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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Ergonomische Anforderungen an die Tastatur

Autor: Ulla Wittig-Goetz, Regine Rundnagel

Übersicht

  • Ergonomische Tastaturen ermöglichen eine effektive Eingabeleistung und entspanntes Arbeiten für Hände, Arme und Schulterpartie.
  • Zentrale Anforderung an die Computertastatur ist die flexible Aufstellung, sie muss ebenso neigbar und variabel anzuordnen sein.
  • Vor der Tastatur wird ausreichend Platz für das Auflegen der Hände benötigt.
  • Eine matte und helle Oberfläche sind ebenso grundlegende ergonomische Forderungen.
  • Die Beschriftung soll sich deutlich vom Hintergrund abheben und in normaler Arbeitshaltung lesbar sein.
  • Form und Anschlag der Tasten müssen eine genaue und schnelle Bedienung zu ermöglichen.
  • Tastaturen mit einer Abwinklung der Tastenanordnung sind die bessere Wahl, trotz Eingewöhnungsaufwand.
  • Man sollte nach dem Zehn-Finger-System schreiben, zur Entlastung der Hände und Unterarme.

Die Tastatur ist das wichtigste Eingabegerät an Bildschirmarbeitsplätzen. Vielschreiber kommen auf bis zu 80 000 Anschläge pro Tag - Schwerstarbeit für die Hände. Aufgrund der üblichen langen Nutzungszeiten der Tastaturen in der heutigen EDV-abhängigen Arbeitswelt müssen sie hohen ergonomischen Anforderungen genügen. Ziel der Ergonomie ist es, dass Benutzer- /innen die Tasten genau, schnell und ohne Beeinträchtigungen finden und leicht betätigen können und dabei das gesamte Arbeitssystem der Aufgabenstellung angemessen ist. Dadurch lassen sich Zwangshaltungen vermeiden, ungünstige Belastungen reduzieren und Erkrankungen in Händen und Armen, wie RSI, vorbeugen.
 
Tastaturen sind ergonomisch und gebrauchstauglich, wenn bei der Aufgabe eine zufriedenstellende Eingabeleistung erreicht werden kann bei gleichzeitig befriedigender Anstrengung und Freiheit von körperlichen und sonstigen Beeinträchtigungen. So drücken es die Normgeber aus.

Bedienung mit Tücken

Die heute übliche Tastatur orientiert sich noch immer an der Form der Schreibmaschine. Die ergonomische Qualität einer brettartig konstruierten Tastatur wird schon länger angezweifelt: Die Bedienung der Tastatur ist nicht der natürlichen Stellung der Hände angepasst. Die gerade Form begünstigt verdrehte Zwangshaltungen der Hände und Arme sowie als Folge Verspannungen im Schulter-Nackenbereich. Häufig treten dort und in den Fingern und Unterarmen Schmerzen durch Überlastung auf. Nicht Krafteinsatz, sondern die extrem hohe Häufigkeit kleiner leichter und schneller Bewegungen wirkt hier gesundheitsgefährdend.
 
Wichtig zur Prävention von Sehenscheidentzündungen, Karpaltunnelsyndrom, Repetive Strain Injury RSI oder Schulter-Arm-Syndrom ist, dass die Gestaltung der Eingabemittel und ihre Aufstellung möglichst weitgehende neutrale Körperhaltungen mit geringer Muskelaktivität ermöglicht.

Ergonomische Tastatur: abgewinkelt und geneigt - positive Effekte nachgewiesen

Unter einer ergonomischen Tastatur versteht man gemeinhin eine Tastatur mit Anordnung der Tastenfelder in einem Winkel oder in geschwungener Form.
Die Anordnung der rechten und linken Tastenfeldbereiche in einem nach außen gedrehten Winkel entlastet die Hände und Arme, eine Verdrehung im Unterarm wird vermieden. Winkeltastaturen sorgen für eine natürliche Handhaltung. Auch eine geschwungene Tastenanordung kann schon hilfreich sein. Modelle mit einstellbarem Winkel sind optimal zur individuellen Anpassung, z.B. für Mehrfachnutzer einer Tastatur in Call Centern.
 
