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Grundwissen
Sicherer Umgang mit elektrischen Geräten - Elektrosicherheit

Autorin: Regine Rundnagel

Übersicht

  • Der Einsatz von geprüften elektrischen Geräten in Büros ist normalerweise sicher.
  • Bei Beachtung von Grundregeln geht keine elektrische Gefährdung von ihnen aus.
  • Prüfungen sind Pflicht der Arbeitgeber und die Richtwerte liegen zwischen 2  und 4 Jahren.
  • Reparaturen an elektrischen Geräten dürfen nur von Fachleuten vorgenommen werden.
  • Verhaltensregeln für den sicheren Umgang mit elektrischem Gerät sollten Teil einer Unterweisung sein.

Normalerweise keine elektrische Gefährdungen

Beim Einsatz geprüfter elektrischer Geräte, ob Bildschirme, PC, ArbeitsplatzLeuchten, Kaffekocher oder Ventilatoren in Büros oder in Dienstleistungsbereichen muss man normalerweise nicht mit elektrische Gefährdungen rechnen, wenn einige Grundregeln beachtet werden.

Grundpflicht: Prüfung Elektrosicherheit

Jedes Unternehmen ist verpflichtet alle eingesetzten elektrischen Geräte und Anlagen regelmäßig auf Funktionsfähigkeit und elektrische Sicherheit zu prüfen. Das schreibt die Betriebssicherheitsverordnung und speziell die Berufsgenossenschaftliche Vorschrift BGV A3 den Arbeitgebern vor. Werden geprüfte elektrische Geräte benutzt und Installationen von Fachkräften durchgeführt, dann entfällt die Prüfung vor der Inbetriebnahme.

Mit den Prüfungen können auch nicht sichtbare Mängel erkannt und beseitigt werden.

Bild 1: Schadhafte Zuleitung. (Quelle: Universität Stuttgart)

Geprüfte elektrische Geräte

Geräte weisen elektrische Sicherheit auf wenn sie folgende Prüfsiegel haben:

GS, VDE, BG  PRÜFZERT oder ENEC  und die Prüffristen eingehalten wurden.

Prüffristen

Eine genau festgelegte Vorschrift zu den Prüffristen gibt es nicht mehr. Nach § 3 Abs. 3 der Betriebssicherheitsverordnung hat der Arbeitgeber auf Grund der Gefährdungsbeurteilung, der Herstellerinformationen und der vorgesehenen Betriebsweise Art, Umfang und Fristen von Prüfungen sowie die prüfende Person festzulegen. Die Richtwerte der „BGV A3 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ sind dabei zu beachten. Hier werden ortsfeste und ortsveränderliche elektrischer Betriebsmittel unterschieden. Von den Richtwerden kann abgewichen werden, wenn dies das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ergibt. Dann kann die Fachkraft für Arbeitssicherheit angepasste Prüffristen für das Unternehmen festlegen.

Prüfungen von ortsveränderlichen Notebooks, Ventilatoren oder Kaffeemaschinen müssen nach den Richtwerten der BGV A3 halbjährlich vorgenommen werden, es sei denn, die Beanstandungen liegen unter 2 %. Dann können diese Fristen verlängert werden. Das muss allerdings besonders begründet werden und zur Sicherheit empfiehlt sich eine Abklärung mit der zuständigen Unfallversicherung.

Den Nachweis der Einhaltung der Prüffristen können die Unfallversicherungsträger, die zuständigen staatlichen Arbeitsschutzbehörden und die Gebäudeversicherer verlangen.

Elektrische Gefährdung bedeutet Lebensgefahr

Durch elektrischen Strom können Menschen zu Tode kommen. Elektrounfälle sind zwar sehr selten, aber die Gefährdung des Lebens ist dabei sehr hoch. Aus diesem Grund ist die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und der sichere Umgang mit elektrischem Gerät unabdingbar.   

Die Durchströmung des menschlichen Körpers mit elektrischem Strom, ein elektrischer Schlag, führt zu Muskelkrämpfen und Atemschwierigkeiten und je nach Stromstärke, dem elektrischen Widerstand des Körpers und Einwirkungsdauer sind Herzstillstand, Atemstillstand oder schwere Verbrennungen die Folgen. Auch bei 230 V besteht diese Gefährdung und ein Körperstrom von 300 mA führt sofort zum lebensgefährlichen Herzkammerflimmern und kann tödlich sein.  

