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Arbeit im Büro gesund gestalten

Expertenwissen
Mobbing-Prävention

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht  

  • Durch Psychoterror am Arbeitsplatz entstehen den Betrieben erhebliche Kosten.
  • Gegen Mobbing müssen Unternehmen eindeutig Stellung beziehen.
  • Dafür sind Betriebs- und Dienstvereinbarungen ein geeignetes Instrument.
  • Sie können Regeln für ein faires Miteinander beinhalten.
  • Eine gute Arbeitsorganisation, ein freundliches Betriebsklima, die Einführung eines Beschwerdesystems, Aufklärung usw. sind Mittel zur Mobbing-Prävention.

Kosten

Mobbing verursacht in den Betrieben hohe Kosten. Sie entstehen durch

      • Fehlzeiten
      • Fluktuation
      • Arbeitsgerichtsprozesse
      • geringere Arbeitsleistung der Mobbingopfer

Wenn Mobbing das Betriebsklima vergiftet, beeinträchtigt das ebenfalls die Arbeitsmotivation der anderen Beschäftigten und kann sich negativ auf die gesamte Arbeitsproduktivität auswirken.

Schätzungen von Fachleuten gehen davon aus, dass den Unternehmen Kosten in Höhe von 15.000 bis 50.000 Euro pro Jahr und gemobbter Person entstehen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden wird mit schätzungsweise über 20 Milliarden Euro in der Bundesrepublik beziffert. Darin enthalten sind auch die von der Gesellschaft zu tragenden Kosten z.B. für Heilbehandlungen und Rehabilitationskuren sowie jene, die durch Arbeitslosigkeit und Frühverrentungen entstehen.

Bild 1: Mobbing. (Quelle: Die Mitbestimmung, Heft 1/93)
     


Möglichkeiten der Prävention

Damit einzelne Personen erst gar nicht zur Zielscheibe der Stressbewältigung anderer werden, können vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, bspw.

  • durch eine veränderte Arbeitsorganisation Belastungen reduzieren und für größeren Handlungs- und Entscheidungsspielräume sorgen
  • betriebliche Entscheidungsprozesse transparent machen
  • betriebliche Informationspolitik verbessern
  • starre Hierarchien durch flache ersetzen
  • Zuständigkeiten klar regeln
  • Vorgesetzte schulen und zu demokratischem Führungsstil anhalten
  • ein Betriebsklima pflegen, das die gegenseitige Unterstützung wertschätzt und in dem Intrigen als unsozial und unerwünscht gelten
  • Mobbing-Prävention in die Mitarbeiter- und Führungskräfteschulung integrieren
  • Mobbing-Aufklärung mit Plakaten, Faltblättern und Veranstaltungen starten
  • das Betriebsklima auf Betriebsversammlungen thematisieren
  • Umgang mit Konflikten zum Thema von Schulungen machen
  • regelmäßige gemeinsame Besprechungen in der Arbeitsgruppe bzw. Abteilung abhalten
  • eine betriebliche Anlaufstelle für Mobbingbetroffene schaffen
  • betriebliche Veränderungen im Vorfeld kommunizieren und die Beschäftigten daran beteiligen

Konfliktbeauftragter

Dies kann ein unabhängiger betrieblicher Konfliktbeauftragter sein. Er sollte

  • Betroffenen Beratung bieten
  • Gespräche zur Konfliktlösung führen
  • Kontakte zu Selbsthilfegruppen herstellen
  • Anschriften von Unterstützern (Ärzte, Psychologen, Rechtsanwälte usw.) haben

Diese Tätigkeit kann auch ein Mitglied des Betriebsrates übernehmen.

Betriebsvereinbarung

In etlichen Unternehmen und Verwaltungen wie bspw. bei VW oder der Stadt München wurden bereits Dienst- bzw. Betriebsvereinbarungen zur Verbesserung des Betriebsklimas und zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz abgeschlossen. In solchen Betriebsvereinbarungen zur Mobbing-Prävention wird bspw. der Wille bekundet, einen sozialen Umgang miteinander zu pflegen und Konflikte fair zu bearbeiten. Verhaltensweisen, die als unerwünscht gelten, werden genau aufgelistet. Für Verstöße wird ein betriebliches Beschwerdesystem eingeführt. Die Vereinbarungen schreiben ein Konfliktlösungsverfahren fest und sehen Hilfen für Betroffene vor. Dazu kann z. B. die Einrichtung einer Konfliktlösungsstelle und die Berufung eines Konfliktbeauftragten gehören. Mobbern drohen Sanktionen bis hin zu Entlassungen.

