ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Lichtschutzvorrichtungen

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Seit dem Jahr 2000 schreibt die Bildschirmarbeitsverordnung für alle Bildschirmarbeitsplätze Lichtschutzvorrichtungen vor.
  • Ihre Aufgabe ist es, Blendungen und Reflexionen auf dem Monitor zu vermeiden.
  • Auf dem Markt werden verschiedene Bauarten von Lichtschutzmaßnahme angeboten, doch nicht alle taugen auch etwas.
  • Gute Lösungen versprechen transparente Lamellenstores und Jalousien oder Folien zu sein.
  • Lichtlenksysteme, die das Licht gezielt in den Raum lenken, stellen eine besonders effiziente Methode des Lichtschutzes dar.

Wenn die Sonne scheint, erhöht sich automatisch das Wohlbefinden. Allerdings erfordern besonders Bildschirmarbeitsplätze geeignete Lichtschutzvorrichtungen, damit die Arbeit nicht zur Tortur wird.

Lichtschutz ist Vorschrift

Laut Arbeitsstättenverordnung haben Fenster, Oberlichter und Glaswände so beschaffen oder ausgestattet zu sein, dass die Räume "gegen übermäßige Sonneneinstrahlung" abgeschirmt werden können. Gemäß Bildschirmarbeitsverordnung müssen alle Räume, in denen sich Bildschirmarbeitsplätze befinden, seit dem 1. Januar 2000 mit geeigneten verstellbaren Lichtschutzvorrichtungen ausgerüstet sein. In der Praxis stellt sich daher die Frage, was die Eignung von Lichtschutzmaßnahmen ausmacht.

Nach der Bildschirmarbeitsverordnung sind Computerarbeitsplätze so einzurichten, dass leuchtende oder beleuchtete Flächen keine Blendungen verursachen und Reflexionen auf dem Monitor vermieden werden. Lichtschutzvorrichtungen müssen demnach verhindern, dass Mitarbeiter/-innen einerseits direkt durch Tageslicht geblendet werden. Andererseits dürfen sich keine Beeinträchtigungen durch Spiegelungen oder Reflexionen auf dem Monitor ergeben. Das Sonnenlicht kann nämlich direkt in den Raum strahlen oder von gegenüberliegenden Gebäude- und Fensterflächen sowie von hellen oder glänzenden Fläche im Raum reflektiert werden und somit blenden.

Gesundheitsbeschwerden, weil das Licht ins Auge fällt

Wenn das Licht blendet und extreme Helligkeitsunterschiede bestehen, belastet das enorm die Augen und vermindert die Sehfunktionen, z. B. das Scharf- und das Kontrastsehen. Zudem können Kopfschmerzen auftreten und die Konzentrationsfähigkeit kann herabgesetzt sein. Am Bildschirm haben kleinste Blendungen auch deshalb große Wirkung, weil man unbewusst eine Körperhaltung einnimmt, um ihnen auszuweichen. Das aber führt zu Fehl- und Zwangshaltungen, die Verspannungen in Schultern, Nacken und Rücken auslösen.

Licht für Körper und Seele

Die positive Wirkung des Sonnenlichts auf den menschlichen Körper und die Psyche sind wissenschaftlich nachgewiesen. Für das Wohlbefinden ist nicht nur eine ausreichende Helligkeit entscheidend, sondern vor allem auch die Zusammensetzung des Lichtes. Dabei ist Tageslicht dem herkömmlichen künstlichen Licht weit überlegen. Deshalb sollte es auch bestens genutzt werden und möglichst weit in die Büroräume hinein fallen. Von einem gut geregelten Sonnenlichteinfall gehen anregende Wirkungen auf den Menschen aus, da unterschiedliche Helligkeiten und Farbigkeiten im Tagesrhythmus erhalten bleiben.
 

Anforderungen an Lichtschutzvorrichtungen

  • eine Direktblendung der Beschäftigten verhindern,
  • Spiegelungen auf dem Monotor vermeiden,
  • ausreichende Kontraste der Bildschirmanzeige gewährleisten,
  • dafür sorgen, dass sich keine Schattenmuster auf dem Bildschirm bilden,
  • eine Sichtverbindung nach außen ermöglichen,
  • leicht verstellbar sein.

Lichtschutzmöglichkeiten im Überblick

Welche Lichtschutzvorrichtung die geeignete ist, hängt auch von den Gegebenheiten am Arbeitsplatz ab, bspw. der Ausrichtung der Arbeitsräume hinsichtlich der Himmelsrichtung oder der Fensternähe der Computerarbeitsplätze. Auf dem Markt werden verschiedene Vorrichtungen gegen unerwünschten Lichteinfall angeboten, bspw.: 

  • Markisen
  • Rollos
  • Rolläden
  • Jalousien
  • Lamellenvorhänge usw.

Sie unterscheiden sich in der Anbringung (z. B. innen oder außen), der Ausführung (z.B. schmalere oder breitere Lamellen), des Materials (z.B. Textilien, Kunststoffe oder Metalle) und der Materialeigenschaften.

