Übersicht

Bürogeräte produzieren Geräusche. Diese können die Konzentrationsfähigkeit und das Leistungsvermögen der Beschäftigten beeinträchtigen. Auch Gespräche zwischen Kollegen/Kolleginnen oder mit Kunden können den sehr stören, der gerade eine schwierige Aufgabe zu lösen hat. Maßnahmen zur Geräuschminderung und der Kauf leiser Produkte verhindern, dass Bürolärm krank macht.

Wie laut es sein darf

Kommunikation und Konzentration 
 

Das Arbeiten im Büro erfordert oft beides: Konzentration und Kommunikation. Es wird telefoniert, Teams stimmen sich ab und auf Zuruf kann schnell reagiert werden. Bildschirmarbeit kennzeichnet grundsätzliche eine erhöhte geistige Beanspruchung.

Die Bildschirmarbeitsverordnung im Anhang Nr. 17 fordert deshalb:   

Umgebungslärm darf weder die Kommunikation noch die Konzentration bei der Arbeit beeinträchtigen. 

Allgemein gilt entsprechend der Arbeitsstättenverordnung im Anhang Nr. 3.7:

In Arbeitsstätten ist der Schalldruckpegel so niedrig zu halten, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist.

Welche Grenzwerte gibt es?

Für den Lärm im Büro gibt es keine gesetzlich verbindlichen Grenzwerte, sondern Schutzziele, an dem sich die Gestaltung der Arbeitsplätze ausrichten muss. Konkrete Werte aus den berufsgenossenschaftliche und staatliche Informationen und Regeln sowie Normen unterstützen den Praktiker im Betrieb und sind als Empfehlungen der Fachwelt zu berücksichtigen.

Kenngrößen bei Lärm

Die in der Arbeitsstättenverordnung und der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung genannten maximalen Grenzwerte haben das Ziel, Gehörschäden zu vermeiden. Es sind Muss-Vorschriften, bei 80 dB(A) Durchschnittslärm sind Unterweisungen, Vorsorgeuntersuchungen und Gehörschutz anzubieten und ab 85 dB (A) vorgeschrieben. Einen Lärmminderungsplan muss der Arbeitgeber erstellen ind Lärmbereich ausweisen, wenn der Beurteilungspegel 85 dB(A) erreicht. Für Büroarbeit wird die Verordnung nicht angewendet.

Für die konzentrierte Arbeit am PC-Arbeitsplatz müssen sehr viel strengere Maßstäbe herangezogen werden. Hier geht es um psychische Belastungen. Lärm ist ein Stressfaktor.

Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft und die VDI Richtlinie 2058 fordern den Maximalwert von 55 dB (A) für überwiegend geistige Tätigkeiten. Nach neuesten Erkenntnissen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin werden diese Werte als nicht ausreichend angesehen und 55 dB(A) zwar als zulässig aber ungünstig bewertet. Die "Arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse AWE Nr. 124" dieser staatlichen Fachbehörde bewerten Schalldruckpegel am Bildschirmarbeitsplatz bis 30 dB (A) als optimale schalltechnische Qualität am Arbeitsplatz, bis 40 dB (A) als sehr gut und bis 45 dB (A) als gut. Auch die DIN 11690 geht in diese Richtung, wobei hier nur technisch bedingte Hintergrundgeräusche gemeint sind. Konkret heißt das:  

Empfehlungen der Fachwelt zur Lärmbelastung in Büros - anzustreben sind Schalldruckpegel

Nicht allein der Richtwert zählt. Angesichts dieser unterschiedlichen und teilweise widersprüchlich erscheinenden Angaben der Regelwerke ist eine Abstimmung über die akustische Qualität unter allen Akteuren im Unternehmen, auch den Betroffenen, erforderlich. Dabei ist es ganz zentral, die Arbeitsaufgaben mit ihren speziellen Anforderungen zu berücksichtigen. Im Übrigen ist Lärmschutz eine Mitbestimmungsangelegenheit. Ohne Zustimmung des Betriebs- oder Personalrates kann eine Entscheidung über die Arbeitsplatzgestaltung nicht vorgenommen werden.

