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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Blendfrei am Bildschirm arbeiten im Büro, beim Kunden und unterwegs

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht  

  • Blendungen bei der Arbeit am Bildschirm führen zu schneller Ermüdung der Augen und zu Fehlern.
  • Es können auch Rückenschmerzen durch Fehlhaltungen ausgelöst werden.
  • Nicht nur im Büro, auch im home office und mit Notebook bei Kunden und unterwegs sollte die richtige Sitzposition Blendungen vermeiden.
  • Der Lichteinfall kommt am besten von der Seite, weder von vorn noch von hinten.
  • Mit dem Laptop auf den Knien zu arbeiten ist ein „No-Go“.
  • Außendienstler und andere mobil Arbeitende haben selbst darauf zu achten, dass die Ergonomie bei der Arbeit nicht auf der Strecke bleibt.


      Wenn das Büro überall sein kann

       
      Mindestens 1,7 Millionen Menschen verwenden bereits regelmäßig auf Dienstreisen oder bei Kundenbesuchen ein Laptop oder Notebook. Als Berater, Pharmareferenten, Techniker, Versicherungsagenten, IT-Spezialisten oder Journalisten arbeiten sie mobil. Dazu müssen sie häufig reisen und ihre mobile Arbeit findet an unterschiedlichen Arbeitsorten statt, wie im Auto oder Zug, an Bahnhöfen, Flughäfen, in Hotels oder bei diversen Kunden. Die Lichtverhältnisse können sie nur schlecht beeinflussen und für ergonomische Bedingungen bei ihrer Arbeit ergonomisch müssen sie in erster Linie selbst sorgen.
       
      Das Arbeiten an einem Arbeitsplatz im Büro macht ergonomisches und effizientes Arbeiten möglich, Blendungsquellen können durch gute Gestaltung vollständig vermieden werden. Unterwegs ist das anders. Jedoch erfordern die Mobilität und Flexibilität der modernen Dienstleistungsgesellschaft die Nutzung mobiler Arbeitsmittel. Es geht darum, sie so ergonomisch wie möglich einzusetzen.

      Beim Einkauf auf Ergonomie achten

       
      Allein in Deutschland wurden 2010 laut IT-Branchenverband Bitkom über vier Millionen Desktop-PCs und über neun Millionen Laptops verkauft. Die Auswahl der Geräte und ihre Ausstattung sollten sich an der zu bearbeitenden Aufgabe und an dem mobilen Einsatz orientieren. Ein ausreichender Akku mit hoher Laufzeit sichert einen langen Betrieb unabhängig vom Stromnetz, ein geringes Gewicht erleichtert den Transport, schnell per Tastenkürzel anpassbare Bildschirmhelligkeit schont die Augen, eine beleuchtete Tastatur sorgt in der Dämmerung für sicheres Tippen und eine externe ergonomische Maus und Tastatur vermeidet Fehlhaltungen.
      • Wichtig für ergonomisches Lesen am Notebook: Beim Kauf ist grundsätzlich matten entspiegelten Displays der Vorzug zu geben, ebenso hellen gedeckten Gehäusefarben und matten Oberflächen.
      Bild 1: Spiegelndes Netbook bei der Arbeit im Freien. (Bildquelle:Simone Janson, Journalist für Beruf und Bildung )

      Empfehlenswert sind Bildschirme mit Reflexionsklasse 1. Es gibt allerdings auf dem Markt bereits Geräte mit Entspiegelungsgüten, die weit über die Reflexionsklasse I hinausgehen. Auch auf die Anzeigenleuchtdichte (Bildschirmhelligkeit) sollte geachtet werden. Je besser die Entspiegelung und je höher die Anzeigenleuchtdichte, desto geringer die Störwirkung von Reflexionen auf dem LCD-Schirm.

      Geräte für Multimediaanwendungen mit hochspiegelnden Bildschirmoberflächen oder glänzender Klavierlackoptik sind nicht für den mobilen Einsatz bei normalen Büroanwendungen geeignet. Auch wenn solche Glossy oder Glare-Type-Bildschirme auf den ersten Blick einen bessere Farbintensität bieten.

