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Arbeit im Büro gesund gestalten

Grundwissen
Betriebsklima gestalten

Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Übersicht  
  • Es gibt Handlungsmöglichkeiten, um das Betriebsklima produktiv zu gestalten.
  • Einige Unternehmen regeln bereits in Betriebsvereinbarungen das partnerschaftliche Verhalten am Arbeitsplatz.
  • Durch Mitarbeiterbefragungen lässt sich das Betriebsklima untersuchen.
  • Das soziale Klima sollte regelmäßig im Unternehmen thematisiert werden.

Entspannte soziale Beziehungen tragen ganz wesentlich zum Wohlbefinden im Job bei. Und auf das Betriebsklima kann man Einfluss nehmen.

Handlungsmöglichkeiten

Damit das Betriebsklima stimmt   

Es hat sich mittlerweile herum gesprochen, dass eine stärkere Kooperation der Beschäftigten sowie ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung und der sozialen Unterstützung psychische und soziale Energien freisetzt, die ganz wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen.

Betriebsvereinbarung fordert partnerschaftliches Verhalten

In etlichen Unternehmen wie bspw. bei VW wurden bereits Betriebsvereinbarungen zur Verbesserung des Betriebsklimas und zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz abgeschlossen. Sie dienen auch der Mobbing-Prävention. In solchen Vereinbarungen wird z. B. der Wille bekundet, einen sozialen Umgang miteinander zu pflegen und bei Konflikten einander fair zu begegnen. Verhaltensweisen, die als unerwünscht gelten, werden genau aufgelistet und Konfliktlösungsverfahren fest geschrieben.

Auch für Gefährdungsanalyse relevant   

Nach der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung, müssen auch psychosoziale Belastungen und mithin das Betriebsklima bei der Analyse der Arbeitsbedingungen berücksichtigt werden.

Mitarbeiterbefragung zum Betriebsklima   

Durch eine Mitarbeiterbefragung kann bspw. der Ist-Zustand in einem Unternehmen erfasst werden, um darauf aufbauend Veränderungsprozesse einzuleiten. Dabei lässt sich feststellen, welche einzelnen Merkmale - verglichen mit anderen Betrieben - hoch und welche niedrig ausgeprägt sind. Beispielsweise könnte ein Resultat sein, dass eine starke Reglementierung und geringe Autonomie bei der Arbeit mit geringer gegenseitiger Unterstützung einher geht. Dies könnte den Betrieb dazu veranlassen, Handlungsspielräume zu erweitern, Vorschriften abzubauen,  Fortbildungsseminare einzurichten, die die Zusammenarbeit verbessern helfen usw. 

Solche Befragungen zum Betriebsklima sind meist auf sieben Aspekte konzentriert:

       1. Gesamtbild des Betriebes
       2. Beziehungen der Kollegen
       3. Beziehungen zu Vorgesetzten
       4. Organisationsstruktur
       5. Mitsprache und Information
       6. Interessenvertretung
       7. betriebliche Leistungen

Eine Betriebsklima-Untersuchung sollte unter Einbeziehung des Managements, der Interessenvertretung, des Betriebsarztes und externer Berater/-innen durchgeführt werden.

Regeln für einen sozialen Umgang schaffen

Es kann sinnvoll sein, in einem Unternehmen Regeln für ein faires Miteinander aufzustellen. Sie können darauf verweisen, dass Kollegialität und gegenseitige Unterstützung sehr geschätzt werden und Ellenbogenmentalität und Feindseligkeiten als unerwünscht gelten.

Was zu einem guten Betriebsklima beiträgt
  •  Das Betriebsklima auf Betriebsversammlungen und Besprechungen in der Arbeitsgruppe bzw. Abteilung regelmäßig thematisieren
  •  Den Umgang mit Konflikten zum Gegenstand von Schulungen machen
  •  Verfahren zur besseren Konfliktbewältigung, wie z. B. Mediation und Supervision, einführen
  •  Führungskräfte schulen und zu demokratischem Führungsstil anhalten
  •  Arbeitsbelastungen reduzieren
  •  Handlungs- und Entscheidungsspielräume erweitern
  •  Kommunikation und Information verbessern
  •  Zuständigkeiten klar regeln

