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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Lärm im Büro

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Büroarbeit verlangt geistige Konzentration. Diese darf nicht unter akustischen Störungen leiden.
  • Auch für routinisierte Bürotätigkeit am Bildschirm sollte der maximale Tages-Durchschnittspegel unter 55 dB (A) liegen.
  • Erfordert der Job sehr hohe Aufmerksamkeit und komplexe geistige Leistungen, sind deutlich niedrigere Schallpegel zu empfehlen.
  • Eine ruhige Arbeitsplatzumgebung fördert die Leistung und mindert Stress.
  • Leise Technik, lärmdämmende Materialien und organisatorische Regelungen verhindern Lärm am Arbeitsplatz.
  • Für kommunikative und konzentrative Aufgaben in größeren Büros sind passenden Raumkonzepte notwendig.

Bürogeräte produzieren Geräusche. Diese können die Konzentrationsfähigkeit und das Leistungsvermögen der Beschäftigten beeinträchtigen. Auch Gespräche zwischen Kollegen/Kolleginnen oder mit Kunden können den sehr stören, der gerade eine schwierige Aufgabe zu lösen hat. Maßnahmen zur Geräuschminderung und der Kauf leiser Produkte verhindern, dass Bürolärm krank macht.

Wie laut es sein darf

Kommunikation und Konzentration 
 

Das Arbeiten im Büro erfordert oft beides: Konzentration und Kommunikation. Es wird telefoniert, Teams stimmen sich ab und auf Zuruf kann schnell reagiert werden. Bildschirmarbeit kennzeichnet grundsätzliche eine erhöhte geistige Beanspruchung.

Die Bildschirmarbeitsverordnung im Anhang Nr. 17 fordert deshalb:   

Umgebungslärm darf weder die Kommunikation noch die Konzentration bei der Arbeit beeinträchtigen. 

Allgemein gilt entsprechend der Arbeitsstättenverordnung im Anhang Nr. 3.7:

In Arbeitsstätten ist der Schalldruckpegel so niedrig zu halten, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist.

Welche Grenzwerte gibt es?

Für den Lärm im Büro gibt es keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte, sondern Schutzziele, an dem sich die Gestaltung der Arbeitsplätze ausrichten muss. Konkrete Werte aus den berufsgenossenschaftliche und staatliche Informationen und Regeln sowie Normen unterstützen den Praktiker im Betrieb und sind als Empfehlungen der Fachwelt zu berücksichtigen.

Kenngrößen bei Lärm

  • Schalldruckpegel
    Er gibt die Schalleinwirkung auf den Menschen (Schallimmission) in Bezug auf die Hörschwelle an und dient der Beschreibung der Lautstärke. Der Schalldruckpegel ist stark abhängig von der Entfernung zur Schallquelle. Die Hörschwelle ist der Nullpunkt, definiert als 0 dB.
  • Schallleistungspegel
    Er gibt die Stärke der Schallquelle an (Schallemission) und ist maßgeblich zum Vergleich des Lärms von Geräten und Maschinen. 
  • Dezibel dB und dB (A)
    dB ist die logarithmisches Maßeinheit des Schalldruckpegels. Das technische Maß bezieht sich zwar nicht auf die subjektive psychologisch empfundene Lautstärke, ist aber ein Anhaltspunkt. Es wird in der Akustik und im Arbeitsschutz als objektive Messgröße genutzt.
    Die A-Bewertung des gemessenen Schalldruckpegels berücksichtigt die menschliche Hörkurve. Der Mensch hört frequenzabhängig, tiefe Töne werden lauter empfunden als hohe.
  • Durchschnittspegel – Tagesexpositionspegel - äquivalenter Dauerschallpegel - Beurteilungspegel
    Dieser über eine Tätigkeitsdauer gemessene Durchschnitt des Schalldruckpegels dient als Grenzwert- oder Richtwertangabe. Der Beurteilungspegel ist der Durchschnittspegel über 8 Stunden Arbeitszeit und wird heute als Tagesexpostionspegel L (Ex,8) angegeben.

    Die in der Arbeitsstättenverordnung und der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung genannten maximalen Grenzwerte haben das Ziel, Gehörschäden zu vermeiden. Es sind Muss-Vorschriften, bei 80 dB(A) Durchschnittslärm sind Unterweisungen, Vorsorgeuntersuchungen und Gehörschutz anzubieten und ab 85 dB (A) vorgeschrieben. Einen Lärmminderungsplan muss der Arbeitgeber erstellen ind Lärmbereich ausweisen, wenn der Beurteilungspegel 85 dB(A) erreicht. Für Büroarbeit wird die Verordnung nicht angewendet.

