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Grundwissen
Pausen bei Bildschirmarbeit - die Bildschirmpause

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Wer am Bildschirm arbeitet, sollte regelmäßig Pausen einlegen.
  • Sie verringern die Belastungen durch die Bildschirmarbeit.
  • Das sieht die Bildschirmarbeitsverordnung vor.
  • Pausen "lohnen" sich, denn sie erhöhen die Leistungsfähigkeit.
  • Mehrere kurze Pausen sind sinnvoller als wenige lange.
  • Empfohlen wird eine Arbeitsunterbrechung von etwa zehn Minuten pro Arbeitsstunde.

Regelmäßige Pausen halten fit und steigern die Leistungsfähigkeit. Denn Körper und Geist regenerieren sich besser in kurzen Erholabständen.

Bildschirmarbeitsverordnung

Nach der Bildschirmarbeitsverordnung hat der Arbeitgeber die Tätigkeit so zu organisieren, dass die tägliche Arbeit an Bildschirmgeräten regelmäßig durch andere Tätigkeiten oder durch Pausen unterbrochen wird. Dies zielt darauf ab, die gesundheitsschädlichen Belastungen durch Bildschirmarbeit zu verringern.

Bei den belastungsreduzierenden Maßnahmen rangieren Pausenregelungen hinter Mischarbeit, denn jede Form der Tätigkeit benötigt Kurzpausen.

Die Gestaltung von Bildschirmarbeit muss damit als erstes zum Ziel haben, einen Tätigkeitswechsel im Sinne von Mischarbeit zu ermöglichen. Das Konzept Mischarbeit erfordert eine ganzheitliche Aufgabengestaltung und ausreichend Handlungsspielraum mit einem Wechsel der Tätigkeiten und einer Unterbrechung der Arbeit am Bildschirm durch andere weniger gesundheitlich belastende  Aufgaben. Das sind Arbeitsaufgaben, die nicht durch ständigen monotonen Blick auf den Monitor, durch andauernd hohe Konzentration im Umgang mit der Software und durch Dauersitzen mit Bewegungsarmut gekennzeichnet sind. Die Zwangshaltung am Bildschirm soll dabei unterbrochen werden. Allein ab und zu ein Blick in Akten oder auf die Tastatur reicht für die Definition von Mischarbeit und als Unterbrechung im Sinne der Verordnung nicht aus. Regelmäßige, arbeitstägliche Unterbrechungen der Bildschirmarbeit können Besprechungen oder andere nicht bildschirmbezogenen Tätigkeiten sein (Kopieraufgaben, Botendienste, Aktenablage oder Kundengespräche). Das Bildschirmgerät (inkl. Tablett oder Notebook) darf bei Mischarbeit nicht die Aufgaben diktieren oder dominieren (vgl. Kommentar zum Arbeitsschutzrecht von Pieper 2011).

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt ist belastungsreduzierende Mischarbeit kaum noch realisierbar. Sind unterschiedliche Tätigkeiten mit geistigen und körperlichen wechselnden Anforderungen nicht möglich, ist die Belastungsminderung durch eine Kurzpause, die Bildschirmpause, umzusetzen.

  • Bildschirmpause: Die Unterbrechung der Bildschirmarbeit muss regelmäßig am Arbeitstag stattfinden und Belastungswechsel ermöglichen.

    Bei stark vorbestimmten Arbeiten, wie z. B. Daten- und Texterfassung oder im Call Center, sollte die Bildschirmarbeit möglichst auf vier Stunden pro Tag begrenzt und Tätigkeitswechsel eingeplant werden - leider ist das in der Praxis kaum umsetzbar. Klare Regelungen der Bildschirmpause sind dann für solche einseitigen Aufgaben unbedingt notwendig.

    Kurzpausen

    In der Bildschirmarbeitsverordnung sind  "kurzzeitige Erholzeiten" (vgl. BGI 650) also Kurzpausen gemeint. Das sind bezahlte Arbeitsunterbrechungen. Es geht nicht um die im Arbeitszeitrecht geforderten Ruhepausen. Das Recht auf die bezahlte Bildschirmpause haben alle für den Zeitraum, in dem sie bildschirmgebunden arbeiten, z. B. mehr als 2 Stunden am Arbeitstag.  