Mit einem passenden Raumkonzept kann es gelingen die Zielwerte umzusetzen und den jeweiligen Erfordernissen gerecht zu werden. Auf diese Weise lassen sich dann Aufwände der akustischen Ausgestaltung reduzieren.

Bild 1: Grafische Darstellung eines Beurteilungspegels - Durchschnittsschalldruckpegel. (Quelle: www.buero-forum.de)

Allerdings: Je dichter die Arbeitsplätze im Büroraum gestellt sind und je häufiger und lauter gesprochen wird, umso geringer ist die Chance, durch schalldämpfende Materialien diese Pegel zu erreichen.

Lärmmessung und Pegelwerte

Der gemessene Schalldruckpegel in dB (A) gibt an, wie laut das Geräusch vom menschlichen Ohr empfunden wird. Die Kenngröße für die Angabe der Lärmbelastung am Arbeitsplatz ist der Beurteilungspegel oder Tagesexpostionspegel. Er stellt die durchschnittliche Geräuscheinwirkung während des Arbeitstages dar und berücksichtigt alle am Arbeitsplatz eintreffenden Geräusche. Der Schallpegel, der vom Betroffenen selbst verursacht wird, wird dabei nicht mit einbezogen.

Die Angabe eines Tagesdurchschnitts macht keine Aussage über Spitzenbelastungen und kurzzeitige laute Phasen. Sie können ziemlich unangenehm stören. Der Beurteilungspegel ist für die Einschätzung des Lärmstresses im Büro deshalb nur eine begrenzt aussagefähige Angabe.Auch spielen bei der Lästigkeit des Lärms die Art der Töne eine Rolle und Gespräche stören am meisten.

Die VDI 2058 fordert bei Lärmmessungen nicht nur akustische Größen, sondern immer auch die Tätigkeitsvoraussetzungen, den Geräuschcharakter und die persönlichen Voraussetzungen miteinzubeziehen. Bei der Gesamtbewertung der Lärmbelastung sollten Wechselwirkungen mit anderen Belastungsfaktoren berücksichtigt werden.

Geräuschbelastung im Büro wird von vielen Fachleuten nicht als Lärm bezeichnet, dieser sei erst ab 80 dB (A) gegeben. Es wird von der Lästigkeit der Geräusche gesprochen. Lärm im Büro hat neben der Lästigkeit auch negative Auswirkungen auf die Arbeitsleistung, die Konzentration wird erheblich beeinträchtigt. die Leistungsfähigkeit ebenso.

Hintergrundlärm

Der technisch bedingte Hintergrundlärm in einem Büroraum wird in der Regel durch Klimaanlagen und die EDV-Geräte erzeugt. Lärm kann auch über Wände und Decken oder Fenster in einen Büroraum eindringen. Der Hintergrundgeräuschpegel ist der Schalldruckpegel, der in 95 Prozent der Messzeit überschritten wurde. Die Arbeitsgeräusche und Sprache sind hier nicht miteinbezogen.

Zu bedenken ist, dass Gespräche im Hintergrund die größten Stress- und Belästigungsfaktoren in Mehrpersonenbüros sind.  

Lärmbelastung und Gesundheitswirkung 

dB (A)  

subjektives Empfinden  

Geräuschart

Gesundheitliche Wirkung
10    unhörbar Atemgeräusch in 30 cm Entfernung sicherer Bereich
30    sehr leise Flüstern oder Ticken eines Weckers
40    leise leise Radiomusik mögliche psychische und vegetative Reaktionen
50   leise Laserdrucker
60   laut normale Unterhaltung (2 m) Beginn vegetativer Schäden
70  sehr laut   Schreibmaschine, Matrix- oder Typenraddrucker, laute Sprache nervöse Störungen
80  sehr laut Kraftwagen in 7 m Entfernung, starker Straßenverkehr deutliche vegetative Schäden
90   sehr laut Lastwagen in 5 m Distanz
gesundheitsgefährdender Bereich, Beginn von Gehörschäden
100 sehr laut Diskothek
110 unerträglich Flugzeugtriebwerk 240 m Entfernung gesundheitsschädigender Bereich
120  unerträglich Flugzeugtriebwerk 30 m Entfernung Verletzung des Zentralnervensystems
150-180 unerträglich Raketentriebwerk Lähmung und Tod von Organismen
Quelle: GUV-I 8566 Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen (hg. v, Bundesverband der Unfallkassen, nicht mehr erhältlich)

