Teamarbeit

Autorin: Regine Rundnagel
Übersicht
- Team- bzw. Gruppenarbeit erweitert Handlungs- und Entscheidungsspielräume für Beschäftigte.
- Durch leistungsanregende Gruppeneffekte versprechen sich Unternehmen von Teams die Steigerung der Produktivität.
- In Teams steigt die Arbeitsmotivation durch Zugehörigkeitsgefühle, gegenseitige Anerkennung, Lernen und durch ein Vertrauensklima.
- Steigender Arbeitsdruck birgt die Gefahr von Konflikten und Konkurrenz.
- Ohne klare Regeln kommen unterschiedlichste Charaktere eines Teams nicht zum Ziel.
- 5 bis 8 Personen sind gut arbeitsfähig.
- Bei Teamarbeit benötigen Führungskräfte eine neue Rolle.
Team- oder Gruppenarbeit ist kein neues Arbeitsverfahren, bereits in den sechziger Jahren wurde in großen Industriebetrieben festgestellt, dass mit Hilfe der Gruppenarbeit die Produktivität erheblich verbessert werden kann. Für Fließbandarbeiter/-innen war Gruppenarbeit ein enormer Sprung zu mehr Abwechslung und Kooperation miteinander. Auch im Dienstleistungsbereich sind Teams nicht neu wie z.B. in der Konstruktion oder der Forschung. In Europa arbeiten Umfragen zufolge 60 % der Beschäftigten in Teams, nur die Qualität der Teamarbeit ist oft fraglich.
Definition von Teamarbeit
Teams und Gruppen
Teamarbeit ist Dezentralisierung
Mehr Leistung durch gute Teamarbeit
Teamarbeit ist im Vergleich zu zerstückelten und einzelorientierten Arbeitsformen kreativitätsfördernd und steigert die Gesamtleistung, wenn die Aufgaben gut organisiert sind. Dabei wirken u.a. die gemeinsame Verantwortung, gegenseitige Anregung und Vertrauen motivations- und leistungsfördernd, aber auch der Ansporn durch Konkurrenzgefühle. Direktes Feedback kann zu mehr Qualität des Ergebnisses beitragen. Gute Teams können erfolgreicher sein, als eine hochqualifizierte und hochbezahlte aber streng hierarchisch geführte Abteilung. Voraussetzung ist, dass sich die Gruppe "gefunden" hat und ein Wir-Gefühl vorhanden ist.
Bild 1: Leistungssteigerung im Team. (Zusammenstellung: Regine Rundnagel, TBS Hessen)
Die betrieblichen Erfahrungen mit Gruppenarbeit zeigen, dass der entscheidende Vorteil auf der Partizipation der Beschäftigten beruht. Sie ermöglicht das Mitgestalten der Arbeitsabläufe, das Gefühl, etwas beitragen zu können, Kompetenz zu besitzen und schafft Anerkennung. Auch kann davon ausgegangen werden, dass durch Gruppenarbeit der Führungsstil "humaner" wird, es wird mehr miteinander geredet, der Umgang ist freundlicher, die Beschäftigten sind selbstbewusster.
Die weit verbreitete Ansicht, dass Teamarbeit die Motivation, die Qualität und Leistung steigert, stößt auf Skepsis bei vielen Kritikern. Sie verweisen auf das Problem fehlender individueller Anreize, auf den hohen Abstimmungsaufwand, die diffuse Verantwortung und die sozialen Konflikte. Soziales Faulenzen so Wissenschaftler, kann entstehen, wenn die Einzelleistung in der Gruppe untergeht. Teamarbeit ist im Vergleich zur Einzelleistung am vorteilhaftesten bei komlexen und innovativen Aufgaben.
Erfolgreiche Teamarbeit benötigt ein gutes Klima im Betrieb, Teamziele die zu den Unternehmenszielen passen und Trainings in Teamkompetenz. Die Effektivität dieser Arbeitsform ist am ehesten nachweisbar bei Teams, die eine hohe Selbständigkeit bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben haben und die Abwechslung durch Aufgabenrotation bieten, hier steigen Motivation, Arbeitszufriedenheit und Produktivität im Vergleich zu Arbeitsformen wie automatisierte Fließbandarbeit. Allerdings weisen neuere wissenschaftlichen Untersuchungen der Teamarbeit nicht immer diese positive Effekte nach.
Kontrollierte Autonomie
Teamentwicklung und Teamrollen

Bild 2: Phasenmodell der Teamentwicklung nach Francis/Young
In Teams finden sich durch die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Mitglieder verschiedenen Teamrollen, die unentbehrlich für gute Teamarbeit sind, es ebenso allerdings auch schwer machen, ein "Dream-Team" zu entwickeln. Dazu gehören im positiven Sinne z.B. der kommunikationsstarke Koordinator, der Reibungsverluste abbaut und den Zusammenhalt fördert; der Neuerer, der neue Ideen einbringt; der Spezialist, der Fachwissen liefert; der Macher, der dynamisch Hindernisse überwinden kann oder der disziplinierte Umsetzer der für zuverlässige Ergebnisse sorgt. Schwierig wird Teamarbeit durch die Schmarotzer, die sich auf dem Einsatz anderer ausruhen, die Alpha-Typen, die sich für unentbehrlich halten oder die Dauer-Bedenkenträger, die die Motivation der Gruppe senken.