      Das stört: Direktblendung und Reflexblendung

      Die Blendwirkung wird durch die Helligkeit, die Leuchtdichte einer Fläche oder Lichtquelle bestimmt und zwar in Relation zur Umgebungshelligkeit. Es kommt also auf die Kontrastverhältnisse an und auf die maximale Helligkeit, die allerdings in Büroumgebungen eher keine Rolle spielt.

      Direktblendungen entstehen durch eine im Blickfeld liegende Lichtquelle oder sehr hellen Flächen. Das können unzureichend abgeschirmte Lampen, zu hohe Helligkeiten (Leuchtdichten) freistrahlende Leuchten und die Sonneneinstrahlung auf Fensterflächen oder Wänden sein. 

      Blendende Reflexe (Reflexblendungen) auf dem Bildschirm erzeugt bspw. ein hinter dem Nutzer/der Nutzerin liegendes Fenster, das sich auf der Oberfläche spiegelt. Auch extrem helle Wände und Möbeloberflächen können störende Spiegelungen hervorrufen.

      Gesundheitsbeschwerden durch Blendungen und Spiegelungen

       
      Blendungen durch sehr helle Flächen im Sehfeld erschweren die natürliche Anpassung des Auges  (Adaption). Das visuelle System wird überlastet, weil die Ausrichtung des Auges auf die Bildschirmdarstellung erfolgt. Entspanntes Sehen ist so nicht möglich, die Sehleistung ist herabgesetzt, müde und gereizte Augen sind die Folge. Die allgemeine Ermüdung setzt schneller ein. Die Sehschärfe und das Kontrastsehen sind verringert, insbesondere bei Älteren, die oft blendungsempfindlicher sind als Jüngere.  Auch „trockenen“ gereizten Augen reagieren blendungsempfindlicher.
       
      Bei Blendungen sind die Zeichen auf dem Bildschirm nicht mehr ausreichend kontrastreich zu sehen, denn das Auge passt sich der höheren Leuchtdichte der hellen Flächen im Blickfeld an.
       
      Spiegelt sich ein Gegenstand sichtbar auf dem Bildschirm, sinkt nicht nur die Erkennbarkeit der Zeichen und das Auge wird zur Hell-Dunkel-Anpassung gezwungen. Das Auge stellt sich auch von der Naheinstellung auf die Ferneinstellung ein, um beides scharf zu sehen, eine weitere ermüdende zusätzliche Belastung.
       
      Auf dem Bildschirm haben auch kleinste Lichtreflexe eine große Wirkung, weil man unbewusst eine Körperhaltung einnimmt, um den Blendungen auszuweichen. Aus einer dadurch bedingten Fehl- und Zwangshaltung können Nacken- und Schulterbeschwerden sowie Rückenprobleme resultieren. Wer beim Arbeiten geblendet wird, reagiert zudem oft mit Nervosität, er macht mehr Fehler und muss sich eventuell mit Kopfschmerzen und Augenbeschwerden  herumplagen.  

      Anordnung im Raum

       
      Damit keine Blendwirkungen entstehen, dürfen Bildschirme nicht direkt am Fenster und nicht davor oder vor sehr hellen Flächen aufgestellt werden. Sie stehen korrekt, wenn die Blickrichtung parallel zur Fensterfront verläuft. Verursachen lange Fensterfronten Blendungen, bieten dicht vor und/oder hinter dem Arbeitsplatz platzierte Stellwände einen Schutz.  
      Bildfolgen 2 und 3: Ergonomisch richtige und falsche Plazierung von Bildschirmen und Leuchten. (Bildquelle: Deutsches Büromöbel Forum: Informationsschrift 4 Bildschirmarbeit, www.buero-forum.de )

      Sonnenschutz

       
      Für optimale Bedingungen der Bildschirmarbeit müssen die Fenster über eine verstellbare Lichtschutzvorrichtung verfügen. Da fordert die Bildschirmarbeitsverordnung und dient dem Schutz vor Blendungen.
       
