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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Lichtschutzvorrichtungen

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Die Bildschirmarbeitsverordnung schreibt für alle Bildschirmarbeitsplätze verstellbare Lichtschutzvorrichtungen vor.
  • Ihre Aufgabe ist es, Blendungen und Reflexionen auf dem Monitor zu verhindern.
  • Auf dem Markt werden verschiedene Bauarten von Lichtschutzmaßnahmen angeboten, doch nicht alle taugen auch etwas.
  • Gute Lösungen versprechen eine Kombination von außen (zum Wärmeschutz) und innen (als Blendschutz) liegenden Sonnenschutzvorrichtungen.
  • Lichtlenksysteme, die das Licht gezielt in den Raum lenken, stellen eine besonders effiziente Methode des Lichtschutzes dar.

Wenn die Sonne scheint, erhöht sich automatisch das Wohlbefinden. Allerdings erfordern besonders Bildschirmarbeitsplätze geeignete Lichtschutzvorrichtungen, damit die Arbeit nicht zur Tortur wird.

Licht für Körper und Seele


Die positive Wirkung des Sonnenlichts auf den menschlichen Körper und die Psyche sind wissenschaftlich nachgewiesen. Für das Wohlbefinden ist nicht nur eine ausreichende Helligkeit entscheidend, sondern vor allem auch die Zusammensetzung des Lichtes. Dabei ist Tageslicht dem herkömmlichen künstlichen Licht weit überlegen. Deshalb sollte es auch bestens genutzt werden und möglichst weit in die Büroräume hinein fallen. Von einem gut geregelten Sonnenlichteinfall gehen anregende Wirkungen auf den Menschen aus, da unterschiedliche Helligkeiten und Farbigkeiten im Tagesrhythmus erhalten bleiben. Nicht ohne Grund fordert die Arbeitsstättenverordnung unter Beleuchtung deshalb "ausreichend Tageslicht". Blendschutz sollte idealerweise das Tageslicht nicht vollständig ausschließen und eine Sichtverbindung nach außern ermöglichen, um den psychologischen Kellereffekt zu vermeiden.

Gesundheitsbeschwerden, weil das Licht ins Auge fällt


Wenn das Licht allerdings blendet und extreme Helligkeitsunterschiede bestehen, belastet das enorm die Augen und vermindert die Sehfunktionen, z. B. das Scharf- und das Kontrastsehen. Zudem können Kopfschmerzen auftreten und die Konzentrationsfähigkeit kann herabgesetzt sein. Am Bildschirm haben kleinste Blendungen auch deshalb große Wirkung, weil man unbewusst eine Körperhaltung einnimmt, um ihnen auszuweichen. Das aber führt zu Fehl- und Zwangshaltungen, die Verspannungen in Schultern, Nacken und Rücken auslösen.

Lichtschutz ist Vorschrift

 
Laut Arbeitsstättenverordnung haben Fenster, Oberlichter und Glaswände so beschaffen oder ausgestattet zu sein, dass die Räume "gegen übermäßige Sonneneinstrahlung" abgeschirmt werden können. Gemäß Bildschirmarbeitsverordnung müssen alle Räume, in denen sich Bildschirmarbeitsplätze befinden, mit geeigneten verstellbaren Lichtschutzvorrichtungen ausgerüstet sein, die es gestatten, auf unterschiedliche Wetter bedingte Beleuchtungsverhältnisse zu reagieren und für Blendschutz zu sorgen. Die neue Technische Regel für Arbeitsstätten A 3.5 "Raumtemperatur" fordert ebenfalls bei Sonneneinstrahlung einen Schutz vor Blendung und übermäßiger Erwärmung, wenn die Temperaturen auf über 26 Grad steigen.

Nach der Bildschirmarbeitsverordnung sind Computerarbeitsplätze so einzurichten, dass leuchtende oder beleuchtete Flächen keine Blendungen verursachen und Reflexionen auf dem Monitor vermieden werden. Lichtschutzvorrichtungen müssen demnach verhindern, dass Mitarbeiter/-innen einerseits direkt durch Tageslicht geblendet werden. Andererseits dürfen sich keine Beeinträchtigungen durch Spiegelungen oder Reflexionen auf dem Monitor ergeben. Das Sonnenlicht kann nämlich direkt in den Raum strahlen oder von gegenüberliegenden Gebäude- und Fensterflächen sowie von hellen oder glänzenden Fläche im Raum reflektiert werden und somit blenden.

Anforderungen an Lichtschutzvorrichtungen

Lichtschutzvorrichtungen - Sonnen- oder Blendschutz - soll
 
  • eine Direktblendung der Beschäftigten verhindern,
  • Spiegelungen auf dem Monotor vermeiden,
  • ausreichende Kontraste der Bildschirmanzeige gewährleisten,
  • dafür sorgen, dass sich keine Schattenmuster auf dem Bildschirm bilden,
  • eine Sichtverbindung nach außen ermöglichen,
  • leicht verstellbar sein.

