ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

ver.di-Factsheet zu Arbeitszeiten im Dienstleistungssektor

Überstunden und Zeitdruck

ver.di untersuchte das Wechselverhältnis von Arbeitszeit und Arbeitsintensität für den Dienstleistungssektor sowie für fünf einzelne Branchen. Zentrale Ergebnisse werden im Factsheet vorgestellt. Darüber hinaus werden auch die Ergebnisse der Branchenuntersuchungen kurz und knapp dargestellt. Ausführlich können die Ergebnisse – inklusive gewerkschaftlicher Positionen und Good Practise Beispiele – in der Studie "Arbeitszeit und Belastung" nachgelesen werden.

Ergebnis: 55 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor fühlen sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt und stehen unter Zeitdruck. Immer mehr Beschäftigte können ihre Aufgaben nicht mehr in der vereinbarten Arbeitszeit erfüllen oder müssen Qualitätsabstriche in Kauf nehmen. Das belastet sie und das führt zu Mehrarbeit. Circa vier Überstunden pro Woche machen Vollzeitbeschäftigte im Dienstleistungssektor. Insgesamt wurden 2016 knapp zwei Milliarden Überstunden in Deutschland geleistet, eine Milliarde davon unbezahlt. Knapp 40 Prozent der Dienstleistungsbeschäftigten kommen auf faktische Wochenarbeitszeiten von über 43 Stunden, 18,6 Prozent sogar auf über 48 Wochenstunden und damit in die Grauzone des Arbeitszeitgesetzes. Die Länge der Wochenarbeitszeit wirkt sich nachweislich auf die physische und psychische Gesundheit aus. Ebenfalls negativ wirken der Verzicht auf  Erholungspausen, Erreichbarkeitsanforderungen außerhalb der regulären Arbeitszeiten oder unbezahlte Arbeit.

Weitere Ergebnisse können im Factsheet nachgelesen werden.

Untersucht wurden neben dem Dienstleistungssektor insgesamt auch die Arbeitsbedingungen in fünf Branchen. Zentrale Ergebnisse sind:
Entgrenzte Arbeitszeiten prägen den Berufsalltag der IKT-Beschäftigten. Besonders betroffen sind Beschäftigte mit so genannter Vertrauensarbeitszeit, ohne Arbeitszeiterfassung: faktische Wochenarbeitszeiten über 48 Stunden, ständige Erreichbarkeitsanforderungen und unbezahlte Arbeit sind für über ein Drittel dieser Beschäftigten Realität.
Arbeitshetze ist für über 90 Prozent des Krankenhauspflegepersonals Realität. Die Ursache liegt vor allem in zu knapper Personalbemessung. Die negativen Auswirkungen bekommen nicht nur die Beschäftigten zu spüren: Nur ein Viertel geht davon aus, bis zum Renteneintritt so weiterarbeiten zu können, Dreiviertel berichten von negativen Wirkungen auf die psychische Gesundheit. Auch die Patientinnen und Patienten sind betroffen, da die  Arbeitsverdichtung zu Qualitätsabstrichen führt.
Über die Hälfte aller Bankbeschäftigten berichtet von Arbeitsverdichtung und Arbeitshetze bzw. Zeitdruck. Die Ursachen hierfür liegen in knapper Personalbemessung, gleichzeitig zu bearbeitenden Aufgaben und knappen Termin- bzw. Zeitvorgaben. Hohe Freiheitsgrade in der Gestaltung von Arbeit und Arbeitszeiten treffen im Bereich der Öffentlichen Verwaltungen auf eine zunehmende Arbeitsverdichtung und Arbeitshetze bzw. Zeitdruck. Betroffen ist damit ein Sektor, in dem über Zweidrittel der Beschäftigten häufig im Kontakt mit Menschen, hier mit Bürgerinnen und Bürgern, arbeitet.
Über die Hälfte der Beschäftigten im Einzelhandel berichten von Arbeitshetze und Zeitdruck – Hauptursache hierfür ist eine zu knappe Personalbemessung. Die Situation schlägt auf die psychische Gesundheit: Fast die Hälfte fühlt sich am Ende eines Arbeitstags körperlich oder emotional erschöpft. Geprägt ist der Arbeitsalltag zudem vom direkten Kontakt mit Menschen bzw. Kundinnen und Kunden. Das beinhaltet emotionale Beanspruchungen, z.B. die eigenen Gefühle verbergen zu müssen.

Logo Ergo Online
© 2016 Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung (BTQ Kassel)

ergo-online®
powered by
BW | BTQ
mehr