ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Klima im Büro

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Eine angenehme Raumtemperatur liegt bei 21 bis 22° Celsius und sie darf höchstens 26° Celsius im Sommer betragen.
  • Die Luftfeuchtigkeit sollte etwa 50 % betragen.
  • Zugluft ist zu vermeiden.
  • Arbeitsmittel dürfen zu keiner erhöhten Wärmebelastung führen.
  • Fenster sollten zu öffnen sein und über Sonnenschutzvorrichtungen verfügen.
  • Klimaanlagen sollten individuell am Arbeitsplatz einstellbar sein.
  • Sie müssen mindestens zweimal jährlich gewartet werden.  

Ein angenehmes Raumklima schafft eine wesentliche Voraussetzung für Wohlbefinden am Arbeitsplatz und gute Leistung. Dabei ist einiges zu beachten.  

Klima-1
Bild 1: Klima und Arbeit. (Bildquelle: Projekt GESA, Hochschule für Wirtschaft und Politik, gemeinsam mit der Gewerkschaft HBV)

Klima-2Welche Faktoren beeinflussen das Klima?

Das Raumklima wird durch das Zusammenwirken von

  • Temperatur,
  • Luftfeuchtigkeit
  • Luftqualität und

die Luftbewegung bestimmt.

Bild 2:  Thermometer
(Bildquelle : Gewerkschaften HBV, DPG und IG Medien, 1997)
Rechner, Bildschirme und Drucker sondern Wärme ab. Sie können zu elektrostatischen Aufladungen führen und die Luftfeuchtigkeit im Raum vermindern. Zugluft entsteht z. B. durch falsch eingestellte Klimaanlagen, undichte Fenster und das Kühlgebläse von Arbeitsgeräten. Wenn die Luft als stickig empfunden wird und "steht", deutet dies auf ein zu geringe Luftbewegung hin.

Mindestanforderungen an das Büroklima

Schutzziele für klimatische Raumbedingungen schreibt die Arbeitsstättenverordnung vor: "eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur" wird gefordert. Richtwerte für das Raumklima im Büro finden sich in der Arbeitstättenrichtlinie ASR 6 zu Raumtemperaturen und der Berufsgenossenschaftlichen Information BGI 650.

Raumtemperatur
  • Für Bürotätigkeiten gilt eine empfohlene Raumtemperatur von 21 bis 22 °C,
    mindestens aber 20° C. Bei hohen Außentemperaturen sollten 26° C nicht überschritten werden.
  • Größere Temperaturschwankungen sind zu vermeiden.
Luftfeuchtigkeit
  • Eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 65 Prozent ist akzeptabel. Experten raten zu 50 Prozent, die Berufsgenossenschaften nennen dies als Maximalwert. Hohe Werten helfen auch elektrostatische Aufladungen zu vermeiden.
Luftgeschwindigkeit
  • Durch Zugluft fühlt man sich unbehaglich.
  • Eine Luftgeschwindigkeit von 0,1 bis 0,15 m/s gilt als angenehm und wird gefordert. Werte über 0,2 m/s sind zu vermeiden. 

Behaglichkeit

Auch die Art der Tätigkeit und ihre Dauer bestimmen mit, wann "thermische Behaglichkeit" besteht, das heißt ein Mensch sich wohlfühlt. Wir benötigen ein gemäßigtes aber doch "reizvolles" Klima. Zu große Temperaturunterschiede müssen ebenso vermieden werden, wie ein zu gleichförmiges Klima, das ermüdet.  

Sonnenschutz

Wenn Sonnenschutz an der Fensteraußenseite angebracht wird, verhindert er im Sommer eine zu starke Aufheizung des Raumes.


EDV-Geräte

  • Arbeitsmittel dürfen nicht zu einer erhöhten Wärmebelastung führen.  

Geräte mit maximaler Leistung im Hinblick auf Energieeinsparung sind deshalb empfehlenswert. Bei der Aufstellung muss auf eine gute Belüftung geachtet werden. Sind EDV-Geräte in größerer Anzahl vorhanden und führen zu erhöhter Wärmebelastung, müssen höhere Flächenbedarfswerte für einen Bildschirmarbeitsplatz berücksichtigt werden, also 10 qm (Quadratmeter) in normalen Büros und 15 qm in Großraumbüros.

Luftqualität

Durch Mindestraumgröße und Lüftungsmöglichkeiten muss für einen ausreichenden Luftaustausch in Büroräumen gesorgt werden.

Gesundheitsgefahren

Ein schlechtes Raumklima belastet die Gesundheit. Es kann Erkältungskrankheiten, Bindehautentzündungen, trockene Schleimhäute, Allergien, Übelkeit und Schwindelgefühle verursachen. Auch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Ermüdungserscheinungen können mit den klimatischen Bedingungen zusammenhängen.  

Häufen sich die Symptome, spricht man von einem eigenen Krankheitsbild, dem Sick-Building-Syndrom. Dabei wirken sich schlechtes Raumklima, verunreinigte Luft, Ausdünstungen von Geräten, Lärm, falsche Beleuchtung und mehr zusammen aus. 

Klima-3Maßnahmen zur Klimaverbesserung

  • Fenster sollten zu öffnen sein. Es empfiehlt sich, stündlich zu lüften. 
  • Grün- und Wasserpflanzen, wie z. B. Farn, Zyperngras und Zimmerlinde, spenden Sauerstoff und Feuchtigkeit. Einige binden Schadstoffe.  
  • In jedem Raum sollte die Temperatur zu regeln sein.
  • Luftschadstoffe lassen sich durch die Verwendung schadstoffarmer oder besser schadstofffreier Materialien verringern oder vermeiden.
  • Luftbefeuchter verbessern eine zu trockene Büroluft. Sie müssen regelmäßig gereinigt werden.
  • Geräte, die nicht unbedingt am Arbeitsplatz benötigt werden, stehen besser in gut belüfteten, separaten Räumen. 