Lichtschutzmöglichkeiten im Überblick

Welche Lichtschutzvorrichtung die geeignete ist, hängt auch von den Gegebenheiten am Arbeitsplatz ab, bspw. der Ausrichtung der Arbeitsräume hinsichtlich der Himmelsrichtung oder der Fensternähe der Computerarbeitsplätze. Auf dem Markt werden verschiedene Vorrichtungen gegen unerwünschten Lichteinfall angeboten, bspw.: 

  • Markisen
  • Rollos
  • Raffvorhänge 
  • Rolläden
  • Jalousien
  • Lamellenvorhänge, Flächenvorhänge, horizontal verschiebare Flächen
  • Sonnenschutzverglasung
  • zwischen den Fensterscheiben liegende Vorrichtungen

Sie unterscheiden sich in der Anbringung (z. B. innen oder außen), der Ausführung (z.B. schmalere oder breitere Lamellen), des Materials (z.B. Textilien, Kunststoffe oder Metalle) und der Materialeigenschaften.

Generell gelten außen angebrachte Sonnenschutzvorrichtungen als vorteilhaft, weil sie am wirkungsvollsten gegen Sonneneinstrahlung und Überhitzung schützen. Zu den Nachteilen zählen ihre Windanfälligkeit und die oftmals höheren Kosten für die Montage. Innen liegende Sonnenschutzvorrichtungen halten die Wärme weniger gut ab und bieten keinen Blendschutz bei geöffneten Fenstern. Zwischen den Fensterscheiben installierte Sonnenschutzvorrichtungen sind nicht windanfällig und schützen besser vor Wärmeeinstrahlung als die innen liegende Variante.

Außen liegende Sonnenschutzvorrichtungen

Markisen und Außenjalousien sind zwar gut wirksam zum Wärmeschutz, aber als Blendschutz sind sie nicht immer optimal. Jalousien die z. B. aus horizontal angeordneten Aluminiumlamellen bestehen, ermöglichen es je nach Sonnenstand, die Lamellen zu neigen. Auf diese Weise schirmen sie die Sonne bei gleichzeitiger Sichtverbindung nach außen gut ab. Damit keine Lichtspalten im Randbereich entstehen, sollten die Jalousien breiter und höher als das Fenster bzw. mit einer Blende ausgestattet sein.

Markisen ermöglichen durch Aufstellung eine Sichtverbindung nach außen und ausreichende Verschattung. Ungünstig sind sie bei tiefliegendem Sonnenstand. 

Bild 1: Außenliegende Metall-Horizontal-Jalousie.
Bild 2: Aufstellbare Markisen aus textilem Material. (Bildquelle:Sonnenschutz Markus Wallner, Österreich)

Innen angebrachte Sonnenschutzvorrichtungen

Sehr verbreitet sind Lamellenvorhänge mit senkrechten Lamellen, die aus Stoff, Kunststoff oder Alu bestehen. Sie haben allerdings auch Nachteile: Textile Lamellenvorhänge lassen 15 bis 20 Prozent des Lichtes durch. Das ist nach Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin entschieden zu viel, denn es können Blendungen entstehen und das Licht kann sich auf dem Monitor spiegeln.

Bild 3: Vertikaljalousie innen - Lamellenvorhang. (Bildquelle: Roma Rolladen) 

Auch weniger lichtdurchlässige Lamellen sind dann nicht optimal, wenn die Lamellen weit auseinander stehen und bei Sonnenschein Rasterblendungen auftreten. Das aber strapaziert und ermüdet die Augen, die sich ständig den wechselnden Helligkeiten anpassen müssen. 

Für Jalousien mit waagerechten Lamellen aus Stoff oder aus Kunststoff- bzw. mit Alulamellen gelten im Prinzip die gleichen Merkmale wie für die Lamellenvorhänge. Allerdings ermöglichen sie bei hohem Sonnenstand eine gute Sicht nach außen, ein befriedigendes Beleuchtungsniveau und kaum Blendung.

Bild 4: Vertikal verschiebbarer innenliegender Flächen-Sonnenschutz. (Bildquelle: Maasberg)

Sind die Jalousien in zwei Bereiche unterteilt, lässt sich der untere Teil schließen, wenn die Sonne blendet. Gleichzeitig können die Lamellen im oberen Teil geöffnet bleiben und das Tageslicht gelangt in den Raum.

Bild 5: Horizontaljalousien mit teilbereichsbezogener Verstellung. (Bildquelle: Fulle & Lücken Sonnenschutzsysteme)


Lichtschutzlösungen, die Schatten spenden

Inzwischen gibt es transparente Lamellenvorhänge zu kaufen. Man blickt dabei durch die Vorhänge durch, d.h. es besteht eine optimale Sichtverbindung nach außen. Hersteller werben damit, dass sie lediglich 3 Prozent lichtdurchlässig sind und somit eine vorschriftsmäßige Tageslichtbegrenzung erreichen. Allerdings hält die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft transparente Sonnenschutzvorrichtungen überall dort, wo die Sonne direkt in die Räume scheint, für ungeeignet. Deshalb empfiehlt es sich ganz besonders, den Lichtdurchlässigkeitsgrad zu beachten. Wenn dieser zu hoch ist, entstehen Blendungen bei direkter Sonneneinstrahlung, während ein zu geringer Lichtdurchlässigkeitsgrad das Beleuchtungsniveau senkt.