    Ermüdung und Leistungsfähigkeit

    Intensives Arbeiten, wie es gewöhnlich von Bildschirmarbeitern verlangt wird, macht müde und damit erholungsbedürftig. Körperliche Symptome sind u. a. eine flacher werdende Atmung und ein beschleunigter Puls. Die Konzentration nimmt ab und die Fehlerhäufigkeit zu. Die Leistungskurve bewegt sich nach unten. Kurzpausen sichern effektives Arbeiten, weil sie vorzeitiger Ermüdung entgegen wirken. Mehrere kurze Pausen haben deshalb einen deutlich besseren Erholungseffekt als wenige lange Pausen.
     
    Insbesondere bei hochverdichteten stressigen Tätigkeiten am Bildschirm und für Ältere sind Kurzpausen notwendiger Teil einer gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung. Im Alter steigt der Erholungsbedarf.

    Pausen "lohnen" sich

    Argumente für die Einführung von Kurzpausen

    • Pausen beseitigen Erschöpfungssymptome, die durch die Arbeit verursacht wurden.
    • Sie sorgen dafür, dass sich Ermüdungserscheinungen nicht über den Tagesverlauf anhäufen.
    • Sie sind keine unproduktiven Arbeitsunterbrechungen, sondern sichern und steigern sogar die Leistungsfähigkeit.
    • Sie entlasten die Augen und fördern die Bewegung.
    • Sie wirken der Verdichtung im Arbeitsalltag entgegen.

    "Ohne Ruheinseln im Alltag sind weder gute Leistungen noch Erholung möglich" - so drückt es Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in einer Pressemeldung vom 14.6.2012 aus. Es gehört zu den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen, dass Kurzpausen zum einen die vorangegangene Ermüdung ausgleichen und zum anderen aber auch die Aussicht auf die kommende Pause die Kraft zur Bewältigung der Arbeitsanforderungen stärkt, also anspornend wirkt.

    Anhaltspunkte zur Festlegung von Erholzeiten   

    Arbeitszeit am Bildschirm  Beeinträchtigungen Regenerationszeiten
    4 Stunden

    Sehschärfeminderungen
    Farbsinnstörungen

    15-35 Min
    20 Min

    3 Stunden

    Sehschärfeminderungen
    Farbsinnstörungen
    Physische Ermüdung
    Augenermüdung

    10-15 Min
    15 Min
    15 Min

    2 Stunden

    Akkommodations- und Adaptionsstörungen
    Sehschärfeminderungen
    Farbsinnstörungen  


    15 Min
    15 Min

    1,5 Stunden gesundheitliche Beeinträchtigungen werden von der Mehrheit der Betroffenen angegeben (schwedische Studie)    
    1 Stunde

    Sehschärfeminderungen
    Farbsinnstörungen

    10 Min
    10 Min

    (Quelle: Zusammenstellung aus verschiedenen Forschungsberichten, in: DGB Bundesvorstand, Angestellte und Automation, 1984, Verfasserin: A. Köchling; unterstrichene Angaben statistisch gesichert.) 

    Wenn der Arbeitsablauf zu plötzlichen Wartezeiten beispielsweise durch EDV-Abstürze führt, sind das keine Pausen im Sinne der Bildschirmarbeitsverordnung, da sie nicht vorhersehbar sind. Derartige Pausen werden von den Beschäftigten als Belastung erlebt und tragen deshalb nicht zur Erholung bei.

    Gestaltungsregeln

    Bei der Pausengestaltung für Bildschirmarbeiter sollte Folgendes beachtet werden:  

    • Als Faustregel gilt: Nach 50 Minuten Arbeitszeit am Bildschirm ist eine Arbeitsunterbrechung von fünf bis zehn Minuten sinnvoll.
    • Ein anderes Modell sieht nach jeweils hundert Minuten Arbeitszeit eine Bildschirmerholzeit von 20 Minuten vor.
    • Der Erholungswert mehrerer kurzer Pausen ist größer als der von wenigen langen Pausen.
    • Sie sollten deshalb nicht "angespart" werden, um z. B. den Feierabend vorziehen zu können.
    • Häufigkeit und Dauer der Pausen orientieren sich am Schwierigkeitsgrad der Arbeit. Für Jobs mit starker Bindung an den Bildschirm, wie beispielsweise im Call Center oder bei der Dateneingabe, werden sogar bis zu 15 Minuten pro Stunde empfohlen.
    • Der Regenerationswert von Pausen darf nicht durch andere Arbeiten vermindert werden.
    • Die selbstgewählte Pause hat sich nicht so bewährt, weil sie oft erst dann genommen wird, wenn die Konzentration bereits nachgelassen hat. Es kommt aber darauf an, sich eine Pause zu gönnen ehe man ermüdet. Wer selbstbestimmt arbeitet, sollte lernen auf sich selbst zu achten oder Erinnerungssoftware nutzen.

