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Arbeit im Büro gesund gestalten

Mentale Gesundheit

Die meisten Befragten fühlen sich wohl

Insgesamt wurden 4.511 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte befragt, die die arbeitende Bevölkerung Deutschlands abbilden. In einstündigen Interviews beantworteten sie Fragen zu ihren Arbeitsbedingungen, zur mentalen Ge-sundheit und Arbeitsfähigkeit. Zu den Arbeitsbedingungen zählten einerseits die quantitativen Anforderungen (z.B. mit der Frage erhoben: „Wie häufig müssen Sie schnell arbeiten?“), andererseits die Ressourcen wie Handlungs-spielraum („Wie häufig haben Sie Einfluss darauf, was Sie bei Ihrer Arbeit tun?“), Unterstützung durch Kollegen, Führungsqualität („In welchem Maß plant Ihr Vorgesetzter die Arbeit gut?“) und Arbeitsplatzunsicherheit („Machen Sie sich Sorgen, dass Sie arbeitslos werden?“). Um die mentale Gesundheit zu bestimmen, wurden depressive Symptome (z.B. Niedergeschlagenheit), Burnout (etwa das Gefühl, bei der Arbeit emotional ausgelaugt zu sein), die Unfähigkeit, sich zu erholen, aber auch Wohlbefinden, Lebens- und Arbeitszufriedenheit erfasst. Schließlich gaben die Befragten an, ob sie ihren Alltag schaffen und sich angesichts der geistigen Anforderungen im Büro arbeitsfähig sehen.

Dabei stellte sich heraus, dass sich die meisten Befragten wohl fühlen. 87 Prozent der Frauen und 88 Prozent der Männer berichten über ein ausgeprägtes emotionales Wohlbefinden, d.h. sie sind in den letzten vier Wochen überwiegend zufrieden gewesen. 91 Prozent sind bei beiden Geschlechtern mit ihrer Arbeit zufrieden. Allerdings leidet etwa jeder Zehnte unter Burnout-Symptomen. Außerdem klagen neun Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer über depressive Beschwerden wie Schwermut oder Versagensgefühle. Die psychischen Beschwerden hängen mit ungünstigen Arbeitsbedingungen zusammen. So tritt etwa Burnout um 20 Prozentpunkte häufiger auf, wenn die Anforderungen hoch statt niedrig sind, wenn also besonders viel und rasch gearbeitet werden muss. Dann häufen sich die depressiven Symptome ebenfalls, wenn auch nicht ganz so stark wie die Anzeichen von Burnout. Depressionen und Burnout sind zudem verbreiteter, wenn die Ressourcen gering ausgeprägt sind, also bei wenig Handlungsspielraum, wenig Unterstützung durch Kollegen und geringer Führungsqualität, und wenn der Arbeitsplatz unsicher ist. Oft gibt es dabei einen sprunghaften Anstieg: Die Symptome nehmen bei der höchsten Ausprägung von Anforderung oder Ressourcenmangel am stärksten zu. Burnout und Depression sind also vor allem dann häufiger, wenn auf höchstem Level gearbeitet wird.

Fazit der BAuA: Erwerbstätige sind niedergeschlagener und ausgelaugter, wenn die Anforderungen bei der Arbeit hoch sind und Ressourcen fehlen. Eine ausgewogene Arbeitslast, selbstbestimmte Arbeit und ein umsichtiger Chef gehen indessen mit mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitern einher. Das alles sind Zusammenhänge, die noch keine Aussage zur ursächlichen Wirkung zulassen. Dennoch sind vor allem die quantitativen Arbeitsanforderungen und der Handlungsspielraum für den Arbeits- und Gesundheitsschutz relevant, wie die Kombinationseffekte nahelegen. Wenn die Arbeit nicht überfordert und man selbst entscheidet, was getan wird, kann das Depressionen und Burnout insgesamt vorbeugen.

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