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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Headsets

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht

  • Die Beschäftigten sollten unter verschiedenen Modellen auswählen können.
  • Komfortable hochwertige Produkte mit wenig Gewicht sind zu bevorzugen.
  • Um Druckstellen zu vermeiden, sollten sich die Headsets an die individuelle Form des Ohres anpassen.
  • Damit ausreichend Bewegungsfreiheit für die MitarbeiterInnen besteht, müssen die Kabel lang genug sein.
  • Am besten sind kabellose Modelle.

Headset statt Hörer

Unbequeme Headsets und der starre Blick auf den Monitor begünstigen Zwangshaltungen. Kopf - und Nacken- sowie Augenbeschwerden können auftreten. Deshalb ist auf die Bildschirmqualität und die Auswahl optimaler Headsets besonders zu achten. 

In Call Centern ist der Einsatz von Headsets fast selbstverständlich. Der Markt bietet inzwischen eine breite Palette dieser Hör- und Sprechgarnituren an. 

Headsets verbessern die Sprachverständigung mit Anrufern/Anruferinnen und lassen die Hände frei, um am PC Daten einzugeben oder abzurufen. Damit ist die Zeit vorbei, wo Vieltelefonierer den Hörer zwischen Ohr und Schulter einklemmen mussten, was schmerzhafte Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur auslöste.

Erst mal Probetragen

Ein Headset besteht aus dem Mikrofon und der Hörkapsel. Diese können auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden sein. Über den Tragekomfort entscheidet nicht zuletzt das individuelle Empfinden. Deshalb empfiehlt es sich, verschiedene Modelle längere Zeit auszuprobieren. Dazu sollte eine Auswahl qualitativ hochwertiger Produkte vorhanden sein.

Binaurale Headsets

Ein binaurales Headset verfügt über zwei Hörkapseln, die über einen Kopf-, Nacken- oder Unterkinnbügel miteinander verbunden sind. Durch die beiden Hörkapseln wird der Agent bzw. die Agentin völlig von den Innenraumgeräuschen abgeschirmt. Dies soll die Arbeit erleichtern, aber es kann auch sehr isolierend und damit belastend wirken und die kollegiale Kommunikation beeinträchtigen. Noch perfekter funktioniert die Geräuschunterdrückung bei Hörkapseln, die direkt auf dem Innenohr aufliegen. Dabei ist das Innenohr einem konstanten Druck ausgesetzt, der Kopfschmerzen verursachen kann.

Binaurales Headset

Monoaurales Headset

Bild 1: Binaurales Headset.
(Modell: "Advantage"
Fa. GN Nordkom)
Bild 2: Monoaurales Headset.
(Modell: "encore"
Fa. Plantronics)

Ohr-Adapter

Inzwischen sind auch sogenannte Ohr-Adapter auf dem Markt. Mit Hilfe einer speziellen Masse wird ein individueller Innenohrabdruck bei den Beschäftigten erstellt und daraus ein persönlicher Ohr-Adapter modelliert. Dieser steckt dann auf dem Headset.

Modelle ohne Bügel

headAußerdem gibt es mittlerweile Headsets, die ganz ohne Bügel auskommen. Die Hörmuschel sitzt dabei mit drei Haltepunkten direkt am Ohr. Die Hersteller werben mit dem besonders niedrigen Gewicht dieser Headset-Variante.

Bild 3: Headset ohne Bügel.
(Modell "mirage-Headset"
der Firma plantronics)

Monaurale Modelle

Bei den sogenannten monauralen Headsets hängt das Mikrofon an nur einer Hörkapsel. Dies erleichtert die Kommunikation unter den Beschäftigten, der einzelne fühlt sich weniger abgeschottet, aber es kann auch eine erhöhte Lärmbelästigung eintreten. Monaurale Headsets können auch als Ohrring, Ohrhacken oder -bügel getragen werden. Sie haben ebenfalls ein geringeres Gewicht als die Bügelmodelle.

Arbeitsbedingungen sind entscheidend

Ob monaurale oder binaurale Modelle zum Einsatz kommen, sollte von den akustischen und räumlichen Gegebenheiten, also dem jeweiligen Büroraumkonzept (Zellen- oder Großraumbüro) abhängig gemacht werden.

Trennschalter

Geräte mit einer Schnelltrennkupplung ermöglichen es dem Agenten, während eines Gesprächs seinen Platz zu verlassen, bspw. um zusätzliche Informationen zu beschaffen, ohne das Headset extra absetzen zu müssen.