Störungen durch Lärm im Büro sind vermeidbar

Gesundheitsgefahren

Lärm wird immer wieder als eines der häufigsten Probleme auch an Büroarbeitsplätzen genannt. Jeder zweite fühlt sich durch das im Büro herrschende Lärmumfeld beeinträchtigt. Dies ergab eine Umfrage des Forum Besser Hören unter knapp 1000 Angestellten. Die repräsentative schweizerische Bürobefragung von 2012 zeigt Lärm als höchsten Belastungsfaktor. Lärm führt zu psychischen Belastungen und Stress

Aufmerksamkeit und Reaktionszeit sinken, Denkvorgänge laufen langsamer ab. Ist es sehr laut, kann das Gehör geschädigt werden. Lärm beeinflusst das vegetative Nervensystem, erhöht den Blutdruck und kann das Herz-Kreislaufsystem schädigen.  

Bild 2: Informationshaltiger Lärm ist ein starker Stressor. (Quelle: SUVA)
Geräusche stören besonders bei schwierigen Aufgaben

Nach einer neuen Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin wirken akustische Belastungen dann besonders störend, wenn komplexe Aufgaben zu erfüllen sind. Bearbeitungsdauer und Fehlerrate nehmen zu, wenn z. B. ein Angebot erstellt werden muss.  Bei einfachen Aufgaben lässt sich hingegen die Störwirkung von Geräuschen durch erhöhte Aufmerksamkeit kompensieren.

Besonders stark wird die Konzentration beeinträchtigend durch das unfreiwillige Mithören von Gesprächen bei anspruchsvollen Tätigkeiten. Das "Weghören wollen" löst erhebliche Stressreaktionen aus.

So lässt sich Lärm reduzieren

Beschaffung

Beim Kauf von lärmarmen Maschinen und Geräten ist auf Folgendes zu achten: Die Hersteller sind gesetzlich durch das Produktsicherheitsgesetz ProdSG verpflichtet, über die Geräuschabgabe ihrer Geräte zu informieren und die nach Normvorgaben ermittelten Werte in der Betriebsanleitung oder in den Verkaufsunterlagen anzugeben. Angegeben werden muss der Schallleistungspegel bei definierten Betriebsbedingungen (Betrieb und Stand-By).

Der "Blaue Umweltengel" legt einen maximale Geräuschabgabe im Leerlauf bei Arbeitsplatzrechnern von 48 dB (A). Das erreichen auch manche Laser- und Tintenstrahldrucker, oft liegt der Wert her allerdings um die 60 dB (A). Der Maximalschallleistungspegel bei Bürogeräten wird nach den Vergabebestimmungen mit 75 dB (A) definiert.

Das Umweltbundesamt empfiehlt, dass Geräte mit mehr als 63 dB(A) Schallleistungspegel nicht in einem Raum stehen sollen, in dem konzentrativ gearbeitet wird. Hohe Frequenzen belästigen besonders stark. Auch darauf sollte bei der Geräteauswahl geachtet werden.  

Akustische Kenngrößen von Räumen

Die Nachhallzeit ist die Zeit des Nachklingens von Schall in einem Raum bis hin zur Unhörbarkeit. Sie ist die wichtigste Kenngröße für die Hörsamkeit in Räumen. Je niedriger sie ist, desto weniger "hallig" ist der Raum und desto besser ist die Sprachverständigung. Aber auch die akustischen Störungen von Geräuschen sind in Räumen mit geringen Nachhallzeiten geringer. Beeinflusst wird die Nachhallzeit durch den Anteil der schallabsorbierenden Flächen im Raum.

Die Schallausbreitung sagt ebenfalls etwas über die Reflektions- und Absorptionseigenschaften des Raumes aus. Sie gibt an, um wieviel der Schalldruckpegel im Durchschnitt von der Quelle zum Arbeitsplatz im Raum abnimmt. Angegeben wird hierzu die Abnahme des Schalldruckpegels pro Entfernungsverdopplung. Im freien Feld ist das 6 dB.