    Für die konzentrierte Arbeit am PC-Arbeitsplatz müssen sehr viel strengere Maßstäbe herangezogen werden. Hier geht es um psychische Belastungen. Lärm ist ein Stressfaktor.

    Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und die VDI Richtlinie 2058 fordern den Maximalwert von 55 dB (A) für überwiegend geistige Tätigkeiten. Nach neuesten Erkenntnissen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin werden diese Werte als nicht ausreichend angesehen und 55 dB(A) zwar als zulässig aber ungünstig bewertet. Die "Arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse AWE Nr. 124" dieser staatlichen Fachbehörde bewerten Schalldruckpegel am Bildschirmarbeitsplatz bis 30 dB (A) als optimale schalltechnische Qualität am Arbeitsplatz, bis 40 dB (A) als sehr gut und bis 45 dB (A) als gut. Auch die DIN 11690 geht in diese Richtung, wobei hier nur technisch bedingte Hintergrundgeräusche gemeint sind. Konkret heißt das:  

    Empfehlungen der Fachwelt zur Lärmbelastung in Büros - anzustreben sind Schalldruckpegel

    • von 35 bis 40 dB (A) bei sehr hohen Konzentrationserfordernissen wie bei der anspruchsvoller Sachbearbeitung, beim Programmieren oder bei wissenschaftlicher Arbeit  (vgl Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin „Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse" AWE 124)
    • von 35 bis 45 dB (A) bei konzentrierter, überwiegend geistiger Arbeit (vgl. DIN EN ISO 11690, AWE 124)
    • von 40 bis 45 dB (A) bei notwendiger Kommunikation mit Kunden und Anforderung an eine sehr gute Sprachverständigung (vgl. DIN EN ISO 9241 Teil 6)
    • von 40 – 50 dB (A) in CallCentern und bei Bildschirmarbeit im gewerblichen Umfeld (vgl. AWE 124, Wissensspeicher CallCenter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)
    • von 45 bis 55 dB (A) bei routinemäßiger Büroarbeit (vgl. DIN EN ISO 11690)
    • von maximal 55 dB(A) bei vorwiegend geistigen Tätigkeiten ( vgl. BGI 650, VDI 2058) mit Entscheidungsfindungs- und Problemlösungsaufgaben, Komplexität oder auch gute Sprachverständlichkeit
    • von maximal 70 dB (A) bei überwiegend einfachen oder mechanisierten Bürotätigkeiten, die es aber kaum mehr gibt (sinnvoll war diese Angabe bei den Schreibbüros der siebziger Jahre)

    Nicht allein der Richtwert zählt. Angesichts dieser unterschiedlichen und teilweise widersprüchlich erscheinenden Angaben der Regelwerke ist eine Abstimmung über die akustische Qualität unter allen Akteuren im Unternehmen, auch den Betroffenen, erforderlich. Dabei ist es ganz zentral, die Arbeitsaufgaben mit ihren speziellen Anforderungen zu berücksichtigen. Im Übrigen ist Lärmschutz eine Mitbestimmungsangelegenheit. Ohne Zustimmung des Betriebs- oder Personalrates kann eine Entscheidung über die Arbeitsplatzgestaltung nicht vorgenommen werden.

    Mit einem passenden Raumkonzept kann es gelingen die Zielwerte umzusetzen und den jeweiligen Erfordernissen gerecht zu werden. Auf diese Weise lassen sich dann Aufwände der akustischen Ausgestaltung reduzieren.

    Bild 1: Grafische Darstellung eines Beurteilungspegels - Durchschnittsschalldruckpegel. (Quelle: www.buero-forum.de)

    Allerdings: Je dichter die Arbeitsplätze im Büroraum gestellt sind und je häufiger und lauter gesprochen wird, umso geringer ist die Chance, durch schalldämpfende Materialien diese Pegel zu erreichen.