Schnurlose Headsets

Headset schnurlosDie neuesten Hör-Sprech-Garnituren arbeiten sogar völlig schnurlos und gestatten dem Agenten, sich bis zu 150 m von der Basisstation zu entfernen. Das verschafft den Beschäftigten mehr Bewegungsspielraum und ist aus arbeitsmedizinischer Sicht allemal zu begrüßen. Die neuen Modelle verfügen zudem über einen Lautstärkeregler am Mikrofon und für den Kopfhörer.

Bild 4: Schnurloses Headset.
(Modell "Ellipse"
der Firma Nordkom)
 

Akustik

Damit die Arbeit im Call Center weniger belastungsintensiv ist, spielt neben dem Tragekomfort die akustische Leistung bei Headsets eine entscheidende Rolle. Inzwischen rüsten etliche Anbieter statten ihre Headsets standardmäßig mit abgeschirmten Kabeln aus, die Störfrequenzen von anderen technischen Geräten ausschalten können.

Lautstärkenreglung
Da manche Menschen sehr tief, andere wiederum sehr hoch sprechen und auch entsprechend in der Lautstärke variieren, stellt eine individuelle Lautstärkenregelung zur besseren Sprachverständlichkeit eine Arbeitserleichterung dar.

Geräuschkompensation
Viele der zum Kauf angebotenen Mikrofone verfügen inzwischen über die Funktion "Noise Cancelling" oder "Ultra Noise Cancelling". Diese filtert unerwünschte Hintergrundgeräusche aus, so dass mit normaler Stimmlage Kundengespräche geführt werden können.
Auch das "Sound Clarity System" verbessert die Sprachverständigung durch das Anheben der Sprachfrequenzen beim Kunden.

Aktiver Gehörschutz
Extrem Lautstärkespitzen können zu sogenannten akustischen Schocks führen, z.B. durch das Geräusch von Faxgeräten. Neben dem psychischen Stress, der dabei entsteht, können auch gesundheitliche Folgen wie Tinnitus oder Gehörschäden nicht ausgeschlossen werden. Technisch läßt sich der aktive Schutz des Gehörs als Lautstärkebegrenzung und zusätzlich als laufende Überwachung der gesamten täglichen Lärmdosis realisieren ("Active Guard System"). Damit können die Anforderungen der neuen Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung einhalten werden, sie fordert einen maximalen durchschnittlichen Schalldruckpegel pro Arbeitsschicht von 8 Stunden im Ohr von 85 dB(A) und max 137 dB(A) als kurzzeitige Spitzenwerte.

 

Hygiene

Aus hygienischen Gründen ist jedem Agenten ein eigenes Headset zur Verfügung zu stellen, dessen Mikropads (inklusiv Sprechröhrchen) regelmäßig ausgetauscht werden.

Kaufhinweise

Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Mikrofonarm flexibel verstellt werden kann. Ferner sollte das Gerät das CE-Zeichen tragen und nach der EMV-Norm auf seine elektromagnetische Verträglichkeit hin geprüft sein. Headsets aus atmungsaktivem und antiallergenem Material sind zu bevorzugen.
 

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Geräte- und Produktsicherheitsgesetz
  • Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Lärm und Vibration (LärmVibrationsArbSchV) vom 6.3.2007

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen:
  • Berufsgenossenschaftliche Information BGI 773: Call Center - Hilfen für Planung und Einrichtung. Verwaltungs-Berufsgenossenschaft
    Bestelladresse: C.L. Rautenberg-Druck, Postfach 1280, 25343 Glückstadt
    Fax: 04124/ 915 944, Internet: www.vbg.de

Literatur

 Literaturmarker Zum Einlesen:  

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (Hrsg):
Mit Headsets telefonieren. Funktion - Nutzung - Auswahl,
CCall Spezial, Hamburg o.J. 

CCall Flyer: Auswahlhilfe Headsets
download: www.ccall.de 

Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz (Hrsg.): 
Call Center: Auswahl geeigneter Headsets.
BIA-Report 1/2003, Sankt Augustin 2003
Bestelladresse: Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz (BGIA), 53757 Sankt Augustin,
Tel.: 02241/231 02, Internet: http://www.hvbg.de/bgia.

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Letzte Änderung: 4.1.2008

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Rechtsquellen
  • Geräte- und Produktsicherheitsgesetz

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Praxishilfen im Internet
Literaturtipps
  • CCall Flyer: Auswahlhilfe Headsets
    download: www.ccall.de 


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