Der Servicebereich

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
  • Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)
    • § 4 Allgemeine Grundsätze
  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)  
    • § 75 (1) u. (2)  Grundsätze für die Behandlung der Betriebsangehörigen
    • § 80 Allgemeine Aufgaben
    • § 84 Beschwerderecht der Arbeitnehmer
    • § 87 (1) Mitbestimmung in Fragen der Ordnung und des Verhaltens im Betrieb
    • § 104  Entfernung betriebsstörender Arbeitnehmer
  •  Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
    •  § 3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Literatur   

Zum Einlesen:

Wertschätzung. So beurteilen die Beschäftigten in den Dienstleistungs-Branchen die soziale Kompetenz ihrer Vorgesetzten.
hg. von ver.di, Bereich Gute Arbeit und Innovation, Berlin 2014, www.verdi-gute-arbeit.de, verfügbar als download ( 2,4 MB)  

Glasl, F.:
Selbsthilfe in Konflikten.
Konzepte, Übungen, Praktische Methoden
Bern/Stuttgart/Wien (Haupt Verlag / Verlag Freies Geistesleben), 2. Aufl. 2004

Meier, Rolf:
Arbeitsheft Gesprächstechniken. Fünf Schritte zu einer guten Gesprächsführung,
(Gabal Verlag) 2003

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (Hrsg.):
Handreichung für ein partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz,
Darmstadt November 2000, Bestelladresse: Paulusplatz 1, 64285 Darmstadt, Tel.: 06151/405 0, Internet: http://www.ekhn.de/

Zum Vertiefen: 

Klaus Kock/Edelgard Kutzner:
Das ist ein Geben und Nehmen. Eine empirische Untersuchung über Betriebsklima, Reziprozität und gute Arbeit. 
Berlin (edition Sigma) 2014  

Bundesverband der Unfallkassen:
Betriebsklima - aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
Kurzinformation über Forschungsergebnisse zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im öffentlichen Dienst,
Forschung für die Praxis 01/2006, download www.unfallkassen.de

Dieckhoff, Klaus; Hoffmann,Thomas :
Gute Mitarbeiterführung. Psychische Fehlbelastungen vermeiden.
INQA-Bericht 10, hg. von  Initiative  Neue Qualität der Arbeit INQA, Dortmund 2005
download: www.inqa.de, www.rkw.de
Bestellung: RKW – Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V., Eschborn
enthält Fragebogen zur Belastungsanalyse der Teamarbeit (Team - FAT)  

Inqa Büro und Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Mitarbeiterorientiertes Führen und soziale Unterstützung am Arbeitsplatz. Grundzüge und Beispiele eines Informations- und Handlungskonzepts,
Dortmund, 2. Auflage  2004, download: www.inqa.de 

Glasl, Friedrich:
Konfliktmanagement.
Bern/Stuttgart/Wien (Haupt Verlag/Verlag Freies Geistesleben). 8.Aufl. 2004

Uta-Maria Hangebrauck, Klaus Kock, Edelgard Kutzner, Gabriele Muesmann:
Handbuch Betriebsklima.
München und Mering (Rainer Hampp Verlag) 2003

Prof. Dr. L. Rosenstiehl, R. Bögel:
Betriebsklima geht jeden an!
hg. v. Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien, Frauen und Gesundheit, 4. Auflage, München 1992, (mit Fragebogen), bestellen online bzw.  download www.arbeitsministerium.bayern.de/arbeit/wissreihe.htm#betrklim  

Prof. Dr. O. Neuberger:
Miteinander arbeiten - miteinander reden! Vom Gespräch in unserer Arbeitswelt.
hg. v. Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien, Frauen und Gesundheit, 15. Auflage, München 1996, (Grundlagen der Kommunikation), bestellen online bzw.  download www.arbeitsministerium.bayern.de/arbeit/wissreihe.htm#betrklim 
 
 Bücher und Broschüren zu Arbeitsorganisation und Managementkonzepten

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Letzte Änderung: 20.04.2006

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Rechtsquellen
  • Arbeitschutz-
    gesetz
  • Allgemeines Gleichbehandlungs-
    gesetz
     


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Gute Praxis
  • Bericht von der Klimakonferenz im Westfälischen Klinikum Dortmund-Aplerbeck,  
    ver.di 2004
     , verfügbar in Download-Area 
Literaturtipps
  • Glasl, F.: Selbsthilfe in Konflikten. Konzepte, Übungen, Praktische Methoden, 2004


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