Die Geschäftsführer in Unternehmen und die Führungskräfte in ihrem Bereich stehen in Verantwortung und die Sicherheit sollte oberste Priorität sein. Im Schadensfall muss der einwandfreie Zustand der Geräte oder Anlagen und die Einhaltung der Prüffristen nachgewiesen werden. Der Arbeitgeber bzw. die zuständige Führungskraft haftet.

Wiederholungsprüfungen  nach BGV A3

Anlagen/Betriebsmittel

Prüffrist
(
Richt- und Maximalwerte ) 

Art der Prüfung

Prüfer

Elektrische Anlagen und ortsfeste Betriebsmittel (in der Regel auch PC, Monitor – außer sie werden oft bewegt)

  • 4 Jahre

auf ordnungsge-
mäßen Zustand 

Elektrofachkraft

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel (z.B. Notebook, Ventilator)

Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit Steckvorrichtungen 

Anschlußleitungen mit Stecker

Bewegliche Leitungen mit Stecker und Festanschluss

  • Richtwert: 6 Monate 
     
  • Maximalwert: In Büros oder unter ähnlichen Bedingungen zwei Jahre.

auf ordnungsge-
mäßen Zustand

Elektrofachkraft, bei Vewendung geeigneter Mess- und Prüfgeräte auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person

 

Elektrofachkraft

Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) nennt der Begriff der befähigten Person, die durch ihre Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnahe berufliche Tätigkeit über die erforderlichen Fachkenntnisse zur vorgesehenen Prüfung verfügt.

Elektrische Geräte und Anlagen dürfen nur von einer Elektrofachkraft oder unter ihrer Aufsicht durch eine elektrotechnisch unterwiesene Person eingerichtet, geändert oder repariert werden. Das sind z.B. Elektroingenieure/Ingenieurinnen oder Elektromeister/-innen. Sie nehmen die vorgeschriebenen Prüfungen nach BGV A 3 vor.

Der Arbeitgeber verantwortet die Qualität der Prüfungen, deshalb empfiehlt sich der Einsatz eines qualifizierten Elektrofachbetriebes. Die Auswahl unterliegt der Mitbestimmung des Betriebsrates bzw. Personalrates, denn es handelt sich um eine Maßnahme des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Grundregeln für mehr Sicherheit

  • Nur elektrische Geräte mit Prüfzeichen wie CE, GS, VDE, ENEC oder BG-PRÜFZERT beschaffen und einsetzen.
  • Elektrische Geräte und Anlagen nur betreiben, wenn sie geprüft wurden.
  • Vor der Inbetriebnahme ist es wichtig, sich vom einwandfreien Zustand der Geräte und Anlagen zu überzeugen und auf defekte Leitungen, brüchige Isolierungen, schadhafte Gehäuse und die Prüffristen auchten.
  • Keine mangelhaften elektrischen Geräte und Anlagen verwenden.
  • Mängel sofort an Vorgesetze melden und andere warnen.
  • Die Bedienungsanleitungen von Geräten müssen beachtet werden.
  • Die Sicherheitseinrichtungen von Geräten dürfen nicht verändert oder ausgeschaltet werden.
  • Die Geräte sollen nur mit den dafür vorgesehenen Schaltern bedient werden.
  • Zuleitungen oder Verlängerungskabel nicht über Verkehrswege legen bzw. dann eine Kabelbrücke aus Kunststoff verwenden.
  • Verlängerungskabel aus Kabeltrommeln bei Benutzung aufrollen.
  • Mehrfachsteckdosen und Verlängerungsleitungen dürfen nicht überlastet werden. Mehrfachsteckdosen nicht mehrfach hintereinander anschließen.
  • Zuleitungen zu elektrischen Geräten nicht über scharfe Kanten, Ecken oder bewegliche Teile verlegen oder quetschen.
  • Nasse Geräte nicht einsetzen und elektrische Geräte auch nicht bei Nässe oder mit nassen Händen einsetzen.
  • Sofort Spannung abschalten, wenn Störungen auftreten und Stecker ziehen.
  • Stecker nicht am Zuleitungskabel aus der Steckdose ziehen. 
  • Niemals Reparaturen und Bastelarbeiten, auch noch so einfache, vornehmen. Das dürfen nur Elektrofachkräfte tun.
  • Werden Geräte nicht mehr benötigt, dann abschalten.