      Wenn Arbeitsplätze entgegen der zentralen sehergonomischen Regel mit Blick zu Fensterflächen angeordnet werden, muss der Lichtschutz das Sonnenlicht ausreichend abdunkeln und eventuell ein zusätzlicher Blendschutzaufbau am Arbeitstisch vorhanden sein. Die geforderten maximalen Kontrastwerte von 10:1 im weiteren Blickfeld sind sonst nicht einzuhalten. Solche Arbeitsplatzanordnungen müssen begründete absolute Ausnahmen bleiben. Denn sie führen dazu, das Tageslicht aus dem Raum auszuschließen.

      Oberflächen von Mobiliar und Wänden

       
      Reflexionen und Spiegelungen auf Arbeitsflächen lassen sich durch matte bis seidenmatte Oberflächen vermeiden. Für die Möbel in der Umgebung des Arbeitsplatzes empfiehlt sich eine helle gedeckte Materialfarbe, z.B. zum Beispiel beige oder hellgrau. So sollten auch für Decken- und Wandflächen gestaltet sein.

      Gesetzliches Schutzziel: blendfreies Sehen

       
      Die Bildschirmarbeitsverordnung legt im Anhang Nr. 15 fest, dass der Computerarbeitsplatz und die Beleuchtung so zu gestalten sind, dass störende Blendungen, Spiegelungen und Reflexionen auf dem Monitor und sonstigen Arbeitsmitteln vermieden werden.
       
      Leuchtende oder beleuchtete Flächen, ob Fenster, Lampen oder besonnte Wandflächen gehören nicht ins Blickfeld und Deckenleuchten oder andere reflektierende Flächen, wie Glastrennwände oder Möbelflächen, dürfen nicht zu Reflexionen führen.
       
      Richtwerte für das Büro nach Normen
      Kontraste
      • Verhältnis der Leuchtdichten (Maß für den Helligkeitseindruck, den das Auge von einer beleuchteten Fläche hat, gemessen in candela cd/m²) im nahen Sehfeld zwischen Bildschirm und Arbeitstisch/Vorlagen maximal 3:1
      • Kontraste im weiteren Blickfeld zwischen Bildschirm und Raumhintergrund maximal 10:1
      Blendungsbegrenzung
      • Leuchten mit Abstrahlwinkel unter 65° bzw. mit einem UGR-Wert kleiner 19
      • mittlere Leuchtdichte von Leuchten und Flächen, die sich im Bildschirm mit Positivanzeige spiegeln: 1000 cd/m² bei Positivdarstellung der Bildschirm
      • Sonnen- oder Blendschutzvorrichtungen
      • Oberflächen seidenmatt bis matt, mittlerer Reflexionsgrad Möbelflächen und Geräte 0,2 bis 0,5 (der Reflexionsgrad ist ein Maß der Oberflächenhelligkeit, weißes Papier hat 0,8), Decken- und Wandflächen von 0,5 bis 0,8
      Anordnung Arbeitsplätze
      • Bildschirmausrichtung parallel zum Fenster
      • Deckenleuchten seitlich vom Arbeitstisch 
          Die Bildschirmarbeitsverordnung gilt für Büroarbeitsplätze und definiert Anforderungen an das Bildschirmgerät, die Arbeitsplatzumgebung und die Arbeitsplatzgestaltung. Sie gilt nicht für Laptops oder Notebooks im mobilen Gebrauch, denn insbesondere einige Anforderungen an die Geräteergonomie können technisch  von diesen Geräten einfach nicht erfüllt werden.
           
          Es gelten allerdings die gleichen Präventionsvorgaben für die Arbeitsumgebung: gesundheitsbelastende Blendungen am jeweiligen Arbeitsplatz müssen so gering wie möglich gehalten werden, wenn sie nicht gänzlich zu vermeiden sind, so fordert es das Arbeitsschutzgesetz in § 4.
          • Für stationäre Arbeit sind Notebooks ohne externes Zubehör (Dockingstation, Zusatztastatur und Maus und Zusatzbildschirm) grundsätzlich nicht geeignet, es sei denn kurzfristig zum schnellen Check der Mails am hot desk-Arbeitsplatz.

