Übersicht

Beschäftigte und Unternehmer haben ein gemeinsames Interesse an Gesundheitsförderung: Die einen möchten gesund bleiben und sich wohl fühlen, die anderen möchten mit gesunden und deshalb leistungsfähigen Beschäftigten im Wettbewerb bestehen.

Der tiefgreifende Wandel der Arbeitswelt hat in den letzten Jahren zu einem deutlichem Anstieg der psychischen Arbeitsbelastungen geführt - Arbeitsverdichtung, Stress, ausufernde Arbeitszeiten, Angst um den Arbeitsplatz. Auch die Bürotätigkeiten haben ein erhöhtes Risikopotential für arbeitsbedingte Erkrankungen und eine präventive Herangehensweise, d.h. die Förderung der Faktoren, die die Gesundheit stärken, rückt in den Mittelpunkt der betrieblichen Aktivitäten.   

Eine repräsentative Erhebung im Auftrag der AOK aus dem Jahr 2013 zeigt, das 79 % der Beschäftigten in Deutschland Gesundheitsförderung wichtig finden, allerdings nur ein Viertel schon einmal an Aktivitäten teilgenommen hat.

Bild 1: AOK - Umfrage 2013: Was tun Betriebe für den Gesundheitsschutz. (Quelle AOK)

Ziele 

Betriebliche Gesundheitsförderung zielt darauf ab, gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz abzubauen. Dadurch wird das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten und gefördert. Das schließt Unfall- und Krankheitsverhütung ein. Gesundheitsförderung will aber darüber hinaus die Kräfte des Einzelnen stärken und all das fördern, was bei der Arbeit fit hält. Dazu gehört bspw. auch eine inhaltlich befriedigende Tätigkeit.

Handlungsfelder   

Gesundheitsförderung nimmt in erster Linie die Arbeitsbelastungen ins Visier. Aber auch gesundheitsschädigende Verhaltensweisen der Beschäftigten können bspw. durch Rückenschulen, Kurse zur Stressbewältigung, Ernährungsberatung usw. positiv beeinflusst werden. So findet eine Verknüpfung von verhältnis- und verhaltensorientierter Prävention statt.

Bild 2: Ansätze der Gesundheitsförderung (erstellt nach Vorlage Foliensatz AOK) 

Nutzen für alle

Gesundheitsförderung "lohnt" sich für das Unternehmen:      

Gesundheitsförderung schafft Pluspunkte für die Arbeits- und Lebensqualität durch:
 

Nutzen für die Beschäftigten

Eine Reihe von Studien haben den langfristigen Nutzen nachgewiesen, so kann man sagen, dass für jeden Euro, der in die Gesundheitsförderung investiert wird, 1,2 bis 1,4 Euro zurückkommen.
               

Als Gemeinschaftsaufgabe zu lösen

Nach allen Erfahrungen gelingen gesundheitsfördernde Veränderungen um so eher, je besser alle betrieblichen Seiten zusammenarbeiten, die dazu über Fach- und Entscheidungskompetenz verfügen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, quasi als Schaltzentrale einen Arbeitskreis Gesundheit einzurichten.
 
Solche innerbetrieblichen Strukturen erleichtern Abstimmungsprozesse zwischen den Beteiligten und erhöhen die Akzeptanz von Entscheidungen. Für kleinere Unternehmen bietet es sich an, ein Gremium zu schaffen, in dem z. B. mehrere Betriebe einer Branche oder eines Handwerks gemeinsame Schritte planen.
 
Akteure der Betrieblichen Gesundheitsförderung im Betrieb sind neben den Personalverantwortlichen, dem Betriebsarzt, der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebs- oder Personalrat auch die Schwerbehindertenvertretung.

Mit einer Bestandsaufnahme beginnen

Eine erste Problemanalyse nutzt intern und extern verfügbare Datenquellen und Erkenntnisse bspw.  

