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Vortrag: Industrie 4.0 - ein Rationalisierungsprojekt?

Gegenbewegung arbeitspolitischer Humanisierung vonnöten

Auf der Jahrestagung von KAIROS-Europa vom 28. bis 30. September 2018 in Mannheim (»Verwerfungen des Kapitalismus im Zeitalter von Industrie 4.0«) hielt Klaus Pickshaus einen Vortrag zum Thema »Industrie 4.0 – Reine Rationalisierung oder Chance zur Humanisierung?«.

Seine Ausgangsthesen sind wie folgt:Die Digitalisierung treibt einen neuen Ökonomisierungs- und Rationalisierungsschub voran. Absehbar ist die weitere Freisetzung der Arbeit aus arbeits- und sozialrechtlichen Regulierungen, die durch die neoliberale Deregulierungs- und Privatisierungspolitik bereits in Gang gesetzt wurde. Notwendig wäre eine Gegenbewegung, die der digitalen Rationalisierung von oben eine arbeitspolitische Humanisierung von unten und dem Rückbau wohlfahrtsstaatlicher Institutionen den Neuaufbau arbeitskraftstärkender Interventionsrechte entgegensetzt. Der Konflikt um eine Demokratisierung ökonomischer Entscheidungen wird zu einem Schlüsselkonflikt, in dem über den Entwicklungspfad des digitalen Kapitalismus mitentschieden wird. Politökonomisch kann die Digitalisierung als technikbasierte Reorganisation der Kapitalstrukturen gefasst werden, der alle Ebenen des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses einschließt. Die Digitalisierung durchdringt nicht nur die ökonomischen Wertschöpfungsketten, sondern die Gesellschaft insgesamt. Sie bietet die technologische Basis einer neuen „kapitalistischen Landnahme“ (Klaus Dörre), die Ökonomie, Arbeitswelt und Gesellschaft gleichermaßen erfasst. Die Entwicklungspfade der Digitalisierung sind offen, aber nicht beliebig. 

Klaus Pickshaus leitete beim IG Metall Vorstand den Bereich Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik, heute ist er als freier Publizist tätig. Der Folienvortrag ist hier herunterzuladen.

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