Unterweisung im sicheren Umgang mit elektrischen Geräten

Unterweisungen oder Betriebsanweisungen sollten die Beschäftigten über die Gefahren der Elektrizität und über sicheres Verhalten informieren. 

Notfall im Büro bei Spannungen von 230 V

  • Bei Elektrounfällen im Büro sofort Stromkreis unterbrechen und Spannung abschalten: Ausschalter betätigen, Stecker ziehen oder Sicherung herausnehmen.
  • Dabei immer auf den Selbstschutz achten, d.h. einen isolierten Stand sichern.
  • Rettungsdienst alarmieren.
  • Erste Hilfe leisten.

Private Elektrogeräte am Arbeitsplatz

Häufig finden sich in den Büros private elektrische Kaffeemaschinen oder Ventilatoren. Auch sie fallen unter die Betriebssicherheitsverordnung!  Der Arbeitgeber hat auch hier die Pflicht, im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob von den privat betriebenen Geräten eine Gefährdung für die Beschäftigten ausgeht. Das hießt praktisch, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit im Unternehmen auch die Häufigkeit der sicherheitstechnischen Überprüfung dieser Geräte festlegt und sie entsprechend von einer Elektrofachkraft durchgeführt wird.

Viele Unternehmen verbieten vor diesem Hintergrund den Betrieb privater Geräte. Ohne die Zustimmung der Interessenvertretung ist das allerdings nicht möglich, denn es handelt sich um eine Frage der "Ordnung und des Verhaltens" im Betrieb. Möglich ist es, die Geräte als Bestand des Betriebes zu behandeln oder aber eine individuellen Nachweis der Elektrosicherheit vom Beschäftigten zu verlangen.

 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen 

Gesetze und Verordnungen
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Betriebsverfassungsgesetz (BertVG)
    • § 87 (1) Nr. 1 Mitbestimmung zu Fragen der Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Vorschrift BGV A3: Elektrische Anlagen und Betriebsmittel, mit Durchführungsanweisungen, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, 2005
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI/GUV-I 8524: Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel, DGUV 2010
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 597-2: Umgang mit elektrischen Gerät
    Minibroschüre, Reihe Arbeit und Sicherheit Nr. 2, hg. v. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Wiesbaden (Universum Verlagsanstalt)
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5001: Büroarbeit – gesund und erfolgreich, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

Rechtsprechung
  • Bundesarbeitsgericht: Mitbestimmung beim Radiohören nach § 87 (1) 1 Betriebsverfassungsgesetz
    BAG vom 14.1.1986 – 1 ABR 75/83 –  „Die Frage, ob im Betrieb während der Arbeitszeit Radio gehört werden darf, betrifft die Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Der Betriebsrat hat daher nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG mitzubestimmen, wenn der Arbeitgeber das Radiohören verbieten will. Ein ohne Beteiligung des Betriebsrats ausgesprochenes Verbot ist unwirksam."
  • Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen: Mitbestimmung des Personalrates bei der  Anweisung zur Überprüfung elektronischer Geräte,
    OVG Nordrhein-Westfalen vom 9.6.2006 – 1 A 1492/05.PVL -

Literatur

Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg/Aktion Das sichere Haus u.a. (Hrsg.):
Damit Sie nicht der Schlag trifft. Sicher umgehen mit Strom und elektrischen Geräten.
Hamburg 2013, zu bestellen unter:bestellung@das-sichere-haus.de

Manuel Kiper:
Kaffeemaschine im Büro verboten?
in: Computer und Arbeit 1/2007, AIB-Verlag, www.aib-verlag.de
verfügbar als  download    (77 kB)

Elektrische Geräte, Anlagen und Leitungen
Themenseite Büro der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft online, www.vbg.de

Spier, A./ Westermann, K.:
Betriebssicherheitsverordnung - eine Vorschriftensammlung
hg. von TÜV Rheinland, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage 2015  

 

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Letzte Änderung: 30.8.2008

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Rechtsquellen
  • BGV A3 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel 


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Literaturtipp
  • Dr. Manuel Kiper:
    Kaffeemaschine im Büro verboten?


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Weiterlesen im www
  • Elektrische Geräte, Anlagen und Leitungen, Themenseite Büro der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft www.vbg.de 
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