          Regeln für das mobile Arbeiten

           
          Blendungen lassen sich verhindern, wenn Folgendes berücksichtigt wird:
          • Setzen Sie sich nicht direkt unter eine helle Leuchte. Manchmal hilft es schon, nach rechts oder links zu rücken.
          • Wählen Sie die Blickrichtung nicht zum Fenster oder zu hellen Flächen und setzen Sie sich nicht mit dem Rücken dazu.
          • Wählen Sie nach Möglichkeit einen Arbeitsplatz, bei dem die Lichtquelle von der Seite kommt. Das Licht der Leuchten oder das Tageslicht sollen schräg seitlich auf das Arbeitsfeld treffen. 
          • Der eingestellte Kontrast zwischen Zeichen und Hintergrund sollte hoch sein, ebenso die Anzeigenleuchtdichte – das verringert die Störwirkung von Reflexen.
          • Der Sehabstand zum Bildschirm sollte bei 14 Zoll Monitorgröße zwischen 60 und 80 cm betragen.
          • Wer regelmäßig länger als 60 Minuten am Notebook arbeitet, braucht eine externe Tastatur und Maus.

            Regeln für den stationären Arbeitsplatz im Büro oder im home office

             
            Gute ergonomische Bedingungen sind gegeben, wenn
            • die Deckenleuchten parallel zum Fenster und zur Blickrichtung angeordnet sind,
            • blendfreie Leuchten mit Spiegelraster- oder Mikroprismenabdeckung verwendet werden,
            • ab und zu je nach Tageszeit Helligkeit und Kontraste des Bildschirms der Umgebung angepasst werden
            • und am besten eignet sich ein Mix aus indirekter und direkter Beleuchtung plus Arbeitsplatzleuchten. 
              Spiegelungen, Reflexionen und Blendungen am Bildschirmarbeitsplatz beeinträchtigen das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten. Mit einem Maßnahmemix lassen sie sich vermeiden.

               

              Der Servicebereich

              Rechtsquellen und Normen

              Gesetze und Verordnungen
              • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
                • § 4 Anforderungen an die Gestaltung
                • Anhang Nr. 10, 15 u. 16 
              • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
                • Anhang 3.4
              • Technische Regel für Arbeitsstätten A 3.4 Beleuchtung

              Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
              • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 650: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Leitfaden für die Gestaltung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2012, download unter www.vbg.de
              • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 742: Arbeiten an Bildschirmgeräten. Vereinigung der Metallberufsgenossenschaften 2009
              • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 827: Sonnenschutz im Büro. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft 2005
              Normen
              • DIN 12464-1:2003: Licht und Beleuchtung - Beleuchtung von Arbeitsstätten (Norm-Entwurf 2009) 
                • Teil 1: Arbeitsstätten in Innenräumen
              • DIN EN ISO 9241-303:2008 Ergonomie der Mensch-System-Interaktion
                • Teil 303: Anforderungen an elektronische optische Anzeigen

              Literatur

              Literaturmarker Zum Vertiefen:  

              Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.):
              Bewertungssystem nachhaltiges Bauen: Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude
              Soziokulturelle und funktionale Qualität: Gesundheit, Behaglicheit und Nutzerzufriedenheit: Visueller Komfort.
              Bewertungsleitfaden mit Punktesystem zum visuellen Komfort in Büros, Berlin 2011, download unter www.nachhaltigesbauen.de 

              Peter Martin:
              Beleuchtung am Bildschirmarbeitsplatz.
              in: Computer und Arbeit 12/2007, AIB-Verlag www.aib-verlag.de
              als download verfügbar: download  195 KB 

              LiteraturmarkerLiteratur und Broschüren zu Sehen und Beleuchtung

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              Letzte Änderung: 10.6.2011

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              Rechtsquellen
              • Bildschirmarbeits-
                verordnung

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