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Arbeit im Büro gesund gestalten

Immer mehr Arbeitszeitkonten

Kurzfristige Flexibilität attraktiver als langfristiges Ansparen von Zeit

In dem Kurzbericht wird mit Daten des IAB-Betriebspanels zunächst untersucht, wie sich die Verbreitung von Arbeitszeitkonten nach Betriebsgröße und Branchen entwickelt hat. Nach einer differenzierten Betrachtung der Ausgleichszeiträume erklären die Autor/innen im Fazit, warum Betriebe Langzeitkonten weiterhin selten nutzen. 

Das Fazit aus dem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): »Die Analysen zeigen, dass Arbeitszeitkonten sich weiter verbreiten. Diese erlauben es den Betrieben, den Arbeitseinsatz an kurzfristige Schwankungen der Auftragslage anzupassen. Beschäftigte wiederum können die Spielräume, die ihnen diese Kontensysteme hinsichtlich der Lage der Arbeitszeit bieten, nutzen, um die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu verbessern. Die Entwicklung von Langzeitkonten stagniert dagegen auf niedrigem Niveau. Zwar sollte mit der Einführung des Flexi-II-Gesetzes 2009 der Weg in eine lebenslauforientierte Arbeitszeitgestaltung weiter erleichtert werden. Insgesamt ist die erhoffte Zunahme entsprechender betrieblicher Vereinbarungen allerdings nicht erfolgt, wie man in den Daten des IAB-Betriebspanels sieht. Die gesetzlichen Regelungen werden als zu kompliziert empfunden und sind offensichtlich nicht ausreichend attraktiv für Arbeitgeber, die letztlich über die Einführung solcher Konten entscheiden (Seifert/Kümmerling/Riedmann 2013). Aus Arbeitnehmersicht könnten Langzeitkonten einen Beitrag zu einer zeitlich flexiblen Gestaltung des Arbeitslebens leisten. Allerdings müssen jegliche Guthaben, die irgendwann in Anspruch genommen werden sollen, erst einmal angespart werden. Ein grundsätzliches Problem dabei ist, dass sich der Nutzen von Langzeitkonten erst langfristig einstellt, während die Kosten in Form von nicht in Anspruch genommener Freizeit oder nicht zur Verfügung stehender Einkommensbestandteile unmittelbar anfallen (Wotschack 2012). Dadurch stehen diese Möglichkeiten verschiedenen Beschäftigtengruppen auch in unterschiedlichem Ausmaß zur Verfügung – abhängig von der beruflichen Stellung, dem Geschlecht und dem familiären Kontext. Die zeitlichen und finanziellen Spielräume (oder Zwänge) weiter Teile der Belegschaften dürften es vermutlich erschweren, größere Guthaben mit einem sehr weiten Zeithorizont auf die hohe Kante zu legen. Hinzu kommen nach wie vor nicht vollständig gelöste Probleme, die etwa bei einem Wechsel des Arbeitgebers auftreten können. Zudem treten Langzeitkonten in Konkurrenz zur Kurzzeitflexibilität der Beschäftigten – und natürlich auch der Betriebe. Konsequentes Ansparen für eine längerfristige Verwendung geht zulasten von Zeitoptionen im Alltag. Auf dem Langzeitkonto abgelegte Mehrarbeitsstunden stehen nicht für einen kurzfristigen Freizeitausgleich zur Verfügung – sei es für Besorgungen, familiäre Verpflichtungen und Unternehmungen oder andere Interessen. Auch für Betriebe würde der Ausbau von solchen Zeitwertkonten die Reagibilität in auftragsschwachen Perioden deutlich einschränken, wenn die Beschäftigten ann den Großteil ihrer Zeitguthaben auf dem Langzeitkonto liegen hätten, die gerade für diesen Zweck nicht verwendet werden dürfen. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es sich bei Arbeitszeitkonten um ein  wichtiges Instrument hin zu mehr Flexibilität für beide Seiten – also für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber – handelt. In Zeiten steigender Unsicherheit und einer sich wandelnden Arbeitswelt dürfte der Stellenwert von Arbeitszeitflexibilisierung noch weiter steigen.«

Der Kurzbericht des IAB kann kostenlos heruntergeladen werden.

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