Teamkompetenz
Teamarbeit erfordert Qualifikationen im Bereich der sozialen und methodischen Kompetenz. Bei mehr "Freiheit" müssen Teammitglieder lernen, sich abzustimmen, gemeinsam zu entscheiden, Verantwortung zu übernehmen. Eine hohe Qualität der Kommunikation ist wichtig, wozu sich das Team Regeln setzen kann. Teams müssen in der Lage sein, Störungen und Konflikte konstruktiv und "niederlagenlos" zu bewältigen. Gute Teamarbeit steigert die persönlichen sozialen Kompetenzen.
Der verantwortungsvolle Umgang mit der eigenen Leistungsfähigkeit ist wichtig, denn die hohe Identifikation in der Gruppe kann dazu führen, dass die persönlichen Leistungsgrenzen nicht wahrgenommen werden. Gesundheitsbewusstsein und Selbstmanagementfähigkeiten gehören zur Teamqualifikation.Teamarbeit und Gesundheit
Handlungsspielraum und Hierarchieabbau durch Teamkonzepte haben positive Effekte hinsichtlich der menschengerechten Arbeitsgestaltung gebracht. Wie sich Teamarbeit auf Gesundheit auswirkt, das hängt entscheidend von der Fähigkeit der gemeinsamen Regulation der Arbeitsanforderungen und der Lösung der Probleme ab. Stress entsteht immer dann, wenn das Team mit Anforderungen konfrontiert ist, das es mit seinen Fähigkeiten und Entscheidungskompetenzen nicht bewältigen kann, z.B. zu wenig Teampersonal oder Budgets zur Erfüllung der gesetzten Zielvorgaben.
Teamarbeit z.B. in Projekten beinhaltet also auch deutliche gesundheitliche Risiken. Bei einer nur auf kurzfristige Produktivitäts- und Gewinnsteigerung ausgerichteten Unternehmenslogik steigt der Druck auf die Teams enorm an. Die Arbeit vieler Teams findet heute direkt an der Schnittstelle Kunden und Markt statt, sie müssen die Schwankungen der Auftragslage selbst ausgleichen. Mit hohen Kostenzielen und Produktivitätsvorgaben und sinkenden personellen und zeitlichen Ressourcen im Projekt wächst die psychische Belastung und der Stress enorm. Die Gruppe "schwitzt" aus, was Führungsebenen nicht entscheiden und steuern. Es kommt zu Macht- und Konkurrenzkonflikten, statt gegenseitige Unterstützung entsteht Missgunst, Mobbing und Schwächere werden ausgegrenzt. Nicht mehr die Vorgesetzten, sondern die Teammitglieder üben Druck untereinander aus. Und mit schlechtem Gewissen, hohen Qualitätsansprüchen und Angst um die berufliche Position setzt sich letztlich jeder selbst unter Druck.
Unter solchen Bedingungen besteht langfristig die Gefahr von Burnout oder manifesten Erkrankungen, die zu langen Ausfallzeiten führen. Die Teamleistung sinkt. Die Einführung von Teamarbeit birgt gesundheitliche Gefährdungen, die folgende Ursachen haben können:
- Überforderung durch nicht ausreichende Qualifikationen
- mangelhafte Kompetenzen zur gemeinsamen Regulierung der Anforderungen
- unausgesprochene oder offene Konflikte, Kommunikationsschwierigkeiten, fehlende Vertrauenskultur, Machtkämpfe, Dominanz von Individualinteressen
- zu hoher Arbeitsdruck und hohe Verantwortung ohne ausreichende Ressourcen und Kompetenz auf Dauer
- Probleme bei der Teamentwicklung
- unklare Aufträge und Hierarchien
- fehlende Partizipation der Teammitglieder bei Planung und Einführung der Teamarbeit
Um im Team gesund zu bleiben müssen also die Rahmenbedingungen stimmen, am wichtigsten ist der Handlungsspielraum. Genauso bedeutsam ist, wie die Teammitglieder zusammenarbeiten. Ein gutes Teamklima ist entscheidend und dazu gehört die gemeinsame Ausrichtung auf die Aufgaben, das regelmäßige gemeinsame Reflektieren der Arbeit (Ziele, Wege, Formen der Zusammenarbeit), die gegenseitige soziale Unterstützung, die Fähigkeit Konflikte zu meistern, die gemeinsame Verantwortungsübernahme für das Ergebnis, die gleichberechtigte Diskussion bei Entscheidungen und der Gruppenzusammenhalt. Es spielen also ebenso die personenbezogenen Fähigkeiten eine Rolle für Gesundheit im Team.
