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DAK-Gesundheitsreport: Rückenschmerzen nehmen rasant zu

Ziel: Mehr Bewegung im Job

Rätsel Rücken: Trotz Prävention und zahlreicher Gesundheitskurse leiden in Deutschland Millionen Menschen unter teils heftigen Rückenschmerzen, heißt es in der Pressemitteilung der DAK. Immer mehr Patienten gehen mit ihren Beschwerden direkt ins Krankenhaus. Seit dem Jahr 2007 stieg die Zahl der stationären Behandlungen um 80 Prozent und erreichte 2016 einen Höchststand. Fast die Hälfte der Betroffenen ließ sich als Notfall aufnehmen. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsreport „Rätsel Rücken“ der DAK-Gesundheit. Die Krankenkasse wertete dafür unter anderem Daten von 2,5 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus, befragte 5.200 Frauen und Männer zum Thema und verglich die Ergebnisse mit den Vorjahren. Nach der Umfrage hatten 75 Prozent aller Berufstätigen im vergangenen Jahr mindestens einmal Rückenschmerzen. Jeder Vierte hat aktuell Beschwerden.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2018 leidet jeder siebte Arbeitnehmer (14,4 Prozent) bereits drei Monate oder länger unter Rückenschmerzen. Während in der Umfrage 2003 noch 55 Prozent der Berufstätigen angaben, mindestens einmal im Jahr Beschwerden zu haben, sind es jetzt mit 75 Prozent deutlich mehr. Die Problematik spiegelt sich auch in der stationären Behandlung wider. Deutschlandweit wurde im Jahr 2016 mit mehr als 220.000 Krankenhausfällen wegen Rückenschmerzen ein neuer Höchststand erreicht. Dies bedeutet einen Anstieg um 80 Prozent in den vergangenen  neun Jahren. Der DAK-Report untersucht erstmals detailliert, wie und wann Rückenschmerzpatienten in die Klinik kommen. Fazit: 46 Prozent der Betroffenen werden als Notfälle aufgenommen. Seit 2010 stieg die Zahl der Notfallaufnahmen von Rückenschmerzpatienten etwa doppelt so stark an wie bei geplant stationär aufgenommenen Patienten. Im Vergleich zum Jahr 2010 wurden 2016 insgesamt 30.000 Notfallaufnahmen mehr registriert.

Werktags zwischen acht und elf Uhr erhöhte sich die Anzahl der Notfallaufnahmen wegen Rückenschmerzen um mehr als zwei Drittel, obwohl zu diesen Zeiten auch die Praxen der niedergelassenen Ärzte üblicherweise geöffnet sind. Um den Erwartungen der Betroffenen an die Versorgung möglichst gerecht zu werden und gleichzeitig die Notfallambulanzen der Kliniken zu entlasten, sieht der Vorstandschef der DAK-Gesundheit Portalpraxen, wie in Schleswig-Holstein, medizinische Versorgungszentren, teilstationäre Versorgungsangebote und einen verbesserten Terminservice bei den niedergelassenen Ärzten als wichtige Lösungsansätze.

Laut DAK-Gesundheitsreport bleiben die Krankschreibungen aufgrund von Rückenproblemen seit Jahren auf hohem Niveau. Rückenschmerzen sind die zweitwichtigste Einzeldiagnose im Arbeitsunfähigkeitsgeschehen – hinter Infektionen der Atemwege. Etwa jeder zwanzigste Berufstätige ist mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben. „Trotz eines verstärkten Engagements im Betrieblichen Gesundheitsmanagement gibt es keine signifikante Verbesserung“, so die DAK. „Gemeinsam mit Unternehmen müssen wir das individuelle Arbeitsumfeld noch rückenfreundlicher gestalten – und möglichst mehr Bewegung im Job erreichen.“

Erstmals macht die DAK-Analyse deutlich: An Rückenschmerzen zu leiden oder sich damit krankzumelden hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufiges Arbeiten in unbequemer Körperhaltung, Termin- und Leistungsdruck sowie eine schlechte Work-Life-Balance gehören dazu. Krankmeldungen sind außerdem abhängig vom Alter, vom Chronifizierungsgrad und davon, ob der Job fast nie mit Freude erledigt wird. Der Blick auf die Geschlechter zeigt: Männer berichten zwar insgesamt seltener von Rückenschmerzen als Frauen, sie bleiben im Vergleich jedoch zu einem höheren Anteil der Arbeit fern, wenn sie Rückenschmerzen haben (ein Unterschied von 20 Prozent).

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat das Thema aufgegriffen und in einer Pressmeitteilung erklärt, dass anhaltender Stress, Leistungsdruck oder Angst körperliche Reaktionen auslösen könnten, die direkten Einfluss auf die Rückengesundheit ausübten und für die Betroffenen zur Belastung werden könnten. Gerade wenn sich Rückenschmerzen somatisch nicht eindeutig herleiten ließen, müssten psychische Ursachen näher betrachtet werden.

Quellen: DAK-Gesundheitsreport 2018, Pressemitteilung der DGPPN


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