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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Tastatur

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Die Tastatur muss vom Bildschirm getrennt, neigbar und variabel anzuordnen sein.
  • Vor der Tastatur hat Platz für das Auflegen der Hände zu sein.
  • Sie muss eine reflexionsarme Oberfläche haben.
  • Die Beschriftung soll sich deutlich vom Hintergrund abheben und in normaler Arbeitshaltung lesbar sein.
  • Form und Anschlag der Tasten haben eine ergonomische Bedienung zu ermöglichen.
  • Man sollte unbedingt nach dem Zehn-Finger-System schreiben, um Hände und Unterarme zu schützen.

Die Tastatur ist das wichtigste Eingabegerät an Bildschirmarbeitsplätzen. Aufgrund der in der Regel langen Nutzungszeiten muss sie besonderen ergonomischen Anforderungen genügen. Dadurch lassen sich Zwangshaltungen vermeiden, Belastungen reduzieren und Erkrankungen wie RSI vorbeugen.

Bedienung mit Tücken

Die heute übliche Tastatur orientiert sich noch immer an der Form und der Tastenanordnung der Schreibmaschine. Ihre ergonomische Qualität wird schon länger angzweifelt: Die Bedinung der Tastatur ist nicht der natürlichen Stellung der Hände angepasst. Die Brettform begünstigt Zwangshaltungen sowie Verspannungen im Schulter-Nackenbereich und verdrehte Handgelenke. Häufig treten dort und in den Fingern und Unterarmen Schmerzen durch Überlastung auf. Noch immer gibt es keine Einheitlichkeit bei der Tastaturbelegung. Ergonomen kritisieren z.B. auch die Lage und Größe wichtiger Tasten wie "Groß/Klein-Umschaltung" und "Enter". An der Bildschirmtastatur sind viel höhere Anschlagraten möglich als an einer Schreibmaschine. Um so wichtiger ist es deshalb, ergonomische Gestaltungsregeln zu berücksichtigen.

Ergonomische Kriterien

Neigung

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Die Neigung des Tastaturfeldes ist möglichst gering. Zu stark abgewinkelte Hände durch schräg gestellte Tastaturen verengen nämlich die Blutbahnen im Handgelenk und verursachen Schmerzen. Auch werden die Sehnen und Nerven eingeengt. Es empfiehlt sich ein Neigungswinkel von fünf bis zwölf Grad bei nicht ausgeklappten Tastaturfüßen.

 

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Die mittlere Tastenreihe liegt nicht mehr als 30 mm über der Tischfläche. Sonst droht eine falsche Arbeitshaltung.

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Standfestigkeit
Bereichssymbol_ unterverzeichnis Die Tastatur rutscht nicht und ist standfest, da ansonsten die Konzentration leidet und Fehler zunehmen.

Handauflage

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Vor der Tastatur gibt es eine ausreichende Handauflagefläche mit einer Mindesttiefe  von zehn cm, besser 15 cm. 

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Bild 2: Tastaturhöhen.
Links - schlechte Tastatur, die Hand kann nicht aufliegen und wird stark abgeknickt. Rechts - Ausreichende Handauflagefläche durch richtige Tastatur. (Quelle: TBS des DGB NRW: Ergonomieprüfer, Oberhausen 1997)

Tastengestaltung

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Die Tasten sind 12 bis 15 mm groß. Der Abstand zwichen den Tasten beträgt 18 bis 20 mm. 

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Die Tastenoberfläche ist konkav geformt, um den Fingern Halt zu geben. 

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Der Tastenweg beträgt 2 bis 4 mm, der Druckpunkt ist deutlich wahrnehmbar. Das ermöglicht eine sichere Rückmeldung über die Tastenbetätigung. Die Tastendruckkraft ist nicht zu gering und auch nicht zu hoch (50 bis 80 g). 

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Der Buchstabenbereich ist deutlich vom numerischen und dem Sonderfunktionsbereich getrennt. Häufig genutzte Tasten für Eingabe (return), Rückwärtslöschen und Hochstellen sind etwas größer gestaltet. Für die Standardbelegung der Zeichen gibt es Normen.

