Betriebsklima

Autorin: Ulla Wittig-Goetz
Übersicht
- Für die Zufriedenheit der Mitarbeiter/-innen spielt ein gutes Betriebsklima eine wesentliche Rolle.
- Deutlich mehr als jeder zweite Beschäftigte meint, dass das Betriebsklima besser sein könnte.
- Während kooperative Arbeitsformen in den Unternehmen immer unverzichtbarer werden, drohen Personalabbau, Leistungsverdichtung usw. das soziale Klima vielerorts zu vergiften.
- Ein unangenehmes Betriebsklima belastet die Psyche und kann krank machen.
- Eine Atmosphäre der Kollegialität und des sozialen Umgangs miteinander hilft dagegen, in den Betrieben auch Kosten zu sparen.
Das Betriebsklima hat sich in vielen Unternehmen deutlich verschlechtert. Humanitäre und wirtschaftliche Gründe sprechen dafür, Unternehmenskulturen zu fördern, in denen die Menschen einander wieder mit Wertschätzung begegnen. Das trägt auch zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bei.
Wie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Betrieb wahrnehmen
Unter Betriebsklima versteht man das subjektive Erleben und Beurteilen eines Betriebes durch die Beschäftigten. Die Wandlungsprozesse in den Unternehmen und in der Gesellschaft schlagen sich im Betriebsklima nieder. Sie haben neue innerbetriebliche Strukturen ebenso zur Folge wie veränderte Bedürfnisse und Wahrnehmungen der Mitarbeiter/-innen. Dem Betriebsklima wird ein wesentlicher Einfluss auf das Wohlbefinden der Beschäftigten zugeschrieben.
Soziale Dimension gewinnt an Gewicht
Das moderne Arbeitsleben wandelt sich in immer schnellerem Tempo. Zunehmend sind die Tätigkeitsinhalte auf Informations- und Kommunikationsprozesse ausgerichtet. Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den Menschen und damit auch das soziale Geschehen gewinnen objektiv an Bedeutung in der Arbeitswelt. Auch Gruppenarbeitskonzepte und Teamarbeit haben deshalb Konjunktur.
Arbeitszufriedenheit sowie Kooperations- und Konfliktfähigkeit der Mitarbeiter/-innen können entscheidend die Produktivität eines Unternehmens und die Qualität der Produkte und Dienstleistungen beeinflussen. Ein passables Betriebsklima stellt dafür die Voraussetzung dar.
Konkurrenz- und Leistungsdruck erschweren das Miteinander
In den letzten Jahren haben allerdings viele Unternehmen drastische Maßnahmen zur Kosteneinsparung und Leistungsintensivierung ergriffen, die nicht ohne Wirkung auf die sozialen Beziehungen geblieben sind: Personalabbau und der zunehmende Konkurrenz- und Leistungsdruck sowie die anhaltende Angst vieler Menschen um den eigenen Job überschatten den Umgang miteinander am Arbeitsplatz. Mehr denn je gilt gnadenloses Konkurrenzverhalten ("Du musst ein Schwein sein") als Ausdruck eines positiven Leistungswillen. Stark hierarchische und häufig wenig transparente Unternehmensstrukturen, eine unzureichende Informationspolitik nach innen sowie mangelhafte Führungsqualitäten von Vorgesetzten begünstigen ebenfalls ein soziales Klima, wo Neid und Intrigen bis hin zu Mobbing gedeihen. Mit dem Vordringen befristeter und geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse besteht nicht nur die Gefahr, dass Betriebe ihre Bedeutung als festes Sozialgefüge verlieren, sondern auf den einzelnen kommen auch Unsicherheiten und Belastungen zu, die in ihren Konsequenzen noch gar nicht recht absehbar sind.

Bild 1: Druck auf Beschäftigte. (Quelle: Die Mitbestimmung, Heft 1/93)
Psychische Belastungen durch das Betriebsklima
Das Betriebsklima ist häufig nicht nur getrübt durch das Verhältnis zu den Vorgesetzten, sondern auch die Beziehungen der Kollegen/-innen untereinander.
| Merkmal | negative Ausprägung |
| Führungsverhalten: | häufige Konflikte zwischen Vorgesetzten und MitarbeiterInnen, z.B. durch fehlende Einbeziehung der Mitarbeiter, widersprüchliche Arbeitsanweisungen, mangelhafte Informationen, fehlende Transparenz von Entscheidungsprozessen oder unzureichende Kompetenz von Vorgesetzten |
| Gruppenverhalten: | häufige Konflikte zwischen den MitarbeiterInnen, z. B. über die Arbeitsteilung, die Kompetenzbereiche oder über die geleistete Arbeitsqualität und Menge |
| Mitsprache der Beschäftigten: | die Vorschläge und Ideen der Beschäftigten werden nicht beachtet, z.B. zur Gestaltung der Arbeitsbedingungen |
Quelle: überarbeitet nach Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.): Ratgeber zur Ermittlung gefährdungsbezogener Arbeitsschutzmaßnahmen im Betrieb, Dortmund, Berlin 1998.
