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Wenn bei uns endlich einmal südliche Temperaturen herrschen, freuen sich all jene, die das schöne Wetter am Baggersee oder im Schwimmbad genießen können. Wer aber am Arbeitsplatz  der großen Sommerhitze schutzlos ausgeliefert ist, für den ist es oftmals eine Plage.
 

Wenn die Hitze nervt

Schlecht isolierte Gebäude, große Fensterflächen, fehlende oder unzureichende Lichtschutzvorrichtungen sind der Grund dafür, dass bei sommerlicher Hitze die Temperaturen in den Arbeitsräumen wie Büros und Werkstätten unerträglich werden. Für Beschäftigte wird die Arbeit dann oftmals zur Tortur, denn der Körper verliert durch Schwitzen viel Flüssigkeit, Salz und andere Mineralien und der Elektrolythaushalt kommt durcheinander.

Bild 1: Strahlende Sonne - nervende Hitze. (Bildquelle: Niedesächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familien, Gesundheit und Integration)

Hohe Temperaturen belasten vor allem das Herz-/Kreislaufysstem und können gesundheitliche Beschwerden wie

Wenn es sehr heiß ist, steigt die Schläfrigkeit und sinkt auf Dauer die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.

Neuere arbeitswissenschaftlich Studien zeigen, dass bei Sommerhitze im Büro bis 33 °C zwar die indivdiuelle Einschätzung der Leistungsfähigkeit zurückgeht und eine deutlich erhöhte Beanspruchung in körperlicher und geistiger Hinsicht empfunden wird. Die Menschen ermüden schneller und fühlen sich unwohl, die Hauttemperatur steigt und die Herzfrequenz. Objektive Messungen der mentalen Leistungen aber zeigen keinen Zusammenhang mit den steigenden Temperaturen innerhalb eines halben Arbeitstages. Über diese Zeit sind demnach Beschäftigte in der Lage die Hitzebanspruchung zu kompensieren um ihre Büroaufgaben gut zu erfüllen. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass bei täglich 8 Stunden Arbeiten unter Hitzetemperaturen auch die objektive Leistung abnimmt.

Wie heiß darf es sein?

 
Die Arbeitsstättenverordnung  fordert für Arbeitsräume eine „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ und Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung  (Anhang 3.5). Die neue Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR) A3.5 Raumtemperatur konkretisiert diese Bestimmung und löst damit die alte ASR 6 ab. Die neue Technische Regel gibt den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse wieder. Sie verlangt, dass Arbeitgeber bereits „beim Einrichten der Arbeitsstätte“ die technischen Voraussetzungen zum Wärmeschutz beachten müssen.
 
 Steigt die Temperatur auf über 26 Grad Celsius, sind die Räume mit geeigneten Sonnenschutzvorrichtungen auszurüsten. Zudem lässt sich der Vorschrift beispielhaft entnehmen, welche Art von Lichtschutzvorrichtungen oder Sonnenschutzsysteme notwendig sein können.
Bild 2: Termomether mit Innen- und Außentemperaturanzeige - optimale Innenraumtemperatur 20 - 21 °C. (Bildquelle: TFA Dostmann) 

Eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur ist laut ASR A 3.5 dann gegeben, wenn sich die Wärmeproduktion und die Wärmeabgabe des Körpers im Gleichgewicht befinden, die Wärmebilanz des Körpers also ausgeglichen ist. Generell soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen 26 Grad Celsius nicht übersteigen. Maximal 26 Grad sind demnach normalerweise die Obergrenze.