Der Markt bietet zu dem Fensterrollos aus transparenter, aluminiumbedampfter Folie, die auch besonders für Bildschirmarbeitsplätze empfohlen werden. Sie sollen ebenfalls das Tageslicht gleichmäßig und gezielt dämpfen und aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften, Sonne-, Hitze- und Blendschutz in einem sein. 

Bild 6: Halbtransparente Folienrollos. (Bildquelle: Glasgard Rollosysteme)

  
Außen und innenliegender Lichtschutz

Vielfach in der Praxis bewährt hat sich inzwischen eine Kombination von außen und innen liegenden Sonnenschutzvorrichtungen, die von Fachleuten empfohlen wird: Beispielsweise waagerechte Lamellen außen mit der Möglichkeit zur Lichtlenkung im oberen Bereich, die vor allem dem Wärmeschutz dienen, plus innen senkrechte Lamellen vorwiegend zum Blendschutz.

Als Blendschutz und zur Tageslicht-Lenkung ist auf dem Markt auch eine Kombination aus Folienrollo und Lamellenjalousie. Im oberen Fensterbereich wird das einfallende Tageslicht von den Lamellen der Jalousie über die Raumdecke in die Tiefe des Raumes gelenkt. Die Lamellen haben nur geringe Abstände, so dass keine Raster- oder Zeileneffekte auftreten. In Höhe des Bildschirmarbeitsplatzes sorgt ein transparentes Folienrollo für Blendschutz. Die Jalousie lenkt nach Bedarf mehr oder weniger Tageslicht in die Raumtiefe und sorgt für zusätzlichen Hitzeschutz.

Bild 7: Kombination aus Horizontaljalousien mit Folienrollo. (Bildquelle: Multifilm)

Sonnenschutz im Scheibenzwischenraum

Auch Fenster selbst lassen sich mit Lichtlenkungselementen ausstatten, die das einfallende Tages- und Sonnenlicht effizient steuern. Die Grundidee besteht darin, dass störende direkte Sonnenstrahlen durch optische Elemente reflektiert werden. Andere Lichtbestandteile werden direkt in die Raumtiefe gelenkt. Insbesondere bei Neubauten kann die Tageslichtlenkung durch die Fenstertechnik auch die Gebäude selbst einbeziehen (z.B. Blenden an der Fassade).

Moderne Verglasung bietet mit Wärme- und Sonnenschutzgläsern sowohl Wärme- als auch Blendschutz. Sonnenschutzgläser reduzieren je nach Lichtdurchlässsigkeit die Beleuchtungsstärke im Raum. In der Regel werden Gläser mit einer Lichtdurchlässigkeit von 40 bis 60 Prozent verwandt.

Bild 8: Variable Jalousiebehänge im Scheibenzwischenraum, von unten verstellbar. (Bildquelle: Okaflex von Okalux)

Welche Lichtschutzvorrichtungen jeweils geeignet sind, will wohl überlegt sein. Klimatische Faktoren, die Bauart des Gebäudes sowie der Anteil der Fensterflächen, ihre Verglasungsart und ihre Ausrichtung entscheiden mit darüber, wie wirksam der Sonnenschutz sein muss.

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang 3.4
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 15 und 16
Staatliche Regeln und Richtlinien
  • Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A 3.5 Raumtemperatur
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650/GUV-I 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2007 und Bundesverband der Unfallkassen 2006
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 742: Arbeiten an Bildschirmgeräten. Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2009
  • Fachinformation: Das Medienbüro. Gestaltung von Arbeitsplätzen für Konzeption und elektronische Produktion von Bild und Text. Berufsgenossenschaft ETEM, Branche Druck und Papier 2009
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 827: Sonnenschutz im Büro. Hilfenfür die Auswahl von geeigneten Blend- und Wärmeschutzvorrichtungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2005

Normen
  • DIN 5034-1:2010: Tageslicht in Innenräumen (Normentwurf)
    • Teil 1: Allgemeine Anforderungen

Literatur

Literaturmarker Zum Vertiefen:  

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Tageslicht und Sonnenschutz im Büro.
Hinweise für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
Dortmund, Berlin 2000 

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Tageslicht und künstliche Beleuchtung. Bewertung von Lichtschutzeinrichtungen.
Forschungsbericht Fb 882, Dortmund 2000

 

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Letzte Änderung: 3.12.2010

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Rechtsquellen
  • Arbeitsstätten-
    verordnung (ArbStättV), Anhang 3.4

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Literaturtipps
  • Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
    BGI 827: Sonnenschutz im Büro

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