweltbundesamt und der RAL, das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. Nach Antragstellung überprüfen der RAL und das Umweltbundesamt, ob das Produkt alle Umwelt- und Gebrauchstauglichkeitskriterien erfüllt. Auch der TÜV Rheinland übernimmt Prüfungen zur "EU-Blume".  

Energy-Star

Was wird geprüft?

  • Energiesparfunktion

Der Energy-Star bescheinigt den Geräten, dass sie die Stromsparkriterien der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) erfüllen. Demnach muss sich ein eingeschaltetes Gerät nach 30 Minuten Inaktivität selbständig zurückschalten. Die Prozessorleistung wird heruntergefahren und die Festplatte abgeschaltet. In diesem Ruhe-Modus darf die maximale Leistugnsaufnahme bei Bildschirmen nicht mehr als 1 Watt betragen. Auch der maximale Stromverbrauch im Jahr wird bei Computern vewertet. Die Richtwerte werden zwar regelmäßig an den Stand der Technik angepaßt, können allerdings schnell veralten.

  • Vergabe und Kontrolle

Die Erfüllung der Energy-Star - Anforderungen kann jeder Hersteller gegenüber dem Energy-Star-Büro der Europäischen Gemeinschaft (EGESB) selbst erklären. Sie hat mit der EPA ein Kooperationsabkommen. Eine Prüfung erfolgt im allgemeinen nicht. Wenn bei Kontrollen Verstöße sichtbar werden, sind Sanktionen vorgesehen. Die Marktüberwachung soll künftig in der EU besser werden. Energy Star spielt eine bedeutsame Rolle in der öffentlichen Beschaffungspraxis. Das Gütezeichen Energy Star wird von einigen anderen Zeichengenutzt, z.B. von TCO, Blauer Engel. 

Energieeffiziente Computer und Monitore lassen sich in einer Datenbank der DENA, der deutschen Energieagentur finden: www.office-topten.de oder http://www.energieeffizienz-im-service.de 

Europäische und nationale Gesetzgeber fordern verpflichtend Energieeinsparung bei IT-Geräten, Grundlage ist die europäische Ökodesign-Verordnung von 2009 und das deutsche Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz - EVPG - von 2011. Für energieverbrauchsrelevante Geräte im Haushalt gibt es damit bereits gesetzliche Anforderungen, für IT-Geräte werden sie kommen. Die Konformitätserklärung des Herstellers läuft im Rahmen der Regelungen des CE-Zeichens als Selbsterklärung.

 

Reichweite der Prüfsiegel

  • Generell gilt: Ein Prüfsiegel allein kann  die Einhaltung der ergonomischen Mindestanforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung nicht gewährleisten. Denn die Umgebungsbedingungen an den Arbeitsplätzen und der Einsatz bspw. des Arbeitsmittels Bildschirm können von der jeweiligen Prüfstelle nicht geprüft werden.

      Der Servicebereich

      Rechtsquellen

      Gesetze und Verordnungen

      • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) Anhang Nr. 1-5, Nr. 18 und 19
      • Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG)
      • Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) 2011
      • Erste Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz vom 1.1.2011: Verordnung über die Bereitstellung elektrischer Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen auf dem Markt
      • Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro-und Elektronikgeräten (ElektroG)

      • Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen (Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG)

      • Energieverbrauchsrelevante-Produkte-Gesetz (EVPG) 2011

      Literatur

      ZLS Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik:
      EK1 Elektrische Betriebsmittel: Prüfgrundsätze für die GS-Prüfung von IT-Geräten in Verbindung mit Bildschirmgeräten 2011
      ZEK Prüfung und Bewertung von Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) bei der GS-Zeichen-Zuerkennung 01.4-08
      download bei der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik, www.zls-muenchen.de

      DGUV (Hrsg.):
      DGUV Test-Information 3 "Vergleich von CE-Kennzeichnung und Prüfzeichen".
      2011, download unter www.dguv.de

      BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Hrsg.):
      Gesetzliche Anforderungen für Computer Bildschirme. 
      Berlin 2010, download unter www.bitkom.org  

      Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin )Hrsg.):
      Qualitätszeichen für technische Produkte im Büro. Information für die Beschaffung.
      Dortmund 2008, download unter www.baua.de

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      Letzte Änderung: 14.4.2012

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