Beim Betriebsklima zeigt das Stimmungsbarometer nach unten
Eine repräsentative Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts (WidO) der AOK unter über 20.000 Beschäftigten ergab, dass über die Hälfte der Befragten (51,1 Prozent) das Betriebsklima für verbesserungswürdig und weitere 12,4 Prozent für schlecht hielten. Nur 36,5 Prozent fanden es gut (Quelle: WidO: Materialienband “Gesundheit am Arbeitsplatz”, Bonn 2001)
Beschwerdebild
Wenn Beschäftigte unter dem Betriebsklima leiden, können bei Ihnen vermehrt Stress-Symptome wie Nervosität, Konzentrationsstörungen, Herzkreislauf-Beschwerden usw. auftreten. Dabei besteht die Gefahr, dass sich Befindlichkeitsstörungen zu manifesten Erkrankungen entwickeln.
Eine von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Studie kritisiert: "Unternehmer und Führungskräfte verkennen immer noch die Tatsache, dass Krankmeldungen durch ein schlechtes Betriebsklima, autoritäre Führungs- und Organisationsstrukturen oder demotivierende Arbeitsbedingungen verursacht werden können." (Quelle: Bernhard Bandura u.a.: Partnerschaftliche Unternehmenskultur und betriebliche Gesundheitspolitik, Gütersloh 1997)
Ein unangenehmes Betriebsklima kann die Kosten für das Unternehmen erhöhen - bspw. durch
- geringere Arbeitsproduktivität
- schlechtere Leistungsqualität
- höhere Fehlzeiten
- höhere Fluktuation
Der Servicebereich
Rechtsquellen und Normen
Gesetze und Verordnungen
- Arbeitsschutzgesetz (ArbschG)
- § 4 Allgemeine Grundsätze
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen
- GUV-Information der Unfallkassen GUV-I 8628: Psychische Belastungen am Arbeits- und Ausbildungsplatz - ein Handbuch. Phänomene, Ursachen, Prävention, Bundesverband der Unfallkassen, München 2005 (beinhaltet auch Informationen zu Abeitszufriedenheit und Mobbing)
- Berufsgenossenschaftliche Information BGI 597-23: Wohl fühlen am Arbeitsplatz. Arbeit und Gesundheit Basics 23, Minibroschüre, hg. v. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin
Literatur
Lust auf Arbeit. Was muss ich tun, was müssen andere für mich tun und was müssen ich und die anderen gemeinsam tun, damit Arbeit Spaß macht.
hg. v. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 3. Auflage Dortmund 2004
Bundesverband der Unfallkassen:
Betriebsklima - aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
Kurzinformation über Forschungsergebnisse zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im öffentlichen Dienst,
Forschung für die Praxis 01/2006, download www.unfallkassen.de
Dr. Margrit Kölbach/Prof. Dr. Dieter Zapf:
Psychische Belastungen in der Arbeitswelt - von Stress, Mobbing, Angst und Burnout.
hg. v. TBS gGmbH Rheinland-Pfalz
Mainz 2008, bestellen bei www.tbs-rheinlandpfalz.de unter Publikationen
Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA - Befragung:
Was ist gute Arbeit? - Anforderungen aus der Sicht von Erwerbstätigen. Ergebnisse aus dem Themenfeld Motivation, Zufriedenheit, Identifikation mit der Arbeit und Anerkennung durch die Arbeit.
Kurzinformationen und Endbericht. download www.inqa.de
Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben: Erkennen - Gestalten.
hg. v. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund, Berlin 3. Auflage 2006
Handbuch Betriebsklima
München und Mering (Rainer Hampp Verlag) 2003
Klaus Kock, Edelgard Kutzner:
Betriebsklima. Überlegungen zur Gestaltbarkeit eines unberechenbaren Phänomens
Beträge aus der Forschung 148, Landesinstitut Sozialforschungsstelle Dortmund sfs , Dortmund 2006, download unter www.werkstadt-dortmund.de/werkstadt/betriebsklima/doc/sfs-Beitr-148.pdf
Prof. Dr. L. Rosenstiehl, R. Bögel:
Betriebsklima geht jeden an!
hg. v. Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien, Frauen und Gesundheit, 4. Auflage, München 1992, (mit Fragebogen), bestellen online bzw. download www.arbeitsministerium.bayern.de/arbeit/wissreihe.htm#betrklim
Retention und Fluktuation: Mitarbeiterbindung - Mitarbeiterverlust
hg. v. UNI - Union Network International - Internationaler Verbund der Fach- und Dienstleistungsgewerkschaften, Nyon 2006, bestellen bei: UNI, Av. Reverdil 8-10, CH-1260 Nyon 2, Tel: 3652100, Fax: 3652121, E-Mail: contact@union-network.org, www.union-network.org
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Letzte Änderung: 20.04.2004