Voraussetzungen für erfolgreiche Teamarbeit
Gute und betrieblich geregelte Rahmenbedingungen von Teamarbeit sind Voraussetzung für ihre Effektivität und für den Schutz der Gesundheit der Teammitglieder. Hierzu gehören die Klärung von:
- Einsatz und Kompetenzen der Teamleitung oder Teamsprechers/Teamsprecherin
- Qualifikationsmaßnahmen für das Team (Teamtraining, Teamentwicklung als Teil einer Organisationsentwicklung , Training sozialer und methodischer Kompetenzen, Teamcoaching)
- Neue Rollen und Aufgaben der Führungskräfte, Qualifikationsmaßnahmen für Vorgesetzte
- verantwortungsbewusste Personalauswahl für das Team und die Teamleitung/Sprecher, ein gewisses Maß an Freiwilligkeit
- Auftrag, Dauer, Einordnung in die Aufbauorganisation des Unternehméns
- Verteilung der Aufgaben und Verantwortungen im Team
- Formen der Konfliktbearbeitung (Coachingangebote)
- Gesichertes Recht auf Gruppensitzungen und Lernzeiten
- Anpassung von Beurteilungs- und Entlohnungssystemen
- feste Arbeitsregeln, Rechte und Pflichten von Teammitgliedern und Teamleitung
- teambezogene Gesundheitsschutzmaßnahmen
Entscheidend ist, dass Teamarbeit von der Führung des Unternehmens gewollt und unterstützt wird. Für erfolgreiche Gruppen- und Teamarbeit reicht es nicht aus, Beschäftigte Gruppen zuzuordnen, sondern es ist ein umfassenderes Managementkonzept erforderlich. Gruppen und Teams brauchen viel Zeit miteinander, um sich abzustimmen und gemeinsame Vereinbarungen zu treffen. Eine Gruppe muss sich entwickeln und zusammenwachsen. Das geht nicht auf Anordnung. Auch auf die "richtige Mischung" von Fähigkeiten der Teammitglieder kommt es an und sie müssen miteinander "können".
Vorausschauende Gefährdungsbeurteilung
Gesundheitsförderung für Teams
Mitbestimmung
Der Servicebereich
Rechtsquellen und Normen
Gesetze und Verordnungen
- Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)
- § 4 Abs. 1 Punkt 4 Allgemeine Grundsätze
- § 5 Beurteilung der Arbeitsbedingunen
- Betriebsverfassungsgesetz
- § 87.1.7 Mitbestimmung Gesundheitsschutz
- § 87.1.13 Mitbestimmung über Grundsätze der Durchführung von Gruppenarbeit
Normen
- DIN EN ISO 9241: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten (neu: ERgonomie der Mensch-Sysem-Interaktion)
- Teil 2: Anforderungen an die Arbeitsaufgabe - Leitsätze
- DIN EN ISO 10075: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung
- Teil 2: Gestaltungsgrundsätze
Literatur
Zum Einlesen und Vertiefen:
Busch, Roscher, Ducki, Kalytta:
Stressmanagement für Teams in Service, Gewerbe und Produktion - ein resosurcenorientiertes Trainingsmanual.
Heidelberg (Springer Verlag) 2009
C. Busch:
Teamarbeit und Gesundheit.
in: Fehlzeitenreport 2009 - Arbeit und Psyche: Belastungen reduzieren - Wohlbefinden fördern.
hg von B. Badura, H. Schröder (Wissenschaftliches Institut der AOK), Heidelberg (Springer Verlag) 2010
Rolf an Dick, Michael A. West:
Teamwork, Teamdiagnose, Teamentwicklung,
Göttingen (Hofgrefe Verlag) 2005
Dieckhoff, Klaus; Hoffmann,Thomas :
Gute Mitarbeiterführung. Psychische Fehlbelastungen vermeiden.
INQA-Bericht 10, hg. von Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA, Dortmund 2005
download: www.inqa.de, www.rkw.de
Bestellung: RKW – Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V., Eschborn
enthält Fragebogen zur Belastungsanalyse der Teamarbeit (Team - FAT)
Inqa Büro und Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Mitarbeiterorientiertes Führen und soziale Unterstützung am Arbeitsplatz,
Grundzüge und Beispiele eines Informations- und Handlungskonzepts,
2. Auflage, Dortmund 2004
download: www.inqa.de
Christine Busch:
Stressmanagement für Teams. Entwicklung und Evaluation eines Trainings im Call Center
Schriften zur Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Bd. 12, Hamburg (Verlag Dr. Kovac) 2004
Freiling, Th.; Martin, H.:
Arbeitschutzgerechte Gestaltung von Gruppenarbeit
hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2001
Freiling, Th.; Martin, H.:
Gruppenarbeit 1 und 2
hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse 120 und 122,Dortmund 2001
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Letzte Änderung: 11.1.2010