    Lärmmessung und Pegelwerte

    Der gemessene Schalldruckpegel in dB (A) gibt an, wie laut das Geräusch vom menschlichen Ohr empfunden wird. Die Kenngröße für die Angabe der Lärmbelastung am Arbeitsplatz ist der Beurteilungspegel oder Tagesexpostionspegel. Er stellt die durchschnittliche Geräuscheinwirkung während des Arbeitstages dar und berücksichtigt alle am Arbeitsplatz eintreffenden Geräusche. Der Schallpegel, der vom Betroffenen selbst verursacht wird, wird dabei nicht mit einbezogen.

    • Die Lärmbelastung bei einem Beurteilungspegel von max. 55 dB (A) am Tag ist bereits nach 4 Stunden mit 58 dB (A) erreicht.
    • Die gleiche Lärmbelastung ist bei 61 dB (A) schon nach 2 Stunden erreicht.
    • Wird der Beurteilungspegel um 3 dB (A) verringert, halbiert sich die Schallintensität. 
    • Eine Erhöhung um etwa 10 dB wird als Verdopplung der Lautstärke empfunden. Bei einer Verringerung um 10 dB (A) ist es demnach halb so laut. 
    • Der Sprechpegel bei mittlerer Stimmlage in 1 m Entfernung liegt bei 55-60 dB (A).  

    Die Angabe eines Tagesdurchschnitts macht keine Aussage über Spitzenbelastungen und kurzzeitige laute Phasen. Sie können ziemlich unangenehm stören. Der Beurteilungspegel ist für die Einschätzung des Lärmstresses im Büro deshalb nur eine begrenzt aussagefähige Angabe.Auch spielen bei der Lästigkeit des Lärms die Art der Töne eine Rolle und Gespräche stören am meisten.

    • Die Beurteilung der Belastung durch Lärm im Büro sollte neben der Messung immer auch die Aussagen der Betroffenen über die Störungs- und Stresswirkung einschließen (Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen).

      Die VDI 2058 fordert bei Lärmmessungen nicht nur akustische Größen, sondern immer auch die Tätigkeitsvoraussetzungen, den Geräuschcharakter und die persönlichen Voraussetzungen miteinzubeziehen. Bei der Gesamtbewertung der Lärmbelastung sollten Wechselwirkungen mit anderen Belastungsfaktoren berücksichtigt werden.

      Geräuschbelastung im Büro wird von vielen Fachleuten nicht als Lärm bezeichnet, dieser sei erst ab 80 dB (A) gegeben. Es wird von der Lästigkeit der Geräusche gesprochen. Lärm im Büro hat neben der Lästigkeit auch negative Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, die Konzentration wird erheblich beeinträchtigt. die Leistungsfähigkeit ebenso.

      Hintergrundlärm

      Der technisch bedingte Hintergrundlärm in einem Büroraum wird in der Regel durch Klimaanlagen und die EDV-Geräte erzeugt. Lärm kann auch über Wände und Decken oder Fenster in einen Büroraum eindringen. Der Hintergrundgeräuschpegel ist der Schalldruckpegel, der in 95 Prozent der Messzeit überschritten wurde. Die Arbeitsgeräusche und Sprache sind hier nicht miteinbezogen.

      • In kleinen Büroräumen soll der Hintergrundlärm 30-40 dB (A) (vgl. DIN EN ISO 11690) und
      • in Großraumbüros 35-45 dB (A) nicht überschreiten (VDI 2569, DIN EN ISO 11690).
      • Bei mittleren Tätigkeitsanforderungen fordert die DIN 18041 einen Hintergrundschallpegel von weniger als 35 dB (A).

      Zu bedenken ist, dass Gespräche im Hintergrund die größten Stress- und Belästigungsfaktoren in Mehrpersonenbüros sind.  

      Lärmbelastung und Gesundheitswirkung 

      dB (A)  

      subjektives Empfinden  

      Geräuschart

      Gesundheitliche Wirkung
      10    unhörbar Atemgeräusch in 30 cm Entfernung sicherer Bereich
      30    sehr leise Flüstern oder Ticken eines Weckers
      40    leise leise Radiomusik mögliche psychische und vegetative Reaktionen
      50   leise Laserdrucker
      60   laut normale Unterhaltung (2 m) Beginn vegetativer Schäden
      70  sehr laut   Schreibmaschine, Matrix- oder Typenraddrucker, laute Sprache nervöse Störungen
      80  sehr laut Kraftwagen in 7 m Entfernung, starker Straßenverkehr deutliche vegetative Schäden
      90   sehr laut Lastwagen in 5 m Distanz
      gesundheitsgefährdender Bereich, Beginn von Gehörschäden
      100 sehr laut Diskothek
      110 unerträglich Flugzeugtriebwerk 240 m Entfernung gesundheitsschädigender Bereich
      120  unerträglich Flugzeugtriebwerk 30 m Entfernung Verletzung des Zentralnervensystems
      150-180 unerträglich Raketentriebwerk Lähmung und Tod von Organismen
      Quelle: GUV-I 8566 Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen (hg. v, Bundesverband der Unfallkassen, nicht mehr erhältlich)