Wird die Tastatur dazu noch gewölbt, dachförmig gestaltet, können weitere vorbeugende Effekte erreicht werden, so diskutieren es Experten. 

Bild 1:  Geteilte Tastatur. Modell einer alternativen ergonomischen Tastatur mit gewölbter Winkelanordnung der Tasten. (Quelle: Microsoft Natural Keyboard Elite) dachförmig und negativ nach vorne geneigt.
Auch die negativ nach vorne geneigte Tastatur empfehlen die Experten des berufsgenossenschaftlichen Instituts BGIA in einer Literaturstudie als entlastend – und das entgegen der üblichen Aufstellungsanforderung der Normen. Ist die Tastatur negativ nach vorne geneigt, sind positive Effekte nur mit einer entsprechenden Abstützung durch Hand- und Armauflagen möglich, damit Handgelenk und Ellenbogen auf einer Höhe bleiben.
Umstellung ist angesagt
Nutzer nehmen die ergonomischen Winkel- und Dach-Tastaturen in der Regel positiv an. Sie erfordern allerdings eine Eingewöhnungszeit von einigen Tagen. Akzeptanzuntersuchungen ergaben, dass sich diese ganz wesentlich verkürzt, wenn die Tastenbelegung der herkömmlichen Tastatur weitgehend beibehalten wird.
 
Der positive ergonomische Effekt der abgewinkelten Form setzt voraus, dass die Nutzer-/innen das Zehn-Finger-System beherrschen. Dann wird auch die Schreibleistung nicht eingeschränkt. Wer allerdings mit der rechten Hand auch das linke Tastaturfeld bedient oder umgekehrt, hat bei Tastaturen mit großer Abwinklung erheblich längere Wege und erhöhte Muskelaktivitäten.
 
Was an gesundheitsschonendem Effekt bei Händen und Armen erreicht wird, darf nicht zur Verschlechterung im Schulterbereich führen – darauf ist bei der Wahl und Anordnung des alternativen Modells zu achten.
Stabilität erforderlich 
Für ergonomische Tastaturen gelten im Grundsatz dieselben Gestaltungsregeln wie für herkömmliche Bretttastaturen. Geteilte Keyboards müssen über eine ausreichende Stabilität gegen unbeabsichtigtes Verstellen und Kippen verfügen.

 
Bild 2: Geteilte Tastatur mit verstellbarem Neigungswinkel und integrierter Handballenauflagen. Gut geeignet für unterschiedliche Nutzer. Das Modell kann zu einer Bretttastatur zusammengeklappt werden. Ohne Zahlblock hat es Vorteile für die Mausführung. (Quelle: Fujitsu Siemens Ergo Delta Tastatur www.ergo2work.de

Aufstellung mit Handauflage

Eine zu hohe Tastatur zwingt zu einer unnatürlichen Abwinklung der Hände. Sie sollte in der mittleren Tastenreihe maximal 3 cm hoch sein, besser so flach wie möglich. Integrierte Handballenauflagen oder zusätzliche Auflagen sind entlastend. Die Aufstellung der Tastatur mit den Klappfüßen ist normalerweise nicht notwendig, für die meisten ist das zu hoch. Bereits eine normgerechte Tastaturhöhe kann bei Dauertippen zu Überbeanspruchungen im Handgelenk und Unterarm führen. 
 
Bild 3: Hochgestellte Tastatur ohne Handballenauflage und als Folge angespannte Handhaltung. (Bild: Chiarina Fazio, Rechte: ergo-online)
 

Zahlenblock getrennt


Bild 4 und 5: Getrennter Zahlenblock und kompakte, geschwungene Tastatur ohne Zahlenblock. Die Eingewöhnung ist kürzer als bei großem Winkel, weil keine Lücken im Tastenfeld vorhanden sind. (Quelle Goldtouch, www.ergo2work.de und Microsoft Wireless Entertainment Desktop 7000)
 
Getrennt aufstellbare Zahlenblocks sind für Arbeiten z.B. im Rechnungswesen empfehlenswert. Wer keinen Zahlenblock benötigt, sollte eine Kompakttastatur wählen. Damit ist es möglich mit der Maushand nah an der Tastatur zu arbeiten. Bei einer breiten Tastatur muss der Mausarm weitere Wege zurücklegen und das kann Schulter, Nacken und Rücken ungünstig beeinträchtigen. 
 