Einen guten Schallschutz hat ein Büroraum mit einer niedrigen Nachhallzeit und eine hohe Abnahme der Schallausbreitung. Eine zu hohe Schalldämmung trägt allerdings auch nicht zum Wohlbefinden bei.

Für Großraumbüroplanungen reichen globale Angaben wie der Beurteilungspegel oder die Nachhallzeit nicht mehr ausreichend. Hier geht es um Vertraulichkeit und Störungsfreiheit. Kenngrößen der Akustik wie "räumliche Abklingrate der Sprache", "Ablenkungsabstand" (Abstand bei dem Sprache Anderer nicht mehr verständlich ist und nicht mehr ablenkt), "Vertraulichkeitsabstand" oder "A-bewerteter Schalldruckpegel in einem Abstand von 4m" sind notwendig, um die Qualität der Akustik zu beurteilen.  Erreicht werden gute Werte dieser Kenngrößen durch gute Schallschirmung zwischen den Arbeitsplätzen, ausreichend schallabsorbierende Flächen und Zonierungen der Arbeitsflächen nach Tätigkeitstyp (kommunikationsintensiv, konzentrativ).  

 

Rechtsquellen und Normen

Gesetze und Verordnungen

Berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen

Normen und sonstiges Regelwerk

 

Literatur

Literaturmarker Zum Einlesen:  

IG Metall (Hrsg.): Informationen für Beschäftigte - Themen-Flyer
Ruhe im Büro fördert Kommunikation und Konzentration. Mit Rücksicht und guter Ausstattung leise durch den Büroalltag.
 download  (214 kB) oder unter www.igmetall.de

Büro-Forum (Hrsg.):
Schall- und Lärmwirkung. Grundlagen des Hörens, Schallwirkungen und Maßnahmen im Büroumfeld.
Fachschrift Nr. 11, Wiesbaden 2010, download unter www.buero-forum.de

Büro-Forum (Hrsg.):
Raumakustik. Akustische Bedingungen am Arbeitsplatz effektiv gestalten.
Fachschrift Nr. 8, Wiesbaden 2010, download unter www.buero-forum.de

Berufsgenossenschaft BG ETEM Energie-Textil-Elektro-Medienerzeugnisse (Hrsg.):
Das Medienbüro. Gestaltung von Arbeitsplätzen für Konzeption und elektronische Produktion von Bild und Text.
Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung. Wiesbaden 2009

Peter Martin:
Über die Grenzen der Grenzwerte - das Beispiel Raumakustik.
in: Zeitschrift Gute Arbeit, AIB-Verlag 5/2009 

Belästigender Lärm am Arbeitsplatz 
Broschüre der Schweizer Unfallversicherung SUVA
Luzern 5. Auflage 2006
 download  (1,2 MB)

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Hrsg.):
Akustische Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen in Büros.
Technik 26, 4. Auflage Dortmund 2006 

Literaturmarker Zum Vertiefen:  

Pieren, Reto:
Soundscape im Grossraumbüro (Open Plan Space). Problematik und Lösungsansätze.
Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Vortrag: Internationale Akustiktage Bad Wörrishofen 2011   

Bechmann, R.:
Anforderungen an eine gute Akustik in Mehrpersonenbüros.
in: Zeitschrift Gute Arbeit 7/8 2007, www.www.gutearbeit-online.de/

Elmar Schröder/Ulrich Schanda:
Vergleichende Untersuchung raumakustischer Konzepte von Mehrpersonenbüros hinsichtlich Sprachverständlichkeit, Arbeitsgedächtnisleistung und Arbeitsbehaglichkeit durch Hörversuche.
in: Bauphysik 5/2007, Verlag Ernst & Sohn

Ch . A. Sust/ H. Lazarus:
Bildschirmarbeit und Geräusche,
Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin,(Wirtschaftsverlag NW), Dortmund, Berlin  2003 

Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd (Hrsg.):
Fachinformation „Lärm-Stress" am Arbeitsplatz  - Nicht das Innenohr betreffende Lärmwirkungen -„Extra-aurale Lärmwirkungen".
Fachausschus-Informationsblatt Nr. 018, download unter www.bg-metall.de

LiteraturmarkerBücher und  Broschüren zu Lärm

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Rechtsquellen


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Bezug des Regelwerks