      Störungen durch Lärm im Büro sind vermeidbar

      Gesundheitsgefahren

      Lärm wird immer wieder als eines der häufigsten Probleme auch an Büroarbeitsplätzen genannt. Jeder zweite fühlt sich durch das im Büro herrschende Lärmumfeld beeinträchtigt. Dies ergab eine Umfrage des Forum Besser Hören unter knapp 1000 Angestellten. Die repräsentative schweizerische Bürobefragung von 2012 zeigt Lärm als höchsten Belastungsfaktor. Lärm führt zu psychischen Belastungen und Stress

      Aufmerksamkeit und Reaktionszeit sinken, Denkvorgänge laufen langsamer ab. Ist es sehr laut, kann das Gehör geschädigt werden. Lärm beeinflusst das vegetative Nervensystem, erhöht den Blutdruck und kann das Herz-Kreislaufsystem schädigen.  

      Bild 2: Informationshaltiger Lärm ist ein starker Stressor. (Quelle: SUVA)
      Geräusche stören besonders bei schwierigen Aufgaben

      Nach einer neuen Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin wirken akustische Belastungen dann besonders störend, wenn komplexe Aufgaben zu erfüllen sind. Bearbeitungsdauer und Fehlerrate nehmen zu, wenn z. B. ein Angebot erstellt werden muss.  Bei einfachen Aufgaben lässt sich hingegen die Störwirkung von Geräuschen durch erhöhte Aufmerksamkeit kompensieren.

      Besonders stark wird die Konzentration beeinträchtigend durch das unfreiwillige Mithören von Gesprächen bei anspruchsvollen Tätigkeiten. Das "Weghören wollen" löst erhebliche Stressreaktionen aus.

      So lässt sich Lärm reduzieren

      • Bei der Auswahl der Geräte sollten lärmarme Produkte bevorzugt werden. Die Angaben zur Geräuschabgabe der Hersteller können hier herangezogen werden.
      • Laute Geräte wie Drucker oder Kopierer gehören in separate Räume.
      • Bei der Raumbelegung ist für ausreichend Platz zwischen den Arbeitsplätzen zu sorgen. Sprache von fremden Arbeitsbereichen soll nicht verstehbar sein.
      • Für die Raumausstattung sind lärmdämpfende Materialien für Böden, Decken und Wände vorzusehen. Sie mindern die Übertragung des Schalls.
      • Teppich- oder Kunstoffböden wirken im Unterschied zu harten Fußböden schallabsorbierend. Auch Möbel sollten hinsichtlich ihrer schallabsorbierenden Eigenschaft ausgewählt werden. Flächen aus Stahl und Glas reflektieren den Schall stärker als zum Beispiel Hölzer oder bespannte Schrankfronten. Eine schallabsorbierene Unterdecke führt deutlich zur Lärmminderung.
      • Schallisolierende Unterlagen oder Schallschutzhauben reduzieren Lärmquellen wie laute Drucker.
      • Schallabsorbierende Stell- und Trennwände schirmen die Arbeitsplätze besser voneinander ab, so dass Gespräche nicht mitgehört werden müssen.
      • Der Lärm in Arbeitsräumen lässt sich auch durch räumlich-organisatorische Maßnahmen verringern, beispielsweise durch Auflösung von Großraumbüros, die Zonierung von großen Büroflächen, die Ausgliederung von Kommunikationsräumen („Telefonzellen“, Meetingräume) und die Schaffung kleinerer Büroräume. Auch Ausweichmöglichkeiten für konzentrativen Arbeit in ruhige "Denkerzellen" oder "silent rooms" und Absprachen über das Umlegen von Telefonaten helfen, Stress im Arbeitsalltag zu vermeiden.
      • Für informelle Gespräche werden Meetingpoints oder Teeküchen außerhalb der Bürobereiche benötigt.  