Mindestanforderungen an Tastaturen nach Gesetz und Norm 

Die Bildschirmarbeitsverordnung fordert allgemein für eine ergonomisch günstige Arbeitshaltung in ihrem Anhang:  
  • vom Bildschirmgerät getrennte Tastatur
  • neigbare Tastatur
  • variabel anordenbare Tastatur
  • Arbeitsfläche zum Auflegen der Hände vor der Tastatur
  • reflexionsarme Oberfläche
  • Form und Anschlag der Tasten für eine ergonomische Bedienung
  • deutlich vom Untergrund abgehobene Beschriftung der Tasten, bei normaler Arbeitshaltung lesbar

Konkretisiert werden diese Mussvorschriften anhand der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse und des Standes der Technik. Sie sind in der DGUV Information 215-410 und in Normen enthalten.

Ergonomische Richtwerte für Tastaturen nach Normen
Neigung und Bauhöhe
  • mittlere Tastenreihe nicht höher als 30 mm
  • Neigung  zwischen 5 bis 12 ° zur Waagerechten, bei nicht verstellbaren Tastaturen 0° bis maximal 15 ° zur Waagerechten positiv (nach neuen Erkenntnissen auch negative Neigung!)
  • Standfestigkeit
  • rutschfeste Aufstellung für sicheren Stand auf bei Höherstellung
Handauflage 
  • integrierte Handballenauflage 50 bis 100 mm vor der Tastenreihe oder als Zusatz
  • ausreichende Handauflagefläche vor der Tastatur mit einer Mindesttiefe von 100 mm und unterste Tastenreihe nah an der Vorderkante
Anordnung und Tastengestaltung 
  • Aufbau in alphanumerischen, numerischen und Editier- und Funktionsbereich
  • Tastenfläche mit Kantenlängen von 12 bis 15 mm 
  • Mittenabstand zwischen den Tasten von 18 bis 20 mm
  • konkav oder eben geformte Tastenoberfläche, um den Fingern Halt zu geben, Leertaste auch eben oder konvex
  • sichere Rückmeldung durch Tastenweg zwischen 2 bis 4 mm
  • deutlich wahrnehmbarer Druckpunkt, auch das ermöglicht eine sichere Rückmeldung über die Tastenbetätigung: Tastendruckkraft zwischen 0,5 bis 0,8 Newton (40-80 g), mindestens/höchstens aber 0,25 bis 1,5 Newton
  • deutliche Trennung des Buchstabenbereichs vom numerischen und dem Funktionstastenbereich
  • größer gestaltete häufig genutzte Tasten für Eingabe (return), Rückwärtslöschen und Hochstellen
  • Tastenbelegung bisher nach QUERTZ
Oberfläche
  • seidenmatte Oberfläche
  • helle Farbe mit einem Reflexionsgrad von 20-50 (zulässig zwischen 15 und 75) zur Vermeidung von zu hohen Kontrasten im Sehfeld
  • dunkle Schrift auf hellem Grund, Kontrast mindestens 3:1
  • Schriftgröße 3,2 mm
  • Beschriftung abriebfest
  • keine scharfen Ecken und Kanten
  • Material mit günstigen Wärmeleiteigenschaften (kein Metall)
Tastaturen von Notebooks
  • weitgehend übereinstimmende Lage der Tasten wie bei der Normtastatur für hohe Gebrauchstauglichkeit
  • Tastenanordnung und –belegung  im Buchstaben- (alphanumerisch)- und Editierbereich wie bei der Normtastatur, das gilt auch für die Funktionstasten in diesem  Bereich
  • Tastenmittenabstand von 19 mm +/- 1 mm im alphanumerischen Bereich  - muss mindestens kummuliert über die gesamte Tastenzeile vorhanden sein
  • Tastenmittenabstände im Editierbereich und im Bereich der Funktionstasten mindestens 15 mm; die Tasten der obersten Reihe dürfen eine geringere Tiefe haben
  • Cursortastenpositionen können von der Normaltastatur abweichen
  • Anforderungen an Neigung, Aufstellung und numerischen Block entfallen.
    Weitere Qualitätsmerkmale
    Geräusche beim Tastenanschlag, weicher oder harter Anschlag und die Lage aller wichtigen Sondertasten sollten bei der Auswahl der Tastatur bzw. bei der Beschaffungsentscheidung beachtet werden. Das gilt insbesondere für Vielschreiber-/ innen. Leise Tastaturen sind besonders in Großraumbüros erwünscht. Integrierte Handballenauflagen sind empfehlenswert.


