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Erkenntnisse der Stressforschung im Arbeitsalltag nutzen

Stress ist ein Zustand hoher Aktivierung und Belastung, der oft mit dem Gefühl verbunden ist, man könne die Situation nicht bewältigen. Solch ein arbeitsbedingter Stress wirkt auf Dauer gesundheitsschädlich.  Die Ergebnisse der Stressforschung zeigen, daß die Fähigkeiten, Erwartungen und Motivationen einer Person das Ausmaß der negativen Auswirkungen von Stress sehr beeinflussen. Stress wird dann besonders negativ erlebt, wenn keine eigene Kontrolle über die stressende Situation möglich ist und man damit alleine steht. Wie mit Überbelastung umgegangen wird, ist individuell sehr verschieden.

Strategien zur Bewältigung von Überbelastung

Kampf

Flucht

erlernte Hilflosigkeit

Mehrarbeit

Tagträumen

eigenes Verhalten hat keinen Einfluß auf die Situation

Arbeitsablehnung

 Gespräche

in sich hineinfressen, Probleme runterschlucken

kollektive Gegenwehr

Pausen

verdrängen und vergessen

Medikamente um fit zu bleiben

zu Hause bleiben

nichts tun und grübeln

Gespräche zur Lösungsfindung

Stellenwechsel, Berufswechsel 

   

Weiterbildung

Suchtverhalten

   

Dampf ablassen an anderen, Mobbing 

 innere Kündigung 

 
Zusammengestellt nach Schwaninger u.a.: Auswirkungen der Bildschirmarbeit auf Augen sowie Stütz- und Bewegungsapparat, hg. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, Dortmund 1989 sowie Peter Altenburg: Streßabbau als betriebliche Aufgabe, Tipp Nr. 9, hg. von der ehemaligen Industriegewerkschaft Medien, Stuttgart o.J.

Bewältigungsstrategien sollen nachhaltig wirken

Menschen finden sehr unterschiedliche Muster der Bewältigung von Überbelastung und Stress. Sie sind nicht immer erfolgreich. Manche wirken nur kurzfristig entlastend. Angriffsverhalten in Konflikten kann zwar den Angreifer momentan entlasten und zum Nachgeben des anderen führen, erhöht aber möglicherweise das Konfliktpotential und bindet damit Energien. Wenn Zeitdruck durch vermehrte Anstrengung kompensiert wird, vermindert das die Leistungsfähigkeit und kann langfristig das Problem noch verschlimmern. Das Ignorieren der stressigen Elemente der Arbeitssituation kann  schnell Krankheitsfolgen haben.

Nachgewiesenermaßen dysfunktional zur Bewältigung von Stress ist "Nichts tun und grübeln". Der Körper verbleibt in Alarmbereitschaft, der Kopf arbeitet und der Mensch verharrt in hilfloser Passivität. Das macht krank!

Erfolgreich sind Muster, die an den Stressursachen direkt und aktiv ansetzen und für emotionale Ausgeglichenheit auch langfristig sorgen. Kurzfristig kann es allerdings sicher auch helfen, indirekt vorzugehen und über den Stress zu sprechen - wenn mitfühlende Menschen hier Unterstützung anbieten oder sich  einfach mal "sich abzureagieren". 

Schritte zur individuellen Stressbewältigung

1. Sensibel werden und sich informieren

Der erste Schritt ist schon getan: wer sich über Stress informiert, ist bereits sensibel und nimmt Stress bewusst war. Viele merken es garnicht und kennen auch ihre riskanten Bewältigungsstrategien nicht.  

2. Ursachen analysieren

Zuerst einmal ist es wichtig, die Ursachen des persönlich erlebten Stress zu analysieren. Denkbare Stressoren können sein:

aber auch

Grundsätzlich bestehen zwei Ansatzpunkte, Stress zu begegnen und ihn abzubauen. Man kann 

  1. an den Umständen, die zu Stress führen etwas ändern (Verhältnisprävention) oder
  2. seine eigenen Verhaltensweisen (Verhaltensprävention) verändern.

Drei Schritte zu Bewältigung

  1. Die Situation den eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten anpassen
  2. Die Situation momentan akzeptieren, wenn es nicht anders geht
  3. Sich von der Situation trennen, wenn Schritt 1 und 2 nicht zu verwirklichen sind.  

Hoher Stress erfordert eine schnelle Lösung der Probleme. Im Betrieb ist dies selbstverständlich nicht alles so einfach.

3. Problembezogene Bewältigungsstrategien wählen

Wirksam ist die Bewältigung von Stress mit einer problembezogene Strategie. Dazu müssen die Umstände sachlich bewertet und angemessene Lösungsschritte und Reaktionen geplant und getätigt werden. Änderungen der Verhältnisse und des Verhaltens sind dabei möglicherweise gleichzeitig sinnvoll.

Dies sollte schnell passieren. Wird eine stressige Situation lange ausgehalten, wird ständig Anpassungsenergie verbraucht, chronischer Stress ist gesundheitsschädlich. 

Problembezogene Bewältigungsmuster sind: 

4. individuelle Fähigkeiten und Einstellungen stärken

Viele merken nicht, daß sie durch Stress gesundheitlich beeinträchtigt sind. Häufig sind die Folgen nur in der Freizeit spürbar allgemein spürbar: durch Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Energieverlust. Erster Schritt ist deshalb die Aufklärung über Stress und seine Wirkungen. 

Persönliche Stressprävention geschieht durch:

Folgende Fragen können helfen:

Wo mache ich aus einer Mücke einen Elefanten?

Ist alles wirklich so schlimm, wie ich gerade denke?

Bin ich wirklich so wehrlos, wie ich mich fühle?