Umsetzung wichtig

Mit dem Abschluss einer Betriebsvereinbarung ist das Problem nicht einfach "vom Tisch". Sie schafft aber einen verbindlichen Rahmen, der selbstverständlich mit Leben erfüllt werden muss, bspw. durch Aufklärungsarbeit. Den Beschäftigten signalisiert eine solche Vereinbarung, dass es dem Unternehmen ernst damit ist, für ein gutes Betriebsklima zu sorgen und den einzelnen zu schützen.

Bild 2: Mobbing. (Bildquelle: Die Mitbestimmung, Heft 1/93)

Gewöhnlich fressen Mobbing-Opfer ihren Kummer über Kränkungen in sich hinein. Nach den bisherigen Erfahrungen ermutigen Betriebsvereinbarungen Betroffene dazu, Missstände zu thematisieren und zwar möglichst bevor sich daraus ein Mobbing-Fall entwickeln kann. Konflikte werden dann bereits in einem früheren Stadium aufgegriffen und sensibler nach Lösungen gesucht. Eine Streitkultur kann sich auf diese Weise entwickeln. Das gelingt um so stärker, wenn auch die Unternehmensorganisation verbessert und das Miteinander im Betrieb auf Schulungen thematisiert wird.

    Der Servicebereich

    Rechtsquellen und Normen   

    Gesetze und Verordnungen
    •  Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)
      • § 87.1.1 Mitbestimmung in Fragen der Ordnung und des Verhaltens im Betrieb
      • § 87.1.7 Mitbestimmung in Fragen des Arbeitsschutzes 
    •  Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
      • § 5 Gefährdungsbeurteilung
    •  Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV),
      • § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
    • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz


    Literatur

    Zum Einlesen:

    Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA (Hrsg.):
    Hilfe gegen Mobbing am Arbeitsplatz. So beenden Sie Mobbing jetzt!
    Dortmund 2008, download unter www.inqa.de  Themen Mobbing, bestellen bei info-zentrum@baua.bund.de

    Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
    Wenn aus Kollegen Feinde werden …. Ein Ratgeber zum Umgang mit Mobbing,
    Dortmund 2003, auch als Download unter www.inqa.de oder www.baua.de.
     
    Axel Esser/Martin Wolmerath:
    Mobbing. Der Ratgeber für Betroffene und ihre Interessenvertretung
    Köln (Bund-Verlag, 5. vollst. überarbeitete Aufl.) 2003, Internet: www.bund-verlag.de, Tel.: 069 79501020
     
    IG Metall (Hrsg.):
    Mobbing wirkungsvoll begegnen - ein Ratgeber der IG Metall.
    Arbeitshilfe 16, Frankfurt 2003,
    zu bestellen unter www.igmetall.de/gesundheit
     

    Deutscher Gewerkschaftsbund DGB (Hrsg.):
    Diskriminierung am Arbeitsplatz - aktiv werden für Gleichbehandlung.
    Berlin 2002, siehe download-Area 

     

    Zum Vertiefen

    Glasl, Friedrich:
    Konfliktmanagement.
    Bern/Stuttgart/Wien (Haupt Verlag/Verlag Freies Geistesleben). 8.Aufl. 2004

    Glasl, F.:
    Selbsthilfe in Konflikten.
    Konzepte, Übungen, Praktische Methoden
    Bern/Stuttgart/Wien (Haupt Verlag / Verlag Freies Geistesleben), 2. Aufl. 2004
     

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    Letzte Änderung: 25.11.2004

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    Rechtsquellen
    • Arbeitsschutz-
      gesetz 


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    Literaturtipps
    • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
      Wenn aus Kollegen Feinde werden ….
      Dortmund 2003 


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