    Tastenbelegung auf dem Weg zur Europäisierung 

    Der DIN-Standard für die Tastenbelegung im deutschen Sprachraum war bisher „ QWERTZ". In anderen europäischen Ländern oder in USA wird oft „QUERTY“ verwendet, in vielen europäischen Ländern gibt es die jeweils spezielle Tastatur zur Sprache. Mit der Überarbeitung der DIN Norm 2317 gibt es eine erweiterte Tastatur-Zeichenbelegung mit der Bezeichnung T2, die Sonderzeicheneingabe wie franzöische Akzents oder norwegische Spezialbuchstaben leicht und schnell durch Kombinationen mit der Alt-Gr-Taste ermöglicht. Treiber für diese Europa-Tastatur unter Windows gibt es schon. Hersteller müssen nur noch die erweiterte Belegung auf ihre Hardware unterbringen – für internationale Jobs im Büro eine Erleichterung. Eine T3-Experten-Tastaturbelegung mit Sonderzeichen und für seltene Sprachen ist ebenfalls vorgesehen.
     

    Tastaturen von mobilen IT-Geräten

    Der Einsatz mobiler Geräte ist je nach Arbeitsaufgabe, Nutzungszeit und Geräteergonomie akzeptabel. Eine Prüfung muss Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung sein.  Auf dieser Grundlage können die Anforderungen an Gerätemerkmale und Einsatzbedingungen festgelegt werden.

    Notebook und Netbook 
    Tastaturen von Notebooks, Laptops oder Netbooks entsprechen nicht den aufgeführten ergonomischen Anforderungen an Tastaturen. Grundsätzlich fehlt ihnen die getrennte und anpassbare Aufstellbarkeit, eine entscheidende Anforderung für die Körperhaltung am Arbeitsplatz. Oft sind Tasten zu klein oder Sondertasten ungünstig angeordnet und es werden die Normen für Notebooktastaturen nicht eingehalten.
     
    Sie sind deshalb für den Büroarbeitsplatz ungeeignet. Ein ständiger Einsatz von Notebooks an einem Arbeitsort erfordert zumindest den Anschluss einer separaten Tastatur, besser eine Docking-Station mit Zusatzbildschirm. Wer auf Geschäftsreisen im Hotel arbeitet oder bei ortsfesten Einsätzen bei Kunden,  muss nicht auf eine getrennte Tastatur verzichten! Leichte transportable Zusatztastaturen können bereits einen Schritt zur Ergonomie beim Tippen am Bildschirm darstellen. Im mobilen Einsatz, z. B. während einer Reise per Bahn oder bei Personal mit ständig wechselnden Arbeitsorten, ist eine Zusatztastatur meistens nicht sinnvoll. Bleibt die jeweilige Nutzungszeit begrenzt  - also erfolgen nur kurze Eingaben oder Datenabrufe – dann ist die Arbeit mit Notebook unter der Voraussetzung guter ergonomischer Ausstattung – durchaus akzeptabel. Dabei muss unbedingt auch auf die Gestaltung der Tastatur geachtet werden. Wer zwischen Bürotastatur und Notebook wechseln muss, ist gut beraten, auf die vergleichbare Lage der Tasten zu achten, so wie es die Norm fordert. Enter-, Space-, Pfeil-, Shift-, Esc- und Backspace-Tasten sollten zudem ausreichend groß sein, um schnelles Blindschreiben zu ermöglichen.
     