      Beschaffung

      Beim Kauf von lärmarmen Maschinen und Geräten ist auf Folgendes zu achten: Die Hersteller sind gesetzlich durch das Produktsicherheitsgesetz ProdSG verpflichtet, über die Geräuschabgabe ihrer Geräte zu informieren und die nach Normvorgaben ermittelten Werte in der Betriebsanleitung oder in den Verkaufsunterlagen anzugeben. Angegeben werden muss der Schallleistungspegel bei definierten Betriebsbedingungen (Betrieb und Stand-By).

      Der "Blaue Umweltengel" legt einen maximale Geräuschabgabe im Leerlauf bei Arbeitsplatzrechnern von 48 dB (A). Das erreichen auch manche Laser- und Tintenstrahldrucker, oft liegt der Wert her allerdings um die 60 dB (A). Der Maximalschallleistungspegel bei Bürogeräten wird nach den Vergabebestimmungen mit 75 dB (A) definiert.

      Das Umweltbundesamt empfiehlt, dass Geräte mit mehr als 63 dB(A) Schallleistungspegel nicht in einem Raum stehen sollen, in dem konzentrativ gearbeitet wird. Hohe Frequenzen belästigen besonders stark. Auch darauf sollte bei der Geräteauswahl geachtet werden.  

      Akustische Kenngrößen von Räumen

      Die Nachhallzeit ist die Zeit des Nachklingens von Schall in einem Raum bis hin zur Unhörbarkeit. Sie ist die wichtigste Kenngröße für die Hörsamkeit in Räumen. Je niedriger sie ist, desto weniger "hallig" ist der Raum und desto besser ist die Sprachverständigung. Aber auch die akustischen Störungen von Geräuschen sind in Räumen mit geringen Nachhallzeiten geringer. Beeinflusst wird die Nachhallzeit durch den Anteil der schallabsorbierenden Flächen im Raum.

      • Die DIN EN ISO 9241 Teil 6 fordert eine maximale Nachhallzeit bei Räumen z. B. von 200 Kubikmetern von 0,6 Sekunden. Die DIN 18041 gibt für unterschiedliche Raumnutzungen (Besprechungsräume, Callcenter etc.) Nachhallzeiten an. Sie sind frequenzabhängig.

      Die Schallausbreitung sagt ebenfalls etwas über die Reflektions- und Absorptionseigenschaften des Raumes aus. Sie gibt an, um wieviel der Schalldruckpegel im Durchschnitt von der Quelle zum Arbeitsplatz im Raum abnimmt. Angegeben wird hierzu die Abnahme des Schalldruckpegels pro Entfernungsverdopplung. Im freien Feld ist das 6 dB.

      Einen guten Schallschutz hat ein Büroraum mit einer niedrigen Nachhallzeit und eine hohe Abnahme der Schallausbreitung. Eine zu hohe Schalldämmung trägt allerdings auch nicht zum Wohlbefinden bei.

      Für Großraumbüroplanungen reichen globale Angaben wie der Beurteilungspegel oder die Nachhallzeit nicht mehr ausreichend. Hier geht es um Vertraulichkeit und Störungsfreiheit. Kenngrößen der Akustik wie "räumliche Abklingrate der Sprache", "Ablenkungsabstand" (Abstand bei dem Sprache Anderer nicht mehr verständlich ist und nicht mehr ablenkt), "Vertraulichkeitsabstand" oder "A-bewerteter Schalldruckpegel in einem Abstand von 4m" sind notwendig, um die Qualität der Akustik zu beurteilen.  Erreicht werden gute Werte dieser Kenngrößen durch gute Schallschirmung zwischen den Arbeitsplätzen, ausreichend schallabsorbierende Flächen und Zonierungen der Arbeitsflächen nach Tätigkeitstyp (kommunikationsintensiv, konzentrativ).  

