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Arbeit im Büro gesund gestalten

Arbeitszufriedenheit auch bei schlechten Arbeitsbedingungen?

Verschleiern statt aufklären

In der Debatte um die Qualität von Arbeit werden die relativ hohen Zufriedenheitswerte immer wieder auch als Beleg für gute Arbeitsbedingungen herangezogen. Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt nun, dass diese sogenannte Arbeitszufriedenheit kaum einen Zusammenhang zu den konkreten Arbeitsbedingungen aufweist. So ist es für das Ergebnis z.B. unerheblich, ob Beschäftigte nachts arbeiten oder nicht. Die gesundheitsgefährdende Belastung der Nachtarbeit fließt in die Beurteilung nicht ein. Auch die Einkommenshöhe spielt nach den Ergebnissen des DIW nur eine untergeordnete Rolle für die Zufriedenheit. Lediglich in der Leiharbeit und bei registrierten Arbeitslose, die einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, finden sich geringere Zufriedenheitswerte.

Doch wie misst man Arbeitszufriedenheit? Die simple Frage nach der Zufriedenheit ist jedenfalls „kein brauchbares Kriterium für die Bewertung von Arbeitstätigkeiten“, so der Arbeitspsychologe Eberhard Ulich. Möchte man tatsächlich etwas über die Qualität der Arbeit erfahren, braucht es differenziertere Instrumente, die die Bewertung der konkreten Bedingungen durch die Beschäftigten einschließt. Dafür gibt es eine Reihe von Beispielen: Auf europäischer Ebene den European Working Conditions Survey (EWCS), in Deutschland z.B. die Erwerbstätigenbefragung von BIBB/BAuA und den DGB-Index Gute Arbeit. In diesen Befragungen werden die Beschäftigten detailliert danach gefragt, wie sie die verschiedenen Dimensionen ihrer Arbeitssituation einschätzen. Dabei spielt die Ressourcenausstattung (z.B. Weiterbildung, Gestaltungsmöglichkeiten, Wertschätzung) ebenso eine Rolle wie körperliche und psychische Belastungen. Auf dieser Grundlage konnte in den vergangenen Jahren unter anderem der Anstieg und das hohe Niveau arbeitsbedingter psychischer Belastung aufgezeigt werden. Solche Informationen liefern konkrete Hinweise auf den Handlungs- und Gestaltungsbedarf im Sinne menschengerechter Arbeitsbedingungen. Der Verweis auf eine diffuse Arbeitszufriedenheit verschleiert hier mehr, als dass er zur Aufklärung beiträgt.

Quelle: DGB-Index Gute Arbeit


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