    Bei vielen Notebooks ist der Tastenhub deutlich geringer als bei Standardtastaturen und der Anschlag ist damit härter. Für eine akzeptable Reaktionszeit werden dann schnell ansprechbare Tasten eingesetzt. Ausreichender Tastenhub ist komfortabler, die Tasten arbeiten auch bei nicht mittigem Druck korrekt. Dadurch wird die Bedienung erleichtert. Somit ist auch die Frage des Tastenhubs und der Anschlag bei der Notebookauswahl zu beachten.
    Netbook, Handheld, PDA, Smartphone, Tablet und Co. 
    Für professionelle Einsätze mit Textverarbeitung oder Mailbearbeitung sind Netbooks nicht verwendbar; aufgrund ihres kleinen Formats können sie keine Tastennormen einhalten. Handhelds, Smartphones oder PDA sind für umfangreiche Eingaben von Daten ebenfalls nicht einsetzbar. Auf diesen Minitastaturen ist bereits der Mailverkehr eine umständliche Tipperei und eine ergonomische Zumutung. Mobile Eingabegeräte bei Servicetechnikern oder in anderen beruflichen Anwendungen benötigen deshalb eine grafisch-symbolorientierte Oberfläche, die die Datenerfassung mit nur wenigen Eingaben per Stift, Tasten oder Berührung ermöglicht.  
    Tablet PC
    In der mobilen IT-gestützte Arbeit werden immer mehr Tablet PC´s eingesetzt. Ob im Lager, in der Medizin oder im Service. Die virtuelle Tastatur wird hier bei Bedarf eingeblendet. Am stationären Arbeitsplatz sind Zusatztastaturen ein ergonomisches Muss, auch auf Geschäftsreisen. Für den mobilen Einsatz lassen sich Modelle mit normgerechter Tastengröße und Tastenabständen auswählen.

    Nachteil der eingeblendeten Tastatur: Die Tasten lassen sich nicht erfühlen, blind schreiben wird begrenzt. Die Rückmeldung der Tastenbedienung per Druckpunkt fehlt. Ein taktiles Feedback durch Vibration der Tasten ist allerdings technisch realisierbar. Ein weiterer Nachteil: Der Bildschirm wird durch die Tastatur halbiert. Manchmal werden dann wichtige Informationen überdeckt. Auch kann es zu merklichen Verzögerungen zwischen Eingabe per Berührung und Ausgabe am Bildschirm kommen – auf die Reaktionsgeschwindigkeit kommt es also auch an.

    Die Dateneingabe ist bei solchen Anwendungen auf ein Minimum zu beschränken und mit wenigen Berührungseingaben oder Stift ausführbar sein. Nutzererfahrungen zeigen, dass bei weitem nicht die Schreibgeschwindigkeiten normaler Tastaturen erreichbar sind. Tablet Pc´s sind für multimediale Anwendungen sinnvoll, nicht für die Textverarbeitung.

    Schwarzes Material: nicht zu empfehlen  

    Schwarze Tastaturen erfüllen nicht die ergonomischen Anforderungen der Normen, damit wird die Anforderung des Arbeitsschutzgesetzes nach Beachtung der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse nicht erfüllt. Schwarz erhöht die Kontraste im Sehfeld und auf schwarzen Oberflächen sind Lichtreflexe und Spiegelungen deutlicher sichtbar und führen zu Blendungen und damit zu Störungen beim Sehen am Bildschirm. All das trägt zur frühzeitigen Ermüdung nicht nur der Augen bei.
     