Oberfläche

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Um Reflexblendungen und Spiegelungen zu vermeiden, sind Tastatur und Gehäuse höchstens halb- bis seidenmatt und haben eine helle Farbe (Reflexionsgrad 20-50 %). 

Bereichssymbol_ unterverzeichnis Dunkle Schrift auf hellem Grund erleichtert das Lesen. Die Beschriftung sollte abriebfest sein.

Ergonomische Zusatzausrüstung

Eine zusätzliche Handgelenkauflage vor der Tastatur stützt die Hände ab und entlastet Handgelenke.und Schultern. Produkte aus Gel passen sich den Handgelenken an und reduzieren so den Druck.

Verhaltenshinweise

Durch regelmäßige kleine Erholungspausen lassen sich Belastungen reduzieren. Wer nach dem Zehn-Finger-System schreibt, verteilt die Belastung gleichmäßig auf alle Finger. Die Handgelenke bei der Computerarbeit möglichst gerade halten - nicht abknicken oder verdrehen. Es ist korrekt, wenn Unterarm und Hand fast eine Linie bilden. Versuchen Sie Ihre Schreibgeschwindigkeit auch einmal zu reduzieren. Nutzen Sie Wartezeiten für Ausgleichsbewegungen.

Tummelplatz für Bakterien

Ein Test auf Keime hat kürzlich bewiesen, dass die Tastatur des Computers ein bevorzugter Ort für Bakterien ist. Dort findet man alles, was Menschen auch auf der Hautflora haben, insbesondere alle möglichen Arten von Bakterien: Staphylokokken, Mikrokokken, Sporen bildende Keime u. v. m. 

Die Keime auf und in der Tastatur mögen unappetitlich sein. Ein Grund für die chemische Keule sind sie nicht, es reicht eine regelmäßige Reinigung mit umweltschonenden Reinigern. 

Geteilte Tastaturen, Winkeltastaturen

Erkenntnisse über die neue Schmerzkrankheit RSI haben inzwischen verschiedene Hersteller dazu veranlasst, zweigeteilte bzw. abgewinkelte Tastaturen zu entwickeln. Diese sind gemeint, wenn von ergonomischen Tastaturen die Rede ist. 

Bild 3: Geteilte Tastatur.
(Quelle: Siemens Nixdorf Informationssysteme AG, 1996)

 
Tastatur-4Bild 4: Handhaltung bei normalen und geteilten Tastaturen. (Quelle: Computer Fachwissen 11/93) 

Laptops, Notebooks

Tastaturen von Notebooks, Laptops u. ä.  entsprechen in der Regel nicht den ergonomischen Anforderungen und Normen. Sie sind deshalb für den Arbeitsplatz ungeeignet. Ihr ständiger Einsatz erfordert zumindest den Anschluss einer separaten Tastatur.

Zahlenblock

Getrennt aufstellbare Zahlenblocks sind für Arbeiten z.B. im Rechnungswesen empfehlenswert.
 
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 6 - 9

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2007
  • GUV-Informationen GUV-I650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Bundesverband der Unfallkassen 2006 (Nachdruck der BGI 650 der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft)
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 742: Arbeiten an Bildschirmgeräten. Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2009

Normen
  • DIN 2137: Büro und Datentechnik; Tastaturen
  • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion).
    • Teil 4 Tastaturen

Literatur

Literaturmarker Zum Vertiefen:  

Institut für Arbeitsschutz der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung BGIA (Hrsg.):
Ergonomische Anforderungen an Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik.
BGIA-Report 3/2008, Sankt Augustin 2008, download unter www.dguv.de

Peter Martin, Jochen Prümper, Gerd von Harten:
Ergonomie-Prüfer zur Beurteilung von Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen (ABETO).
Frankfurt/Main (Bund-Verlag) 2008

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Letzte Änderung: 13.3.2008

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Rechtsquellen
  • Bildschirmarbeits-
    verordnung

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Literaturtipps
  • G. Richenhagen, J. Prümper, J. Wagner:
    Handbuch der Bildschirmarbeit
    Neuwied 2002

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