Lamellenstores und Jalousien

Sehr verbreitet sind Lamellenvorhänge (senkrechte Lamellen), die aus Stoff, Kunststoff oder Alu bestehen. Sie haben allerdings Nachteile: Textile Lamellenvorhänge lassen 15 bis 20 Prozent des Lichtes durch. Das ist nach Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin entschieden zu viel, denn es können Blendungen entstehen, und das Licht kann sich auf dem Monitor spiegeln. Auch weniger lichtdurchlässige Lamellen sind nicht optimal. Wenn die Sonne scheint, treten bei weit auseinander stehenden Lamellen Rasterblendungen auf. Außerdem entstehen starke Unterschiede in der Leuchtdichte auf der Vorhangfläche und zwischen Wand- und Fensterfläche. Das aber strapaziert und ermüdet die Augen, die sich ständig den wechselnden Helligkeiten anpassen und die Bildschirmanzeige erkennen müssen. Auch der Blick nach draußen wird versperrt. 

Für Jalousien (waagerechte Lamellen) aus Stoff oder aus Kunststoff- bzw. mit Alulamellen gelten im Prinzip die gleichen Nachteile wie für die Lamellenvorhänge.

Lichtschutzlösungen, die Schatten spenden

Lichtschutz-1Inzwischen gibt es transparente Lamellenvorhänge zu kaufen. Sie lassen sich sogar gegen vorhandene Lamellen aus anderen Materialien austauschen. Man blickt dabei durch die Vorhänge durch. Hersteller versprechen, dass sie lediglich 3 Prozent lichtdurchlässig sind und somit eine vorschriftsmäßige Tageslichtbegrenzung erreichen

 

Der Markt bietet zudem Fensterrollos aus transparenter, aluminiumbedampfter Folie, die auch besonders für Bildschirmarbeitsplätze empfohlen werden.  

Bild 1: Halbtransparentes Rollo.
(Quelle: Fa. Glasgard Rollosysteme, Salzböden)  

Lichtschutz-2Die Fensterrollos sollen ebenfalls das Tageslicht gleichmäßig und gezielt dämpfen und aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften, Sonne-, Hitze- und Blendschutz in einem sein. Selbst im fensternahen Bereich könnten Bildschirmarbeitsplätze eingerichtet werden, und sogar in der Raummitte sei noch ausreichend Tageslicht vorhanden, behaupten die Hersteller. 

Auch selbstklebende Folien sind bereits im Handel. 

Bild 2: Selbstklebende Folien   
(Quelle: Fa. Multifilm Sonnen- und Blendschutz GmbH)  

Lamellenjalousie plus Folienrollo

Lichtschutz-3

Als Blendschutz und zur Tageslicht-Lenkung ist ganz neu auf dem Markt eine Kombination aus Folienrollo und Lamellenjalousie.

 

Im oberen Fensterbereich wird das einfallende Tageslicht von den Lamellen der Jalousie über die Raumdecke in die Tiefe des Raumes gelenkt. Die Lamellen haben nur geringe Abstände, so dass keine Raster- oder Zeileneffekte auftreten. In Höhe des Bildschirmarbeitsplatzes sorgt ein transparentes Folienrollo für Blendschutz. Die Jalousie lenkt nach Bedarf mehr oder weniger Tageslicht in die Raumtiefe und sorgt für zusätzlichen Hitzeschutz. Inzwischen lassen sich auch Fenster selbst mit Lichtlenkungselementen ausstatten, die das einfallende Tages- und Sonnenlicht effizient steuern.  

Bild 3: Lichtschutzkombination
(Quelle: Fa. Multifilm Sonnen- und Blendschutz GmbH)

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang 3.4
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 15 und 16

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung, 7.4 Arbeitsumgebung
  • GUV-Informationen GUV-I 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Bundesverband der Unfallkassen 2006 (Nachdruck der BGI 650 der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft)
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 742: Arbeiten an Bildschirmgeräten. Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2009
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 827: Sonnenschutz im Büro. Hilfenfür die Auswahl von geeigneten Blend- und Wärmeschutzvorrichtungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2005

Normen
  • DIN 5034: Tageslicht in Innenräumen

Literatur

Literaturmarker Zum Einlesen und Vertiefen:  

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
Sonnenschutz im Büro, CD-ROM  

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
Tageslicht und Sonnenschutz im Büro.
Hinweise für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
Dortmund, Berlin 1997 

R. Brunkhorst:
Sonnen- und Blendschutz – Aktive Hilfe zum Arbeitsschutz bei Bildschirmarbeit,
in: ERGONOMIC Institut: Beleuchtung von Bildschirmarbeitsplätzen – Neue Regelungen, neue Konzepte, neue Lösungen, Berlin 2001
Im Internet unter www.ergonomic.de

Verwandte Themen

Letzte Änderung: 2.3.2006

Logo Ergo Online
© 2009 Gesellschaft Arbeit und Ergonomie - online e.V.

Rechtsquellen
  • Arbeitsstätten-
    verordnung (ArbStättV), Anhang 3.4

mehr
Literaturtipps
  • Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
    Sonnenschutz im Büro, CD-ROM

mehr
Verwandte Themen
Inhaltsverzeichnis
Bezug des Regelwerks