    Schwarze Kunststoffe bergen allerdings noch weitere Gefahren: Sie können PAK = polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthalten. PAK´s sind natürliche Bestandteile von Ruß und der wird genutzt zur Herstellung schwarzer Farbstoffe oder als Füllstoff. Insbesondere wenn billiges recyceltes Kunststoffgranulat bei der Tastaturherstellung verwendet wird, kann es zu erhöhten Konzentrationen kommen. PAK ist auch in Weichmachern enthalten, die z.B. in Mausrädchen vorhanden sind. 

    Einige der PAK´s sind eindeutig krebserregend oder fortpflanzungsgefährdend. Andere können Hautreizungen hervorrufen. PAK werden durch die Haut und durch die Atmung in den Körper aufgenommen.  

    Die kritische Debatte um PAK in Verbraucherprodukten hat dazu geführt, dass seit 2008 bei der Vergabe des GS-Zeichen auch die Richtwerte für die maximale PAK-Konzentration geprüft werden. Einen gesetzlichen Grenzwert gibt es aber nicht. Produkte ohne GS-Zeichen können erhöhte PAK-Konzentrationen enthalten. Das kann sogar auch bei GS-Produkten der Fall sein, weil diese nach Baumustern geprüft werden und die zugelieferten Rohstoffchargen der Massenproduktion voneinander abweichen können. Der TÜV-Rheinland hat 2009 vor diesem Hintergrund darauf verwiesen, dass viele Hersteller sich nicht an die Richtwerte für PAK halten.
     
    Eine EU-weite Regulierung von krebserzeugenden PAK in Verbraucherprodukten mit Beschränkungsverfahren nach den Gefahrstoff-Gesetzen wird vom Bundesamt für Risikoforschung vorangetrieben. Das Umweltsiegel RAL-78 für Tastaturen fordert vom Hersteller die Erklärung, dass keine krebserregende Stoffe und keine Flammschutzmittel enthalten sind. 
    Helle Tastaturen sind eindeutig die bessere Wahl.  

    Kein Freibrief für Dauertipper 

    Auch die ergonomischen Tastaturen sind kein Freibrief für pausenlose Bildschirmarbeit. Dauertippern laufen Gefahr, Erkrankungen im Bereich Hand und Arm zu entwickeln. Es gibt einige Wenige Fälle der Anerkennung von Berufskrankheiten bei solchen Arbeitsbedingungen.
    Was zu einer guten Tastatur dazu kommen muss, ist ein insgesamt ergonomisch gestalteter Computerarbeitsplatz, der eine gesundheitsgerechte Arbeitsorganisation und humane Arbeitsgestaltung einschließt.

    Tummelplatz für Bakterien

    Die Tastatur des Computers ist ein bevorzugter Ort für Bakterien. Dort findet man alles, was Menschen auch auf der Hautflora haben, insbesondere alle möglichen Arten von Bakterien: Staphylokokken, Mikrokokken, Sporen bildende Keime u. v. m.  Ein Grund für die chemische Keule sind sie nicht, es reicht eine regelmäßige Reinigung mit umweltschonenden Reinigern. Tastaturen im Wechselbetrieb, z.B. in Leitwarten oder Call Centern müssen häufiger gereinigt werden. 
     

    Tipps für gesundheitsschonendes Tippen

     

    Tippen am Büroarbeitsplatz
    • Wer nach dem Zehn-Finger-System schreibt, verteilt die Belastung gleichmäßig auf alle Finger.
    • Die Handgelenke bei der Computerarbeit möglichst gerade halten - nicht abknicken oder verdrehen. Es ist korrekt, wenn Unterarm und Hand fast eine Linie bilden. Das bedeutet, nicht aus dem Handgelenk, sondern mehr aus dem Arm heraus tippen.
    • Durch regelmäßige kleine Erholungspausen lassen sich Belastungen von Hand und Arm und Schulterbereich reduzieren, nutzen Sie die Bildschirmpause.
    • Mikropausen von einigen Sekunden einlegen, sie entlasten die Muskulatur.
    • Versuchen Sie Ihre Schreibgeschwindigkeit auch einmal zu reduzieren.
    • Nutzen Sie Wartezeiten für Ausgleichsbewegungen.

