ergo online
Arbeit im Büro gesund gestalten

Arbeitszeitreport 2016: Von selbstbestimmter Arbeitszeit weit entfernt

Mehr Einfluss von Beschäftigten gefordert

"Die betriebliche Flexibilität wird bislang sehr einseitig und zu Lasten der Beschäftigten ausgelegt", erklärte DGB-Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Der verfestigte Trend zu langen, atypischen und fremdbestimmten Arbeitszeiten sowie zu hoher Arbeitsverdichtung sei gefährlich, weil damit die Gefahr steige, dass Arbeit krank mache. "Der BAuA-Report hat den Zusammenhang von prekären Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Risiken noch einmal nachdrücklich belegt. Die Tatsache, dass inzwischen 43 Prozent der Erwerbsminderungsrenten im Alter von durchschnittlich 48 Jahren auf psychische Erkrankungen zurückgehen, ist nur ein Beispiel für den dringenden Handlungsbedarf."

Von einer selbstbestimmten ,New Work' seien die meisten Beschäftigten weit entfernt. Mehr als die Hälfte (62 Prozent) habe keinerlei Einfluss auf Beginn und Ende der Arbeitszeiten. Jeder Siebte müsse sich sogar häufig an kurzfristige Änderungen anpassen. Ohne eine ausreichende Planbarkeit bei den Arbeitszeiten werde die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Kindern oder ehrenamtlicher Arbeit zur reinen Schimäre. Arbeitszeiten müssten verlässlich planbar sein. Deshalb sollte ,Arbeit auf Abruf' (Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit, KAPOVAZ) - wie zum Beispiel auch in Österreich - untersagt werden.

Buntenbach weiter: "Wir fordern einen neuen Ordnungsrahmen, der selbstbestimmte Arbeitszeiten fördert und größere Flexibilitätsspielräume für die Beschäftigten eröffnet. Dazu gehört die bereits im Koalitionsvertrag festgelegte Durchsetzung des Rechts auf befristete Teilzeit mit der Option, die Arbeitszeit wieder aufstocken zu können. Auch sollten die Beschäftigten einen Anspruch auf die Bestimmung von Lage, Dauer und Ort der Arbeit bekommen. Die Arbeit muss so organisiert werden, dass die Arbeitszeit wirksam begrenzt und Erholungszeiten - Ruhezeiten und Pausen - ausreichend eingehalten werden können. Dafür muss auch die arbeitsbedingte Erreichbarkeit außerhalb der vereinbarten Arbeitszeit deutlich eingeschränkt werden."

Der Arbeitszeitreport 2016 der BAuA kann heruntergeladen werden.

Ein Seminarangebot der BTQ Kassel, gemeinsam mit ver.di b Hessen

Die Grenzen zwischen Arbeitsort, Arbeitszeit und Freizeit verschieben sich. Moderne Kommunikationstechnologien ermöglichen eine permanente Erreichbarkeit von Beschäftigten sowie die Arbeit zu jeder Zeit und von jedem Ort. Arbeitgeber fordern die Auflösung der Regelarbeitszeit
sowie das Aufweichen des Achtstundentags. Feste und aus Sicht der Arbeitgeber ´starre´ Arbeitszeitmodelle gelten als Bremse für die immer wieder angeführte dringend benötigte Flexibilität, die das Zeitalter der Digitalisierung und das Arbeiten 4.0 mit sich bringen.

Das Seminar findet vom 1. bis 3. März 2017 in der ver.di-Bildungsstätte in Gladenbach statt. Hier geht es zur Anmeldung.

Logo Ergo Online
© 2016 Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung (BTQ Kassel)

ergo-online®
powered by
BW | BTQ
mehr