Sind meine eigenen Ansprüche angemessen? Kenne ich wirklich meine Kräfte?

Sehe ich auch die positiven Seiten der Situation?  

Hier geht es um die Umbewertung der Situation. Für Dienstleistungs- oder Sozialberufe (Beratung, Unterricht, Pflege, Call Center ...), die mit anderen Menschen arbeiten, gilt ein "distanziertes Engagement" - so nennt es die Burnout-Forscherin Christina Maslach 1982 , als langfristig am empfehlenswertesten. Damit wird genügend Engagement für eine befriedigende Berufsarbeit gesichert ohne Gleichgültigkeit aufkommen zu lassen. Humor und spielerisches Herangehen kann helfen in Berufssituationen, in denen die dort Tätigen den Ausgang ihres "Projekts" nicht voll in der Hand haben und damit stressgefährdet sind.

Persönliche Ressourcen aufbauen

Stressursachen müssen abgebaut werden. Ebenso wichtig ist es, die eigenen Ressourcen langfristig zu stärken, um Stresssituationen zu bewältigen. Dazu gehört es: 

Betriebliche Strategien 

Zu hoher Stress am Arbeitsplatz ist kein individuelles Problem. Es liegt in der Verantwortung des Unternehmens, dass psychische Belastungen und Stress nicht überhand nehmen. Das fordert das Arbeitsschutzgesetz und die Bildschirmarbeitsverordnung. Zum betrieblichen Gesundheitsschutz gehört die Analyse und Bewertung von Stressfaktoren und die humane Gestaltung von Arbeitsbedingungen. Organisations- und Personalentwicklung setzen hier an.

Beispiele für betriebliche Maßnahmen gegen Stress

Was können Stressgeschädigte tun

Literatur

Literaturmarker Zum Einlesen :  

BKK Bundesverband (Hrsg.):
Kein Stress mit dem Stress. Lösungen und Tipps für Führungskräfte und Unternehmen.
psyGA-Praxisordner, bestellen unter www.bkk.de oder download unter http://psyga.info, ein Angebot der Initiative Neue Qualität der Arbeit

Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.):
Richtig erholen - zufriedener arbeiten - gesünder leben. Erholung und Arbeit im Gleichgewicht. Ein Leitfaden für Beschäftigte.
Düsseldorf 2013

DGB Bundesvorstand (Hrsg.):
Immer mehr Druck im Arbeitsleben? Ein Ratgeber für Beschäftigte.
Berlin 2013

IG Metall (Hrsg.):
Anti-Stress-Paket.
USB-Stick mit Materialien zu psychischen Belastungen, Stress-Bürometer, Arbeitszeit-TÜV. Bestellen unter www.igmetall.de/shop

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin/BKK Bundesverband/inqa (Hrsg.):
Kein Stress mit dem Stress. Eine Handlungshilfe für Beschäftigte.
Dortmund 2011, download unter www.inqa.de, www.dnbgf.de und www.bkk.de

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin/BKK Bundesverband/inqa (Hrsg.):
Kein Stress mit dem Stress. Eine Handlungshilfe für Führungskräfte.
Dortmund 2011, download unter www.inqa.de, www.dnbgf.de und www.bkk.de

Angelika Wagner-Link:
Der Stress. Stressoren erkennen. Belastungen vermeiden. Stress bewältigen.
hg. von Techniker-Krankenkassen, Hamburg, 21. Auflage 2011
Bezug: Techniker Krankenkasse, Hauptverwaltung, 22291 Hamburg und www.tk.de (download)
 
Böhm, Michaela:
Burnout. Ausgebrannt - Betriebsräte als Lotsen für Burnout-Betroffene.
hg. von IG Metall. Frankfurt 2011, bestellen unter www.igmetall.de/shop und verfügbar als download 2,41 MB)

Matyssek, A.K.:
Führung und Gesundheit. Ein Ratgeber zur Förderung der psychosozialen Gesundheit im Betrieb.
bestellen unter: www.mehr-wohlbefinden-im-job.de, 2009

Berufsgenossenschaftliche Information BGI 597-23:
Wohl fühlen am Arbeitsplatz. Reihe Arbeit und Gesundheit Basics 23,
Minibroschüre, hg. v. Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin
Bezug: Universum Verlagsanstalt Wiesbaden www.universum.de (für Beschäftigte)

Literaturmarker Zum Vertiefen:

Lohmann-Haislah, A.:
Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 1. Auflage, Dortmund 2012

Maria Büntgen:
Betriebliche Gesundheitsförderung für Männer und Frauen am Beispiel Stress.
hg. von Hans-Böckler-Stiftung, Arbeitspapier Nr. 185, Düsseldorf 2010
download in Download-Area

Reinhard Tausch:
Hilfen bei Stress und Belastung. Was wir für unsere Gesundheit tun können.
Reinbek (Rowohlt Taschenbuch Verlag) 15. Auflage 2007

Eggerdinger, Christa/ Giesert, Marianne:
Unterweisung: Führen, Beteiligen, Erkennen und Vermindern von psychischen Belastungen.
hg. v. INQA Initiative Neue Qualität der Arbeit, INQA Bericht 7, Berlin/Dortmund/Dresden 2005

LiteraturmarkerBücher und Broschüren zu psychischen Belastungen und Stress

Internetportale zu Stress

Deutschland:

Web-Portal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: http://psyga.info 
Informationen und Handlungshilfen zu psychischen Belastungen, Stress und psychischen Erkrankungen.

Initiative Neue Qualität der Arbeit  www.inqa.de/ 

England: www.hse.gov.uk/stress

Schweiz: www.stressnostress.ch

USA: www.cdc.gov/niosh/topics/stress

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