    Unterwegs mit Notebook

    • Achten Sie bewusst auf eine möglichst natürliche und entspannte Haltung.
    • Eine sichere Abstellfläche ist sehr zu empfehlen. Die Knie sind ungeeignet, weil die wackelige Aufstellung zur ermüdenden Verkrampfung führt.
    • Sofas und Sessel in der Lounge von Hotels oder Wartezonen oder Betten ermöglichen kein ergonomisches Arbeiten mit dem Notebook, auch wenn es auf den ersten Blick komfortabel erscheint.
     
     

    Der Servicebereich

    Rechtsquellen und Normen

    Gesetze und Verordnungen
    • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 6 - 9

    Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
    • DGUV-Information 215-410: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. hg. von Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2015, Download unter www.vbg.de (bisher BGI 650)

    Normen
    • DIN 2137-1:2012-06: Tastaturen  für Daten- und Texteingabe. Teil 1 Deutsche Tastaturbelegung
    • DIN 2137-6:2003-09 : Büro- und Datentechnik - Tastaturen - Teil 6: Deutsche Tastatur für die Daten- und Textverarbeitung sowie für Schreibmaschinen; Tastenanordnung und Belegung mit Funktionen und Berichtigung 1
    • DIN 2137-10:2003-09 : Büro- und Datentechnik - Tastaturen - Teil 10: Deutsche Tastatur für die Daten- und Textverarbeitung sowie für Schreibmaschinen; Anordnung der Tastenpositionen und Bemaßung
    • DIN 2137-12:2004-03 : Büro- und Datentechnik - Tastaturen - Teil 12: Deutsche Tastatur für die Daten- und Textverarbeitung; Tastenanordnung und Belegung für tragbare Rechner
    • DIN EN ISO 9241-4:1998 : Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion). Teil 4 Anforderungen an die Tastaturen  
    • DIN EN ISO 9241-5:1999 : Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten. Teil 5 Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung und Körperhaltung
    • DIN EN ISO 9241-410:2008 : Ergonomie der Mensch-System-Interaktion - Teil 410: Gestaltungskriterien für physikalische Eingabegeräte
    Rechtsprechung
    • VG Göttingen 2006
      In 2006 wurde zum ersten Mal eine Berufskrankheit wegen Sehnenscheidentzündung bei Bildschirmarbeit anerkannt: Verwaltungsgericht Göttingen Urteil vom 22.08.2006:  AZ 3 A 38/05  

    • VG Aachen 2011
      Anerkennung von Sehenscheidenentzündung als Berufskrankheit bei einer Finanzbeamtin, die 90 % der Arbeitszeit am PC tätig war.
      Urteil Verwaltungsgericht Aachen vom 14.4.2011  AZ 1K 1203/9

    Literatur

    Literaturmarker Zum Vertiefen:  

    Manuel Kiper:
    Tastaturen sind schmutziger als Toilettensitze ...
    in: Computer und Arbeit 2/2011, Bund-Verlag, www.bund-verlag.de

    Bundesamt für Risikoforschung:
    Krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Verbraucherprodukten sollen EU-weit reguliert werden – Risikobewertung des BfR im Rahmen eines Beschränkungsvorschlages unter REACH. Stellungnahme Nr. 032/2010 des BfR vom 26. Juli 2010, www.bfr.de

    Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung BGIA (Hrsg.):
    Ergonomische Anforderungen an Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik.
    BGIA-Report 3/2008, Sankt Augustin 2008, download unter www.dguv.de

    Peter Martin, Jochen Prümper, Gerd von Harten:
    Ergonomie-Prüfer zur Beurteilung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen (ABETO).
    Frankfurt/Main (Bund-Verlag) 2008

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    Letzte Änderung: 12.2.2016

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    Rechtsquellen
    • Bildschirmarbeits-
      verordnung

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    Literaturtipps
    • Ergonomische Anforderungen an Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik.
      BGIA-Report 3/2008

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