Diese Informationen lassen sich zu einem betrieblichen Gesundheitsbericht zusammenfassen. Dieser zeigt erste Auffälligkeiten im betrieblichen Krankheitsgeschehen und verweist grob auf Belastungsschwerpunkte.   

 

Bild 3: Betriebliche und außerbetriebliche Informationsquellen für den Stand des Gesundheitsschutzes und Gesundheitsbericht (Quelle: IG Metall: Gesundheit schützen und fördern, Frankfurt 2003)

Beschäftigte aktiv beteiligen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen oft am ehesten, was sie an ihrem Arbeitsplatz "kränkt" und deshalb krankmacht. Auch für die Erarbeitung maßgeschneiderte Lösungsvorschläge, wie sich Arbeitsbelastungen reduzieren lassen, ist das Erfahrungswissen der Betroffenen unverzichtbar. Ihre Beteiligung durch Mitarbeiterbefragungen und Gesundheitszirkel trägt deshalb entscheidend zum Erfolg betrieblicher Gesundheitsförderung bei und dient der Feinanalyse.

Mitarbeiterbefragung

Während Krankenstandsdaten etwas über das Krankheitsgeschehen aussagen, können durch Mitarbeiterbefragungen gesundheitliche Beeinträchtigungen wie bspw. Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Verspannungen usw. erfasst und die Beschäftigten zu ihren Arbeitsbelastungen direkt befragt werden. Sie eignen sich besonders gut zur Problemerkundung, da sie auf eher unspezifische Gesundheitsstörungen hinweisen, die häufig aber die Vorboten ernsthafter Erkrankungen sind.

 

Gesundheitszirkel

Wenn "gesundheitliche Problemzonen" im Betrieb aufgedeckt wurden, empfiehlt es sich, dort einen Gesundheitszirkel einzurichten. In diesen Gesprächskreisen finden sich betroffene Beschäftigte mit einem möglichst neutralen externen Moderator zusammen und analysieren, wo sie am Arbeitsplatz "der Schuh drückt" und erarbeiten gemeinsam Lösungsvorschläge.   

Bild 3: Instrumente zur betrieblichen Gesundheitsförderung (Quelle: IG Metall: Gesundheit schützen und fördern, 1995

Gesundheitsförderung und Personalentwicklung

Die Arbeitswelt birgt nicht nur gesundheitliche Risiken, sondern auch Chancen. Geeignete Arbeitsbedingungen fördern die Gesundheitspotenziale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine inhaltlich befriedigende bzw. abwechslungsreiche Tätigkeit, die von den Beschäftigten relativ selbständig gestaltet werden kann, stärkt Körper und Psyche. Ein gutes Betriebsklima, demokratischer Führungsstil, Mitbestimmung und Information, aber auch die Anerkennung von Leistung wirken sich gesundheitlich positiv aus. Insofern ist betriebliche Gesundheitsförderung eng verzahnt mit Personalentwicklung und Unternehmenskultur.

Gesetzliche Grundlage

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet die Unternehmen dazu, Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten zu erhalten und arbeitsbedingten Erkrankungen vorzubeugen. Wichtigstes Grundprinzip ist dabei die Prävention. Insofern muss in den Betrieben der bisherige Arbeits- und Gesundheitsschutz durch die Gesundheitsförderung erweitert werden.

Unfallversicherung und Krankenkassen  

Gesetzliche Grundlagen verpflichten auch die Berufsgenossenschaften bzw. Unfallkassen zur Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren. Krankenkassen haben entsprechend § 20 SGB V den Auftrag, dabei mitzuwirken. Vorstellungen dazu und zur Gesundheitsförderung sollten daher im Betrieb abgefragt werden. Auch die für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörden sind Ansprechpartner.