       

      Der Servicebereich

      Rechtsquellen und Normen

      Gesetze und Verordnungen
      • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 17
      • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang Nr. 3.7
      • Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Lärm und Vibrationen (Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung - LärmVibrationsArbSchV) vom 8.3.2007

      • Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) von 2011  

      Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
      • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2012, download unter www.vbg.de
      • Berufsgenossenschaftliche Information BGI/GUV-I 5141: Akustik im Büro. Hilfen für die akustische Gestaltung von Büros. VBG-Fachinformation 2011 

      Normen und sonstiges Regelwerk
      • AWE Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Nr. 101: Lärmbeurteilung - Büro - Arbeitsplätze. hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Dortmund 1996
      • AWE  - Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Nr. 123: Bildschirmarbeit – Lärmminderung in kleinen Büros, hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
      • AWE  - Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse Nr. 124: Lärmminderung in Mehrpersonenbüros, hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin  
      • DIN EN ISO 11690-1: Akustik; Richtlinien für die Gestaltung lärmarmer maschinenbestückter Arbeitsstätten
      • VDI-Richtlinie VDI 2569: Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro
      • VDI-Richtlinie VDI 2058: Beurteilung von Lärm am Arbeitsplatz unter  Berücksichtigung unterschiedlicher Tätigkeiten

      • DIN 18041: Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen (2004)

      • DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten
        • Teil 6 Leitsätze an die Arbeitsumgebung
      • DIN EN ISO 3382 Teil 3:2012 : Akustik - Messung von Parametern der Raumakustik - Teil 3: Großraumbüro

         

        Literatur

        Literaturmarker Zum Einlesen:  

        IG Metall (Hrsg.): Informationen für Beschäftigte - Themen-Flyer
        Ruhe im Büro fördert Kommunikation und Konzentration. Mit Rücksicht und guter Ausstattung leise durch den Büroalltag.
         download  (214 kB) oder unter www.igmetall.de

        Büro-Forum (Hrsg.):
        Schall- und Lärmwirkung. Grundlagen des Hörens, Schallwirkungen und Maßnahmen im Büroumfeld.
        Fachschrift Nr. 11, Wiesbaden 2010, download unter www.buero-forum.de

        Büro-Forum (Hrsg.):
        Raumakustik. Akustische Bedingungen am Arbeitsplatz effektiv gestalten.
        Fachschrift Nr. 8, Wiesbaden 2010, download unter www.buero-forum.de

        Berufsgenossenschaft BG ETEM Energie-Textil-Elektro-Medienerzeugnisse (Hrsg.):
        Das Medienbüro. Gestaltung von Arbeitsplätzen für Konzeption und elektronische Produktion von Bild und Text.
        Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung. Wiesbaden 2009

        Peter Martin:
        Über die Grenzen der Grenzwerte - das Beispiel Raumakustik.
        in: Zeitschrift Gute Arbeit, AIB-Verlag 5/2009 

        Belästigender Lärm am Arbeitsplatz 
        Broschüre der Schweizer Unfallversicherung SUVA
        Luzern 5. Auflage 2006
         download  (1,2 MB)

        Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
        Akustische Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen in Büros.
        Technik 26, 4. Auflage Dortmund 2006 

        Literaturmarker Zum Vertiefen:  

        Pieren, Reto:
        Soundscape im Grossraumbüro (Open Plan Space). Problematik und Lösungsansätze.
        Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Vortrag: Internationale Akustiktage Bad Wörrishofen 2011   

        Bechmann, R.:
        Anforderungen an eine gute Akustik in Mehrpersonenbüros.
        in: Zeitschrift Gute Arbeit 7/8 2007, www.www.gutearbeit-online.de/

        Elmar Schröder/Ulrich Schanda:
        Vergleichende Untersuchung raumakustischer Konzepte von Mehrpersonenbüros hinsichtlich Sprachverständlichkeit, Arbeitsgedächtnisleistung und Arbeitsbehaglichkeit durch Hörversuche.
        in: Bauphysik 5/2007, Verlag Ernst & Sohn

        Ch . A. Sust/ H. Lazarus:
        Bildschirmarbeit und Geräusche,
        Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin,(Wirtschaftsverlag NW), Dortmund, Berlin  2003 

        Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd (Hrsg.):
        Fachinformation „Lärm-Stress" am Arbeitsplatz  - Nicht das Innenohr betreffende Lärmwirkungen -„Extra-aurale Lärmwirkungen".
        Fachausschus-Informationsblatt Nr. 018, download unter www.bg-metall.de

        LiteraturmarkerBücher und  Broschüren zu Lärm

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        Letzte Änderung: 3.3.2014

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        Rechtsquellen
        • Bildschirmarbeits-
          verordnung 
        • Arbeitsstätten-
          verordnung 

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        Literaturtipps
        • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
          Akustische Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen,
          2003

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