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Arbeit im Büro gesund gestalten

Neue Version der DIN-Norm zur Gestaltung von Graphical User Interfaces

Autor: Wolfgang Schneider

Ab September 2008 ist eine neue geänderte Fassung der bekannten Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110 – Grundsätze der Dialoggestaltung erhältlich. Diese Norm hat einen erweiterten Geltungsbereich und ist für eine Vielzahl an Benutzungsschnittstellen einsetzbar.

Die Norm dient zur Gestaltung und Bewertung graphischer Benutzungsschnittstellen (Graphical User Interfaces), hatte vorher die Nummer 9241-10 und war seit Mai 1996 gültig. Vor zwei Jahren wurde sie jedoch grundlegend überarbeitet. Die Norm steht nun in einer korrigierten Fassung zur Verfügung [1][2].

Aufgrund eines Beschlusses des zuständigen Gremiums der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO) erhielt die Norm einen erweiterten Gültigkeitsbereich. Die Norm ist nun für eine Vielzahl unterschiedlichster GUIs einsetzbar. Sie gilt nicht mehr nur für Benutzungsschnittstellen typischer Büroarbeitsplatz-Software, sondern auch für User Interfaces im privaten bzw. öffentlichen Bereich, so z. B. Fahrkartenautomaten. Diese Änderungen sollten nicht nur für Software-Hersteller und Arbeitgeber interessant sein, die diese Norm bereits wegen der Bildschirmarbeitsverordnung [3] verwendet haben.

Was enthält die Norm?

Die Norm enthält die bekannten sieben Grundsätze Aufgabenangemessenheit, Selbstbeschreibungsfähigkeit, Erwartungskonformität, Lernförderlichkeit, Steuerbarkeit, Fehlertoleranz, und Individualisierbarkeit, an denen sich nichts Wesentliches geändert hat. Neu ist jedoch folgendes:

  • 57 Empfehlungen wurden an die aktuellen Entwicklungen graphischer Oberflächen angepasst
  • zu jeder Empfehlung wurden neue und aktuellere Beispiele hinzugefügt, die die Empfehlungen besser veranschaulichen
  • Umsetzungshinweise zum Analysieren des Nutzungskontextes (Context-of-Use), zum Generieren von Anforderungen und zum Erstellen von Designlösungen wurden eingefügt
  • eine ergonomische Evaluation einer Bedienungssituation wird beispielhaft anhand eines Fahrkartenautomaten erläutert.

Welche Relevanz hat die neue Norm im Zusammenhang mit der Bildschirmarbeitsverordnung?

Auch wenn das Wissen darüber nicht so recht verbreitet zu sein scheint, besteht die Möglichkeit, auf der Basis der Bildschirmarbeitsverordnung und der Norm Forderungen geltend zu machen. Die Verordnung fordert unverändert, dass bei "Entwicklung, Auswahl, Erwerb und Änderung von Software sowie bei der Gestaltung der Tätigkeit an Bildschirmgeräten" der Arbeitgeber ergonomische Grundsätze zu beachten hat. Die Norm benennt diese Grundsätze und konkretisiert sie in Form von 57 Empfehlungen.

Während die Verordnung noch ausschließlich für den typischen Büroarbeitsplatz gültig ist, so hat man in der Norm einerseits den veränderten Arbeitsgewohnheiten z. B. unterwegs mit Software-Anwendungen für Personal Digital Assistants (PDAs) oder Handys, andererseits auch der notwendigen ergonomischen Gestaltung von Software im privaten und öffentlichen Bereich Rechnung getragen. Hier sind es vor allem die Möglichkeiten des Internets und die zunehmende Häufigkeit von User Interfaces z. B. in Form von Selbstbedienungskassen oder  waagen in Supermärkten oder bei Fahrscheinautomaten. Auch die Bedienung von Navigationsgeräten kann mit Hilfe der Norm ergonomischer gemacht werden.

Insgesamt sollte sich der Software-Hersteller verpflichtet fühlen nachzuweisen, dass er alles für eine ergonomische Bedienung getan hat [4]. Fehler und Versäumnisse können mit Hilfe von externen Usability-Tests und der Norm jederzeit nachgewiesen werden.

Veröffentlichungshinweis:

In einem Kommentar [2] wird die Norm DIN EN ISO 9241-110 vollständig aufgeführt und erläutert. Die Empfehlungen der Norm werden für Entwickler zusammengefasst und grafischen Gestaltungskategorien (für das GUI-Design) zugeordnet.

Fußnoten:

[1] DIN EN ISO 9241-110 – Grundsätze der Dialoggestaltung ist beim beim Beuth-Verlag, Berlin erhältlich (www.beuth-verlag.de)

[2] Schneider, W. Ergonomische Gestaltung von Benutzungsschnittstellen - Kommentar zur Grundsatznorm DIN EN ISO 9241-110 (2008). 2., vollständig überarbeitete Auflage (ab Oktober beim Beuth-Verlag erhältlich).

[3] Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten zur Umsetzung der EG-Richtlinie auf der Basis des Arbeitsschutzgesetzes, 1996.

[4] Projektleitfaden Software-Ergonomie, 2003 (Informationen zur Umsetzung von Ergonomie anhand der Norm DIN EN ISO 13407 - Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme, 1999.), Herausgeber: Hessen-Agentur (siehe auch www.ergonomie-leitfaden.de)

Kontakt:
info@schneider-ergonomie.de

Letzte Änderung: 25.9.2008

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