    Information zur Pausenregelung

    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen Wissen über die Funktion von Pausen und Regeln zur Pausengestaltung, um eigenverantwortlich handeln zu können (Unterweisung).

    Pausen richtig nutzen

    Wer die Kurzpause am Bildschirm verbringt um im Internet zu surfen, nutzt sie wenig sinnvoll. So werden die Augen nicht entlastet. Für Körper und Psyche eignen sich zur Pausengestaltung besser Ausgleichsübungen oder Augenübungen oder andere Maßnahmen zur Entspannung, Bewegung und Stressbewältigung. Die Arbeitsunterbrechung bietet auch Gelegenheit zu Kontakten mit Kollegen/Kolleginnen. Handys sollten dabei ausgeschaltet bleiben.

    Betriebs- und Personalräte sind gefordert

    Wie Pausenregelungen konkret auszugestalten sind, unterliegt der Mitbestimmung der Betriebs- und Personalräte. Die Einhaltung der Bildschirmpausen sollte auch bei der Gefährdungsbeurteilung an Bildschirmarbeitsplätzen berücksichtigt werden.
     

    Der Servicebereich

    Rechtsquellen

    Gesetze und Verordnungen
    • Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
      • § 5 Täglicher Arbeitsablauf
    • Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
      • § 4 Ruhepausen
    • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
      • § 87 (1) Nr. 2 Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen
      • § 87 (1) Nr. 7 Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie Regelungen des Gesundheitschutzes
    • Bundes-Personalvertretungsgesetz (BPersVG)
      • § 75 (3) Nr. 11  Maßnahmen zur Verhütung von Dienst- und Arbeitsunfällen und sonstigen Gesundheitsschädigungen 

    Auslegung und Rechtssprechung
    • Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI):
      Bildschirmarbeitsverordnung - Auslegungshinweise zu den unbestimmten Rechtsbegriffen,  verfügbar als download  (104 kB) 
    • Bildschirmarbeitsverordnung Kurzkommentar (Text und Kommentar)
    • Bundesverwaltungsgericht 8.1.2001, AZ: 6 P 6.00, mitbestimmungspflichtig ist die Regelung von bezahlten Kurzpausen zur Verhütung von Gesundheitsschädigungen nicht nach § 75 (3) Nr. 1 sondern nach Nr. 11 BPersVG, weil Pausen als unbezahlte Ruhepausen entsprechend ArbZG verstanden werden.
    • Bundsarbeitsgericht 2. April 1996, AZ: 1 ABR 47/95, mitbestimmungspflichtig sind bezahlte Kurzpausen nach BildscharbV § 5 auf der Grundlage des § 87 (1) Nr. 7 BetrVG

    Literatur

    Literaturmarker Zum Einlesen:

    Oppolzer, Dr. Alfred:
    Kurzpausen. Nie waren sie so wertvoll wie heute.
    in: Arbeitsrecht im Betrieb 10/2011, Bund-Verlag, www.bund-verlag.de

    Kiper, Manuel:
    Mischarbeit oder Erholungspausen bei Bildschirmarbeit?
    in: Computer und Arbeit 12/2011, Bund-Verlag

    Oppolzer, Alfred:
    Gesundheitsmanagement im Betrieb. Integration und Koordination menschengerechter Gestaltung von Arbeit.
    Hamburg (VSA-Verlag) 2006
    darin das Kapitel Menschengerechte Gestaltung der Arbeit durch Kurzpausen (Erholzeiten) 


    Literaturmarker  Zum Vertiefen

    DGB Index Gute Arbeit (Hrsg.):
    Wie die Beschäftigten die Arbeitsbedingungen beurteilen. Mit dem Themenschwerpunkt: Arbeitszeitgestaltung. Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten, die Verlässlichkeit von Verträgen.
    Ergebnisse der Repräsentativumfrage Gute Arbeit GmbH Berlin 2014

    Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (Hrsg.):
    Kurzpausensysteme im Call Center.
    Call Center Report 18, download unter www.ccall.de

    Literaturmarker weitere Literaturhinweise zu Arbeitszeit und Pausen

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    Letzte Änderung: 7.4.2015

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