Bild 3: Stufen des Handelns nach der Technischen Regel für Raumtemperatur ASR A 3.5. (Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Faltblatt Sommerhitze 2012)

 

Der Arbeitgeber muss handeln

 
Die neue Technische Regel enthält auch klare Bestimmungen, die besagen, was passieren muss, wenn die 26 Grad-Marke überschritten wird. Bei den zu ergreifenden Schutzmaßnahmen gilt die übliche Rangfolge: Priorität haben technische Maßnahmen, ihnen folgen organisatorische und dann kommen erst personenbezogene Maßnahmen. Die ASR A 3.5 listet die vorgeschriebenen Maßnahmen beispielhaft auf. Sie nennt neben geeigneten Sonnenschutzschutzvorrichtungen kühlende Belüftungsmaßnahmen, aber auch organisatorische Schritte wie Gleitzeitregelungen und Pausen sowie die Lockerung der Bekleidungsvorschriften bis hin zur Versorgung mit geeigneten Getränken.

Wenn das Thermometer weiter steigt 

 
Die neue Arbeitsstätten-Regel ist nach einem Stufenmodell angelegt. Bei mehr als 30 Grad Raumtemperatur ist der Arbeitgeber verpflichtet, zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die die Beanspruchung der Beschäftigten vermindern. „In solchen Fällen ist über weitere Maßnahmen anhand einer angepassten Gefährdungsbeurteilung zu entscheiden“, heißt es in Punkt 4.4. Steigt die Temperatur im Arbeitsraum auf über 35 Grad, so ist der Raum als Arbeitsraum nicht mehr geeignet – es sei denn, es werden Schutzmaßnahmen ähnlich wie bei Hitzearbeitsplätzen ergriffen wie Luftduschen oder Entwärmungsphasen.  
Bild 4: Kühlung per Ventilator. (Bildquelle: IGM Gesundheitstipp Sommerhitze 2010)
Wie die Raumtemperatur an den einzelnen Arbeitsplätzen gemessen werden muss,  wird ebenfalls in der ASR A 3.6 erläutert, beispielsweise  bei sitzender Tätigkeit in einer Höhe von 0,6 m und bei stehender Tätigkeit in einer Höhe von 1,1 m über dem Fußboden. Zudem verlangt sie besondere Aufmerksamkeit von den Verantwortlichen bei einer Überschreitung der 26 Grad-Grenze, wenn z. B. schwere körperliche Arbeit geleistet wird oder ältere Beschäftigte bzw. Schwangere im Raum arbeiten.
 

Arbeitgeber trägt die Verantwortung

 
Der Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, dass die Beschäftigten unter gesundheitsgerechten Bedingungen arbeiten können (Fürsorgepflicht). Er muss für Arbeitsräume sorgen, die keine Gesundheitsgefahren für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bergen. Nach dem Arbeitsschutzgesetz hat der Arbeitgeber zudem bei allen betrieblichen Planungen und Entscheidungen, den Gesundheitsschutz und die Sicherheit der Beschäftigten zu berücksichtigen und Arbeitsplätze im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach gesundheitlichen Gefahren zu beurteilen (§ 5). Gibt es gesundheitliche Risiken, also sind bspw. die Raumtemperaturen zu hoch, dann muss er Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit treffen.
 
 

Was ist zu tun?

   Technische Maßnahmen

    Organisatorische Maßnahmen

Auch für Betriebsräte ein Thema

Wenn bei starker Sommerhitze die zulässigen Raumtemperaturen überschritten werden, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, denn für die Gesundheit der Beschäftigten tritt der Arbeitgeber ein. Die  Einzelheiten ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung und unterliegen der Mitbestimmung der Interessenvertretungen. Wenn bauliche Veränderungen erst mittelfristig zum Erfolg führen, sind kurzfristig organisatorische Maßnahmen (von mehr Pausen bis "Hitzefrei" bei unzulässigen Temperaturen) sinnvoll. In einer Betriebsvereinbarung lässt sich das festschreiben. Dort kann auch das Verfahren zur Messung der Raumtemperatur (wer misst wo und wann?) festgelegt werden.

Was sagen die Gerichte?