Steuerbefreiung

Seit 2009 werden rückwirkend zum 1.1.2008 Leistungen des Arbeitgebers für Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung bis zu 500 EUR pro Beschäftigten im Jahr von der Steuer freigestellt (§3 Nr. 34 Einkommenssteuergesetz). Die Leistungen müssen im Leitfaden "Gemeinsame Handlungsfelder und Kritierien der Spitzenverbände der Krankenkassen zur Umsetzung von § 20 Abs. 1 SGB V und § 20a SGB V" aufgeführt sein. Das sind bspw. Maßnahmen der Prävention von Muskel-Skeletterkrankungen wie Rückenschule, gesundheitsgerechte Gemeinschaftsverpflegung, Stresskompetenztraining, gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung oder die Förderung des Nichtrauchens.

Betriebsvereinbarung  

Es empfiehlt sich eine Betriebsvereinbarung zur betrieblichen Gesundheitsförderung abzuschließen, die Ziele, Organisation und Verantwortlichkeiten regelt. Maßnahmen der Gesundheitsförderung sind mitbestimmungspflichtig, bei Betriebsräten und Personalräten.

 

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen
Rechtsprechung

Literatur

Zum Einlesen: 

Simon, Dieta; Heger, Günther; Reszies, Sabine (Hrsg.):
Praxishandbuch Betriebliche Gesundheitsförderung. Ein Leitfaden für kleine und mittlere Unternehmen.
Stuttgart (Kohlhammer Verlag) 2011
 
BKK Bundesverband (Hrsg.):
Kein Stress mit dem Stress - Qualitätskriterien für das betriebliche Gesundheitsmanagement.
bestellen unter www.bkk.de oder download unter http://psyga.info oder www.inqa.de  , ein Angebot der Initiative Neue Qualität der Arbeit 
 
Gewerkschaft ver.di (Hrsg.):
In Zukunft gesund - Schritt für Schritt zur betrieblichen Gesundheitsförderung.
Berlin 2010, zu bestellen bei https://sozialpolitik.verdi.de 
 
Giesert, Marianne/Geißler, Heinrich:
Betriebliche Gesundheitsförderung. Analyse und Handlungsempfehlungen. Betriebs- und Dienstvereinbarungen.
Frankfurt (Bund-Verlag) 2003
  
Gröben, Ferdinand:
Betriebliche Gesundheitspolitik. Analyse und Handlungsempfehlungen. Betriebs- und Dienstvereinbarungen.
Frankfurt (Bund-Verlag) 2003  
 

Zum Vertiefen:  

Faller, Gudrun (Hrsg.):
Lehrbuch Betriebliche Gesundheitsförderung.
Bern, 2. Auflage 2012
 
Bernhard Badura/ Thomas Hehlmann:
Betriebliche Gesundheitspolitik. Der Weg zur gesunden Organisation,
Berlin, Heidelberg (Springer-Verlag) 2. Auflage 2010
 
Maria Büntgen:
Betriebliche Gesundheitsförderung für Männer und Frauen am Beispiel Stress.
hg. von Hans-Böckler-Stiftung, Arbeitspapier Nr. 185, Düsseldorf
2010
verfügbar als download  (1,06 MB)
 
Europäisches Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung:
Die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung in der Europäischen Union  
November 1997, verfügbar als  download (66,5 kb)

Bücher und Broschüren zur Betrieblichen Gesundheitsförderung
 

Netzwerke und Organisationen der Betrieblichen Gesundheitsförderung

Deutsches Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung DNBGF, gemeinsamk getragen vom BKK-Bundesverband und vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG)  www.dnbgf.de   

Europäisches Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung  www.enwhp.org  
 
Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung www.hage.de  
 
Netzwerk mehr Gesundheit im Betrieb www.gesanet.de  
 
Gemeinschaftsinitiative Gesünder Arbeiten (Giga) Initiative vom NRW-Arbeitsministerium mit namhaften Unternehmen, Sozialpartnern, Berufsgenossenschaften und Krankenkassen  gesuender-arbeiten.de   

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Rechtsquellen

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