Klimaanlagen

Klimaanlagen sollten eine Einzelraumregulierung ermöglichen. 

  • Sie müssen nach der VDI-Richtlinie 6022 u.a. regelmäßig und fachgerecht (mindestens zweimal im Jahr) gewartet und gereinigt werden. Dazu gehört es, die Filter auszutauschen.  

Es empfiehlt sich, mit dem Hersteller einen Wartungsvertrag abzuschließen. 

Trockene Luft

Häufige wird vor allem im Winter über trockene Luft in Büros geklagt. Erkältungen und Augenbeschwerden werden damit in Verbindung gebracht. Eine neue berufsgenossenschaftliche Studie verweist darauf, dass ein unterer Grenzwert von 30 % relative Feuchte aus wissenschaftlichen Studien nicht eindeutig herleitbar ist. Klar allerdings ist, dass Grippeviren bei höherer Feuchte eine geringere Überlebensrate haben. Bestätigt hat sich auch, dass sich das Symptom Trockene Augen bei höherer Feuchte bessert. Empfohlen werden Luftbefeuchtungsanlagen hier erst, wenn längere Zeit nur 10-20 % Luftfeuchte vorhanden ist. Vorher sollte die Staub- und Schadstoffbelastung der Luft, die Raumtemperatur und die Luftströmung als mögliche Ursachen für das Empfinden trockener Luft geprüft werden.

Raumklima und Betriebsklima

Wissenschaftler haben inzwischen herausgefunden, dass psychosoziale Faktoren wie Zeitdruck, häufige Störungen des Arbeitsablaufs , schlechter Führungsstil oder mangelnder Handlungsspielraum einen negativen Einfluss auf  die individuelle Zufriedenheit mit dem Raumklima haben.
 
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), Anhang 3.5, 3.6
  • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Anhang, Nr. 16 und 18
Staatliche Regeln und Richtlinien
  • Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.5 "Raumtemperaturen"
  • Arbeitsstätten-Richtlinie ASR 5 "Lüftung"

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650/GUV-Informationen GUV-I 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft/ Bundesverband der Unfallkassen 2006
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 742: Arbeiten an Bildschirmgeräten. Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2009
  • Schriftenreihe Prävention SP 2.9/1: Klima in Bürogebäuden, Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, download www.vbg.de 
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5012 (künftig BGI 7003): Beurteilung des Raumklimas. Eine Handlungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen, Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften 2005
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 7004: Klima im Büro - Antworten auf die häufigsten Fragen
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 753-1: Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik - Handlungshilfe für Unternehmen (bis zu 10 Beschäftigten)
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 5049: Luftqualität - Antworten auf die häufigsten Fragen zum Klima und zur Luftqualität in Büroräumen und büroähnlichen Räumen  

Normen
  • DIN EN 13779: „Lüftung von Nichtwohngebäuden – Allgemeine Grundlagen und Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen“, (alt: DIN 1946: Raumlufttechnik)

  • DIN 33 403: Klima am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung, Teile 1, 2 und 3

Literatur

Literaturmarker  Zum Einlesen:  

Berufsgenossenschaft BG ETEM Energie-Textil-Elektro-Medienerzeugnisse (Hrsg.):
Das Medienbüro. Gestaltung von Arbeitsplätzen für Konzeption und elektronische Produktion von Bild und Text.
Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung. Wiesbaden 2009

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
Gesundheit im Büro. Fragen und Antworten
Hamburg 2005 

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
Lern- und Informationsprogramm "Ergonomie im Büro" - online
www.vbg.de      Themenseite Büro  

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft:
Auswahlhilfe für Luftbefeuchter: Maßnahmen gegen zu trockene Luft im Büro
CCall Tool 1, Hamburg 2002, download unter www.ccall.de  

Peter Tappler:
Raumklima und Luftqualität im Büro,
in: Friedrich Blaha (Hrsg.): Trends der Bildschirmabeit, Wien, New York (Springer-Verlag) 2001.

 

Literaturmarker Zum Vertiefen:  

von Hahn, N.:
Trockene Luft” und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit - Ergebnisse einer Literaturstudie
in:
Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft, Themenheft 03-2007 "Innenraumluft", die Studie wurde im Auftrag der Verwaltungs-Berufsgenossenschft vom Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz durchgeführt, download auch unter www.hvbg.de/d/bia/ BGIA-Projekte: Ergebnisse aus der Forschung

Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) c/o Ministerium für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt:
Kenngrößen zur Beurteilung raumklimatischer Grundparameter,
Bestelladresse: Postfach 3740, 39012 Magdeburg, Fax: 0391/567 4522, E-Mail: lasi@ms.lsa-net.dbp.de  

Berufsgenossenschaftliche Information: Mensch und Arbeitsplatz (BGI 523)
Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2003 

Wolfgang Bischof u.a. (Hrsg.):
Expositionen und gesundheitliche Beeinträchtigungen in Bürogebäuden,
Stuttgart (Fraunhofer IRB Verlag) 2004

Verwandte Themen

Letzte Änderung: 8.12.2007

Logo Ergo Online
© 2009 Gesellschaft Arbeit und Ergonomie - online e.V.

Rechtsquellen
  • Arbeitsstätten-
    verordnung

mehr
Literaturtipps
  • Peter Tappler:
    Raumklima und Luftqualität im Büro,
    in: Trends der Bildschirmabeit 2001

mehr
Verwandte Themen
Inhaltsverzeichnis
Bezug des Regelswerks