 
In den letzten Jahren sind auch etliche Gerichtsurteile zur Thematik gefällt worden. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Hamm dürfen bei einer Außentemperatur von 32 Grad die Innentemperaturen in Arbeitsräumen 26 Grad Celsius nicht übersteigen. Der Temperaturunterschied zwischen draußen und drinnen sollte mindestens sechs Grad betragen. (AZ.: 7 U 132/93 OLG Hamm). Nach Auffassung des OLG haben Beschäftigte einen persönlichen Anspruch auf Einhaltung der Temperaturen bzw. Temperaturdifferenzen. Ein Urteil des Landgerichtes Bielefeld hat diese Sichtweise letztes Jahr noch erhärtet. Wenn das Thermometer mehr als 32 Grad anzeigt, muss die Innenraumtemperatur mindestens sechs Grad unter der Außentemperatur liegen.
 
Ob Vermieter für die Einhaltung der Arbeitsstättenverordnung verpflichtet sind ist umstritten, das OLG Hamm stimmte dem im Urteil zur Sommerhitze zu (28.02.2007, 30 U 131/06) und das OLG Frankfurt sieht in seinem Urteil vom 29.01.2007 (IMR 2007, 219) hier lediglich eine Vorschrift, die das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer betrifft. Eine ausdrückliche Vereinbarung zur Geltung der Arbeitsschutzvorschriften kann ein Mieter von Büroräumen im Mietvertrag vereinbaren.

 

Fit bleiben an heißen Tagen

Hinweise für jedermann bzw. jede Frau  

Wenn ein Baby unterwegs ist

Übrigens werdende Mütter und stillende Frauen dürfen nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Hitze ausgesetzt sind. Das verlangt das Mutterschutzgesetz. (§ 4 Abs. 2 und § 6 Abs. 3) Sie können auf einen klimatisierten Raum bestehen oder verlangen nach Hause gehen zu dürfen, wenn ein ärztliches Attest vorliegt.

Die Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz fordert die rechtzeitige Durchführung von entsprechenden personenbezogenen Gefährdungsbeurteilungen.
 

 Bild 5: Persönlicher Gesundheitsschutz: viel trinken. (Bildquelle: AOK)

Rechtsquellen

Gesetze und Verordnungen
Staatliche Regeln und Richtlinien
Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen

Rechtsprechung

Literatur

Literaturmarker  Zum Einlesen:   

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Sommerhitze im Büro. Hinweise und Tipps für die heißen Tage.
Faltblatt 2012, download unter www.baua.de

IG Metall (Hrsg.):
Extra-Tipp 39 "Sommerhitze. Wenn der Arbeitsplatz zur Sauna wird."
Frankfurt 2010,  download (1,4 MB)

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
Empfehlungen für heiße Sommertage in Arbeitsstätten.
unter: http://www.baua.de/sommertipps.de 

Neue Technische Regel verbessert den Schutz gegen Sommerhitze am Arbeitsplatz.
in: Gute Arbeit, Heft 7/8 2010 (Bund-Verlag)  

Arbeitnehmerkammer Bremen (Hrsg.):
Sommerhitze am Arbeitsplatz
Info Juli 2010 zu Fragen der Gesundheitsvorsorge der Arbeitnehmerkammer Bremen.
   download (98 kB) 

Manuel Kiper: 
Bei Sommerhitze – kühl bleiben!
In: Computer und Arbeit, Heft 4/2009 (Bund-Verlag)  

Hess, G./Rundnagel, R:
Sommerhitze - und was tun?
in: Arbeitsrecht im Betrieb, 9/2006 (Bund-Verlag) 
  download ( 55 kB)  

Literaturmarker zum Vertiefen:

R. T. Hellwig, I. Nöske, S. Brasche, Hj. Gebhardt, I. Levchuk, W. Bischof:
Hitzebeanspruchung und Leistungsfähigkeit in Büroräumen bei erhöhten Außentemperaturen.
hg. von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 1. Auflage Dortmund 2012 (arbeitswissenschaftliche Studie)  

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